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Kapitel 11

Die Sonne brannte auf das Glasdach des Gewächshauses und Buffy wünschte sich nichts sehnlicher, als eine Runde im Pool zu schwimmen.

Sie stellte gerade eine neu umgepflanzte Blume in eins der Regale, als Joyce um die Ecke kam. „Sollen wir eine Pause machen?“

Buffy wischte sich den Schweiß von der Stirn und lächelte ihre Mom an. „Das wäre echt klasse…können wir Anne fragen, ob sie uns einen von ihren leckeren Eistees machen kann?“

Joyce erwiderte das Lächeln und öffnete die Tür des Gewächshauses. „Sicher können wir das. Komm, wir setzten uns an den Pool.“

Sie gingen beide langsam den Kiesweg hinauf, als Buffys Mutter sich räusperte. „Dein Vater hat vorhin angerufen und mir alles über Riley erzählt.“

Buffy blieb stehen und Joyce drehte sich zu ihr um. „Warum hast du uns nicht schon viel früher davon erzählt? Du weißt doch, dass wir immer für dich da sind, oder?“

„Sicher weiß ich das“, sagte Buffy und ging den Weg weiter hinauf. „Ich habe gedacht, wenn ich mit ihm Schluss mache, würde er es vielleicht kapieren.“

Joyce sah ihre Tochter erstaunt an. „Was sollte er kapieren?“

„Na ja, dass er einen Fehler gemacht hat und so nicht mit mir umspringen kann. Doch er hat gar nichts gelernt. Er lauert mir auf und ich wette mit dir, dass er damit auch nicht aufhören wird, bis er mich wirklich allein erwischt. Bis jetzt hatte ich immer Glück, dass Will in der Nähe war.“ Buffy musste leicht lächeln, als sie an Spike dachte.

Sie hatten die Terrasse erreicht und beide ließen sich in die Gartenstühle sinken. „Oh, der Sohn von Anne? Hank hat mir gesagt, dass er so etwas wie dein Retter in der glänzenden Rüstung ist. Stimmt das?“

Buffy starrte auf das in der Nachmittagssonne glitzernde Wasser des Pools. „Oh ja…wenn er nicht gewesen wäre…hätte Riley mich vergew…“, sie stoppte und drehte langsam ihren Kopf, um ihre Mutter anzusehen. „Mom? Wie lange hast du gewartet, bis du das erste Mal mit einen Jungen geschlafen hast?“

Joyce überlegte. „Ähm, ich und dein Vater waren noch nicht lange zusammen…zwei, drei Monate vielleicht. Wieso fragst du?“

„Ich habe…ich mein…ich bin noch Jungfrau.“ stammelte Buffy und wurde leicht rot. „Ich will auf den richtigen warten, verstehst du? Wusstest du, dass Dad der Richtige war…merkt man es?“

„Du brauchst dich deswegen doch nicht zu schämen, Mäuschen. Ich finde es gut, dass du warten willst.“ Ihre Mutter legte ihr eine Hand auf ihren Arm. „Du wirst es spüren, wenn er der Richtige ist.“

„Wie fühlt sich das an?“ fragte Buffy als Joyce aufstand, um in die Küche zu gehen.

Ihre Mutter lächelte. „Das kann man nicht beschreiben. Ich kann dir nur versichern, dass du es sofort fühlst, wenn du dem Richtigen begegnest.“

Buffy dachte in dem Moment sofort an Spike und in ihrem Unterleib bildete sich ein Kribbeln, das sich sehr schnell in ihrem ganzen Körper ausbreitete.

Joyce beobachtete noch einen kurzen Moment ihre Tochter, wie diese verträumt vor sich hinstarrte und fragte dann: „Du nimmst doch noch die Pille, oder?“

Buffy schrak aus ihrem Tagtraum auf und sah ihre Mutter erstaunt an. „Natürlich, wieso fragst du?“

„Nur so zur Sicherheit…man weiß ja nie, wann er deinen Weg kreuzt…vielleicht hat er das ja schon“, erwiderte ihre Mutter und verschwand in der Küche.

Sie machten eine halbe Stunde Pause und gingen dann wieder hinunter, um die restlichen Blumen umzutopfen…den ganzen Tag musste Buffy an Spike denken…wenn dieses Kribbeln, das sie immer spürte, wenn sie ihn sah oder auch nur an ihn dachte, ihr sagte, dass er der Richtige wäre, was sollte sie denn dann tun?

Joyce stand hinter einem ihrer Blumenregale und beobachtete ihre Tochter. Sie kannte diesen Blick in Buffys Augen…denn genauso sah sie selbst aus, wenn sie an Hank dachte. Sie war in ihren Mann noch genauso verliebt wie am ersten Tag und hatte vom ersten Augenblick an gewusst, dass sie mit diesem Mann alt werden würde…und sie fragte sich, ob es sich wohl um Annes Sohn William handelte.

Buffy schlief in der kommenden Nacht sehr tief und träumte davon wie es wäre, wenn Spike IHR Mann fürs Leben wäre.

*** *** *** *** ***

Spike hatte es noch rechtzeitig geschafft und stand pünktlich um 15.00 Uhr vor Willows Haustür.

Sie schnappte sich ihre Jacke, den Autoschlüssel für den Wagen ihrer Mutter und ihre Handtasche. Dann fuhr sie zusammen mit Spike hinunter zum Hafen.

Oz und seine Band hatten in einem der Lagerhäuser ihren Proberaum. Willow parkte den Wagen in einer Seitengasse und stieg aus. William folgte ihr, als sie vor einer riesigen, eisernen Tür stehen blieb und laut klopfte.

Ein kleiner junger Mann mit blauen Haaren öffnete die Tür und lächelte Willow an. „Hey Süße!“ sagte er und nahm sie in den Arm. „Du musst Spike sein…“, sagte er als er Willow wieder losließ und William seine Hand entgegen streckte. „Ich bin Oz. Schön dich kennen zu lernen.“

Er ging einen Schritt zur Seite und ließ die beiden eintreten. Es war erstaunlich hell in dem Lagerhaus, was wohl an den riesigen Fenstern lag. Spike hatte in London in einem Luftschutzbunker einen Proberaum gehabt. Dort war es immer kalt und nass gewesen. Hier entgegen sah alles freundlich und trocken aus.

Sie betraten den eigentlichen Proberaum, der im Keller des Gebäudes lag. Willow ließ sich sofort auf das gemütliche rote Sofa fallen, während Oz William die anderen Bandmitglieder vorstellte.

„Okay…“, begann Oz. „Du schreibst echt geile Texte und du hast wirklich ein sehr gutes Gespür für eingängige Melodien. Wie lange brauchst du für einen Song?“

Spike setze sich neben Willow und sah in die Runde. „Das kommt drauf an…manchmal ´ne Stunde…manchmal einen Tag…je nachdem wie ich drauf bin“, erwiderte er.

Devon, der Sänger von den Dingos, nahm Williams Noten und Notizen in die Hand. „Wie lange hast du für diesen gebraucht?“ fragte er und hielt Spike das Blatt entgegen. Dieser nahm es entgegen und schaute darauf…es war ein Song, den er eigentlich für Dru geschrieben hatte. „Etwas über eine Stunde!“

Devon sah ihn mit großen Augen an. „Mein Gott…du hast wirklich eine besondere Gabe.“

„Danke! Willow sagte mir, dass ihr mir morgen vielleicht helfen könntet?“ lenkte Spike schnell ab, er konnte nicht besonders gut mit Komplimenten umgehen. Es machte ihn immer etwas nervös.

Oz sah ihn an. „Ja sicher, um welchen Song handelt es sich denn?“

William lehnte sich nach vorn und durchwühlte die Notenblätter. „Wo ist es denn…nee, das nicht…ah…da ist es.“ Er zog ein Blatt aus dem Stapel und reichte es Oz herüber.

„Oh…das ist echt klasse…ein richtiger Rock´n Roll Song. Also…sollen wir es angehen?“ fragte Oz und war schon richtig heiß darauf, diesen Song zu spielen.

Spike grinste ihn an. „Sehr gern…es gibt da nur ein kleines Problem.“

„Was denn?“ erwiderte der kleine Gittarist.

„Ich bräuchte eine E-Gitarre…meine Strat Sunburst musste ich in England verkaufen“, sagte Spike und wurde etwas traurig, denn die Gitarre hatte er von seinem besten Kumpel zum siebzehnten Geburtstag geschenkt bekommen.

Oz schlug ihm auf die Schulter. „Wenn es nur das ist…ich denke darin sehe ich kein Problem.“ Er stand auf, verschwand in einen Nebenraum und kam mit einer E-Gitarre wieder.

„Hier, die kannst du solange benutzen, bis du dir eine eigene kaufen kannst“, sagte Oz und lehnte die Gitarre neben Spike gegen das Sofa. Er hob sie hoch und betrachtete sie. Es handelte sich um eine komplett weiße Fender Stratocaster, die neu so um die zweitausend Dollar kostete.

„Das kann ich nicht machen, die ist doch viel zu teuer“, sagte Will und sah Oz ungläubig an. Dieser sah ihn grinsend an und sagte: „Wenn du diesen Contest gewinnst, kannst du sie mir ja vielleicht abkaufen…ich werde dir einen guten Preis machen.“ Er drehte sich um und klatschte in die Hände. „So, wollen wir jetzt anfangen?“

Alle waren damit einverstanden und erhoben sich, nur Spike blieb wie angewurzelt sitzen. Der blauhaarige Gitarrist drehte sich zu ihm herum. „Was ist los? Hast du es dir anders überlegt?“

William schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht. Ich fragte mich nur gerade, warum du mir eine Gitarre leihst…du kennst mich doch gar nicht?“

„Jeder der ein Freund von meiner Kleinen ist, ist auch mein Freund“, erwiderte Oz und sah Willow lächelnd an. „Außerdem habe ich einen kleinen Hintergedanken, mein Freund….Also, können wir loslegen?“

„Let´s Rock ´n Roll“ sagte Spike, wobei man genau hören konnte, dass er Engländer war. Er schnappte sich die Gitarre und ging zu den anderen herüber, die schon auf ihn und Oz warteten.

Es wurden drei schweißtreibende Stunden, bis auch das letzte kleine bisschen einstudiert war.

Zufrieden schlief William an diesem Abend ein und freute sich schon auf den nächsten Tag, denn er hatte endlich wieder die Chance, auf einer Bühne zu stehen und höchstwahrscheinlich würde er Buffy wieder sehen.

*** *** *** *** ***

Buffy stand am Freitagnachmittag vor ihrem Kleiderschrank und wusste nicht, was sie anziehen sollte. Auf ihrem Bett türmten sich die Klamotten und der Berg wuchs mit jeder Minute ins Unermessliche.

Sie entschied sich schließlich für eine dunkelblaue Stretchjeans und eine schwarze Corsage. Sie würde auch noch ihren schwarzen Mantel mitnehmen, falls es kälter werden würde.

Buffy sah auf die Uhr und stellte mit Schrecken fest, dass sie weniger als zwei Stunden hatte, um sich fertig zu machen, bevor Faith und Robin, Faiths Freund, sie abholen würden. Sie rannte schnell ins Bad um sich zu duschen und sich danach fertig zu machen.

Nachdem sie sich geschminkt und ihren Schmuck angelegt hatte, warf sie einen letzten Blick in den Spiegel, bevor sie die Treppe hinunter in die Küche ging, um noch etwas zu essen.

Anne wollte gerade gehen, als Buffy die Küche betrat. „Hey Buffy! Du siehst aber gut aus heute Abend.“

„Danke“, erwiderte Buffy. „Wolltest du gerade nach Hause gehen?“

Anne nickte und zog ihren Mantel über. „Ja, ich würde ja sehr gern heute Abend im Bronze vorbeischauen, wenn William seinen Auftritt hat.“

Buffy schaute sie erstaunt an. „Echt? Wow…ich glaube meine Eltern würden das nicht machen.“

„Ich denke, wenn du auch soviel Talent hättest wie er würden sie es tun“ erwiderte Anne und lächelte das junge Mädchen an.

Buffy schnappte sich das Sandwichbrot und kramte im Kühlschrank nach Mayonnaise, Salat, Kochschinken, Käse und Tomaten. „Ist er so gut?“ fragte sie, während sie nach den Sachen kramte.

„Na ja…ich bin seine Mutter, was soll ich dazu sagen“, lachte Anne.

Buffy schloss die Kühlschranktür. „Stimmt auch wieder!“

Anne verabschiede sich und ließ das junge Mädchen allein in der Küche zurück.

Faith und Robin kamen einen halbe Stunde später und die drei machten sich auf den Weg ins Bronze.

*** *** *** *** ***

Spike und die Jungs von „Dingo Ate my Baby“ waren schon ein, zwei Stunden eher da, bevor das Bronze öffnete, weil sie die Instrumente und Verstärker alle noch aufstellen und einen Soundcheck machen wollten.

Willow, Tara, Xander und Anya waren auch schon da und saßen bereits an ihrem Stammtisch. William sprang von der Bühne und kam zu ihnen herüber. „Hey, seit  ihr schon lange hier?“ fragte er und setzte sich auf einen Hocker.

„Nee…ein paar Minuten. Larry hat uns rein gelassen“, sagte Xander. „Hast du alles soweit geschafft?“

William nickte. „Dank Willow hier wird der Auftritt perfekt werden“, sagte er und drückte die Rothaarige an sich.

„Stör ich bei irgendetwas?“, fragte Oz, der sich auch zu ihnen gesellt hatte. Spike drehte sich zu ihm um und sagte: „Nee, ich kann es kaum abwarten, bis es soweit ist…wie spät ist es?“

Oz lachte laut auf. „Willst du mich das jetzt alle fünf Minuten fragen? Es ist gleich Sechs.“

Will ließ seinen Kopf auf die Tischplatte sinken. „Mein Gott, das sind noch über drei Stunden, das überleb ich nicht.“

Tara strich ihm beruhigend über den Rücken. „Oh Spike…so schnell stirbt sich’s nicht. Wir könnten ja zuerst etwas essen gehen…dann haben wir schon wieder etwas Zeit totgeschlagen…der Tisch hier ist sowieso immer für uns reserviert…was hältst du davon?“

Er hob nicht den Kopf, nickte aber trotzdem. Tara und Willow holten seinen Mantel von der Bühne und die Loser verließen zusammen mit den Dingos das Bronze, um im Doublemeat Palace was zu essen.

*** *** *** *** ***

Für Spike schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Obwohl es einige richtig gute Leute gab, die singen konnten, interessierte es ihn nicht besonders.

Doch als Harmony Bette Midlers `Wind Beneath My Wings´ zum Besten gab, konnte er auch nicht mehr. Sie versuchte verzweifelt, die Melodie auf die Reihe zu bekommen, doch lag immer einen Ton daneben.

Um viertel nach Neun machte sich das Lampenfieber doch etwas bemerkbar und Spike klopfte immer wieder mit seinen Fingern nervös auf der Tischplatte herum. „Sag mal Will, kann es sein dass du nervös bist?“, neckte ihn Willow. Er schaute sie an und zuckte nur mit den Schultern.

Er hörte erst auf mit dem Trommeln, als ihm jemand auf die Schulter tippte. Er drehte sich um und sah, dass Buffy hinter ihm stand.

 „Hey!“, sagte sie leise.

Spike lächelte sie an. „Hey Buffy.“

„Ich bin nur vorbeigekommen, um dir Glück zu wünschen“, sagte sie und lächelte zurück.

Spike schaute zur Bühne herüber und sah, das Oz ihm zuwinkte. „Danke, kann ich gut gebrauchen.“ Mit diesen Worten stand er auf, holte noch einmal tief Luft und ging auf die Bühne zu. Er drehte sich noch einmal kurz um. „Ich sehe dich nachher“, sagte er zu Buffy.

Diese nickte und machte sich wieder auf den Weg auf den Balkon.

*** *** *** *** ***

Er stand nervös hinter dem Mirko, klopfte vorsichtig darauf und räusperte sich.

„Hey…ich bin Spike…und ich möchte euch drei Eigenkompositionen von mir präsentieren. Der erste Song war für meine Ex, die ich, obwohl sie mich so hintergangen hat, sehr geliebt habe, als ich in England gewohnt habe….der Song heißt `Tears´“

Alle waren mucksmäuschenstill, als er seine Akustikgitarre nahm, sich auf den Hocker setzte und zu spielen begann.

Hier und da hörte man jemanden husten und irgendjemand schrie „langweilig“ in die Stille, doch das störte Will überhaupt nicht, denn er schloss seine Augen und konzentrierte sich auf seine Stimme.

Tears,
from saying goodbye,
Tears,
I'm sorry but I have made up my mind,
I'm leaving to find a new life,
a new love.

all I can give you
are tears...

A man never cries,
he should hold them back,
hide them so no one could see
the real me...

 (Mr. Big – Tears)

 

Tosender Applaus weckte ihn aus seiner Trance. Er öffnete seine Augen und war von dem Anblick begeistert. Pfiffe erklangen und es wurde gejubelt und geklatscht.

Ein Stein fiel ihm vom Herzen und die Nervosität war wie weggeblasen.

„Danke! Den nächsten Song habe ich mit der Band „Dingo Ate My Baby“ zusammen einstudiert…es ist ein rockiger Song…also wenn ihr wollt könnt ihr ruhig ausflippen“ sagte er grinsend und begann zusammen mit dem Drummer.

Er spielte ein richtig rockiges Riff und bewegte sich im Takt. Dann stimmte Oz mit ein und dann wurde es zu einem richtigen Rockteppich.

 

Well there's somethin' goin' down
Right here in the neighborhood
Somethin' goin' down
Don't know if you really should
Doncha lose your head
I'll make your heart feel good
 

Sein Blick wanderte über das Publikum, das sich im Takt bewegte oder mit dem Kopf wippte. Er schaute nach oben auf den Balkon und sein Blick traf den von Buffy. Er lächelte leicht und sie grinste zurück.

 

C'mon little baby
Let's call it rock n' roll
C'mon little honey
Let's call it rock n' roll
Gonna get a good feelin'
Right down to your soul

 

Er warf sich auf die Knie und zog eine richtig geile Show ab, während er sein Solo spielte, danach aufsprang und zur zweiten Strophe überging.

Now your Papa's gettin' down
Momma sayin' you're no good
Baby it's a shame
It's never really understood
How a dose of rock n' roll
Can make your heart feel good

(Great White – Call It Rock´n Roll)

 

Während er zum Schluss noch ein Solo spielte, sah er immer wieder zum Balkon hoch und sah, dass Buffy zu seiner Musik tanzte. Sie sah einfach hinreißend aus in ihrer hautengen Jeans und der Corsage, die ihr ein wunderschönes Dekoltée zauberte.

Nachdem der Applaus abgeebbt war, stellte er sich hinters Mirko. „Wie mir gerade gesagt worden ist, kann ich keinen weitern Song mehr spielen, weil der Contest eine halbe Stunde später angefangen hat und allen Teilnehmer etwas Zeit weggenommen wurde…also…Macht es gut…und ich wette man sieht sich.“

Mit diesen Worten sprang er von der Bühne und wollte zu seinem Tisch herüber gehen. Buffy war in der Zwischenzeit hinunter gekommen und wartete auf ihn, als er an der Treppe vorbeiging. „Du warst Klasse“, sagte sie und biss sich auf die Unterlippe.

Spike konnte nicht anders und fixierte seinen Blick auf ihre Zähne, die sich in ihre Lippe gruben. „Danke“, sagte er abwesend und schüttelte leicht den Kopf, um wieder klar denken zu können. „Ich brauch dringend was zu trinken…wartest du kurz?“

Buffy nickte. „Sicher.“

„Bin gleich wieder da…nicht weglaufen, okay?“ sagte er und ging rückwärts Richtung Bar.

Sie lächelte ihn an und schüttelte leicht den Kopf.

William drehte sich um und stieß mit jemandem zusammen. Er schaute auf und sah wer es war. „Wer könnte es auch sonst sein? Rayne! Hast du keine Augen im Kopf?“, giftete ihn Parker an.

Spike sah ihn nur grinsend an und ging zur Bar herüber, doch als Parker ihm nachgehen wollte, zog ihn Riley, der neben ihm stand, zurück. „Nicht hier …wir werden dieses gebleichte Wunder schon in die Finger bekommen.“

Die beiden gingen an Buffy vorbei auf den Balkon. Er konnte es nicht lassen, sie kurz zu berühren, wobei es ihr eiskalt über den Rücken lief. Sie sah ihm nach, als er die Treppe hinaufging.

 Irgendwie schien ihren Freunden, außer Faith und Robin, es völlig egal zu sein, was er mit ihr angestellt hatte, denn sie behandelten ihn noch genauso wie vorher.

Sie schlag schützend ihre Arme um sich selbst, als Spike mit einem Glas Cola light und einer Flasche Wasser wiederkam.

„Was ist?“ fragte er besorgt.

Buffy schüttelte sich und nahm ihm das Glas Cola ab. „Danke…es ist nichts…Riley…ist nur hier vorbeigekommen!“ sagte sie und nahm einen Schluck.

Spike nickte. „Aber er hat nichts gemacht, oder?“

Sie versuchte so schnell wie möglich das Thema zu wechseln. „Nein…sag mal…hast du schon öfter auf einer Bühne gestanden? Das sah alles so professionell aus.“

„Na ja…so ein, zwei Mal habe ich schon auf einer Bühne gestanden…doch noch nie vor so vielen Leuten“, erwiderte er und stellte sich vor sie. „Geht es dir wirklich gut?…du zitterst etwas!“

Buffy sah ihn an und konnte nichts darauf erwidern. Dieses Blau seiner Augen verschlug ihr die Sprache. Am liebsten hätte sie sich auf ihn gestürzt und ihn bis zur Besinnungslosigkeit geküsst. Sie seufzte und zwang sich, woanders hinzusehen. „Ich bekomme immer so ein beklemmenden Gefühl wenn ich Riley sehe“, sagte sie leise und ballte eine Hand zu einer Faust, um sie im nächsten Moment wieder zu lösen. „Ich wünschte er würde mich ein für alle Mal in Ruhe lassen.“

Spike folgte seinem Instinkt und ging einen Schritt auf sie zu, um sie in den Arm zu nehmen. Er schlang seine Arme um sie und strich ihr beruhigend über den Rücken. Er spürte, dass ihr Zittern stärker würde, bis ihm auffiel, dass sie weinte…er lockerte seine Umarmung und sah sie an. „Shhh…Es ist doch okay…er kann dir nichts tun…auf jeden Fall nicht, wenn ich in der Nähe bin. Das lasse ich nicht zu.“ William küsste ihre Stirn und schob ihren Kopf an seine Brust. Sie beruhigte sich nach ein paar Minuten und er ließ sie los. „Willst du darüber reden?“ fragte er und schob ihr eine Haarsträhne hinters Ohr.

Buffy legte ihm eine Hand an die Wange und hob ihren Kopf. Eher er es sich versah, lagen ihre Lippen auf seinen. Er seufzte, als sie mit ihrer Zunge über seine Unterlippe fuhr. Spike öffnete leicht seine Lippen und schob seine Zunge in ihren Mund..

Keiner von beiden konnte sagen, wie lange sie so da standen und sich leidenschaftlich küssten…für sie gab es nur sie in dem Moment.

Buffy brach den Kuss, als ihr die Luft ausging. Mit leicht geröteten Wangen sah sie ihn an. „Ich sollte wieder zu meinen Freunden gehen!“ sagte sie und war im nächsten Moment auch schon verschwunden.

Spike fühlte sich, als ob ihm jemand vor den Kopf geschlagen hätte. Was war das denn gewesen? Sie hatte ihn geküsst und schämte sich dann dafür?

Er schüttelte seinen Kopf, um wieder klar zu werden und ging zu seinen Freunden.

*** *** *** *** ***

Buffy kam die Treppe hinauf und sah, dass Riley und Parker mit an ihrem Tisch saßen. Sie setzte sich nicht hin, sondern lehnte sich an das Geländer und starrte auf die tanzenden Menge.

Sie wusste nicht, warum sie Spike geküsst hatte. Sie fand dass es richtig war und sie hatte auf ihren Instinkt gehört und… er hatte sie zurückgeküsst.

„Summers, du bist so was von blöd!“ tadelte sie sich selbst. „Was wenn er jetzt denkt, dass du voll eine an der Klapper hast?“

Faith stand schon eine ganze Zeit hinter ihr und grinste. „Na, führst du Selbstgespräche?“

Buffy erschreckte sich und drehte sich um. „Wie lange stehst du da schon?“ fragte sie ihre beste Freundin und sah schüchtern auf den Boden.

Faith lächelte sie an. „Lang genug….sag mal…was hast du denn gemacht, dass er denken sollte, dass du nicht richtig tickst und wer ist ER überhaupt?“ fragte sie, obwohl sie sich schon denken konnte, um wen es sich handelte.

„Spike…ich habe mich nach seinem Auftritt unten an die Treppe gestellt um ihm zu sagen, dass ich ihn klasse fand…“, Buffy brach ab, drehte sich um und sah zu Spike und seinen Freunden hinunter und sprach dann weiter: „…Ich weiß auch nicht, wie es genau dazu kam, aber ich habe ihn geküsst!“

Faith zog die Augenbrauen hoch und stellte sich neben ihre Freundin. „Du…hast ihn geküsst? Und deswegen soll er dich für bekloppt halten?“

Buffy seufzte und ließ die Schultern hängen. „Nein…er hält mich für bekloppt, weil ich nach dem Kuss einfach gegangen bin, als ob nichts geschehen wäre.“

Faith wollte gerade noch etwas erwidern, als eine grauenvolle Rückkopplung sie unterbrach.

„Hey Leute…wir haben nicht lange diskutieren müssen, wer dieses Jahr den Contest gewinnen sollte… weil wir alle einer Meinung waren…Spike! Würdestet du bitte auf die Bühne kommen!“

Tosender Applaus folgte und ein sichtlich überraschter junger Mann erklomm die Bühne. Der Besitzer des Bronze überreichte ihm einen schrecklich aussehenden Preis und einen Scheck über Zweitausendfünfhundert Dollar und verließ, nachdem er Spike noch etwas zuflüstert hatte, die Bühne.

William stellte sich an das Mikro.

„Wow…ich weiß echt nicht, was ich sagen soll…ich hätte nicht damit gerechnet, hier zu gewinnen. Eddie hat mir gerade noch gesagt, dass ich noch einen Song spielen kann, wenn ich möchte…na ja, an mir soll es nicht liegen…aber wie sieht es bei euch aus?“

Pfiffe und lautes Gegröhle waren die Antwort. Er schaute zum Balkon hinauf und sah, dass auch Buffy und Faith klatschten und schrieen.

Er zog sich den Hocker näher an das Mirofon, nahm seine Gitarre und fing an, eine Melodie zu spielen. Er schloss die Augen und begann zu singen…

 

I know that she's waitin'
for me to say forever
I know that I sometimes
just don't know how to tell her
I want to hold and kiss her
give her my love, make her believe
 

Er öffnete seine Augen und sah zu Buffy hinauf.

 

you're all I need beside me girl
you're all I need to turn my world
you're all I want inside my heart
you're all I need when we're apart

 

Buffy musste schlucken, konnte es wirklich sein, dass er sie meinte…er kannte sie doch gar nicht! Er wusste doch gar nichts über sie! Ein warmes Gefühl durchlief ihren Körper, als er die zweite Strophe sang und die Jungs von den Dingos ihn wieder unterstützen.

Es konnte nicht sein, dass er von ihr sang, doch es fühlte sich klasse an. Seine Augen verließ nicht eine Sekunde lang ihre, als er noch einmal ein paar Zeilen sang, die ihr unter die Haut gingen.

 

say, say that you'll be there
whenever I reach out to feel your hand in mine
stay, stay within my heart
whenever I'm alone, I know that you are there.

(White Lion – You´re All I Need)

 

Der Song endete und wieder einmal gab es einen tosenden Applaus. Sein Blick haftete immer noch auf Buffy und er gab ihr zu verstehen, dass sie herunterkommen sollte.

Sie lächelte nur und nickte…nachdem Faith ihr gesagt hatte, dass sie ihn sich schnappen sollte, bevor es eine andere tat und rannte die Treppe hinunter.

Am Fuß der Treppe wartete Spike schon auf sie, riss sie an sich und küsste sie kurz und leidenschaftlich. Er brach den Kuss und sah ihr tief in die Augen. „Dieses Mal haust du nicht ab, verstanden!“

Buffy schüttelte den Kopf. „Werde ich nicht“, sagte sie. Er küsste sie noch einmal federleicht auf die Lippen. Und sie ginge Arm in Arm zu seinem Tisch herüber.

Was keiner von beiden mitbekam war ein stinksaurer Riley, der sie vom Balkon aus beobachtet hatte. „Dafür wirst du bezahlen, Rayne…darauf kannst du Gift nehmen.“

*** *** *** *** ***

Als Buffy und Spike am Tisch waren, setzte er sich auf seinen Hocker und zog Buffy auf seinen Schoß.

Er gab eine Runde aus und freute sich wenn Leute vorbeikamen, ihm gratulierten und sagten, dass sie sich freuen würden, ihn öfter zu sehen.

Buffy fühlte sich richtig wohl…zum ersten Mal fühlte sie sich frei…frei von den Zwängen, einfach nur hübsch auszusehen und sich wie ein Modepüppchen aufzuführen…hier konnte sie das tun, was sie für richtig hielt…hier würde sie niemand schräg ansehen, wenn sie mal einfach nur eine Jeans und einen Pullover anhatte…oder mal keine Lust hatte, Make-Up zu tragen.

Sie freundete sich mit dem Gedanken an, den Rest des Jahres mit den Losern zu verbringen. Ihr war völlig egal, was ihre „Freundinnen“ davon hielten, die konnten von ihr aus dort hingehen, wo der Pfeffer wuchs.

Gegen Mitternacht fragte Spike, ob er sie nach Hause bringen dürfte. Natürlich hatte sie nichts dagegen. Sie verabschiedeten sich von den anderen und gingen Richtung Ausgang als Buffy einfiel, dass Faith und Robin sie eigentlich nach Hause bringen wollten.

Spike sah sie traurig an, doch sie küsste ihn zärtlich. „Ich gehe eben rüber und sage ihnen, dass du mich nach Hause bringst…sie werden es verstehen.“

Sie rannte schnell zu dem Pärchen, das auf der Tanzfläche tanzte und war im Null Komma Nix wieder bei ihm. „Alles klar…wir können los.“

„Haben sie den nichts gesagt?“ wollte er wissen.

Sie schüttelte den Kopf. „Faith versteht das“, sagte Buffy und lächelte ihn an.

Spike erwiderte das Lächeln und sie verließen zusammen eng umschlungen das Bronze.

Langsam gingen sie durch die Nacht, bis sie zum Redwood Boulevard kamen. Buffy blieb vor dem großen Tor stehen und drehte sich zu ihm um. „Es war ein schöner Abend…ich gehe jetzt besser rein, bevor meine Eltern eine Vermisstenanzeige aufgeben, denn ich sollte eigentlich schon um zwölf zu Hause sein.“

„Soll ich…“ begann Spike, doch Buffy stoppte ihn mit einem Kuss. Als sie diesen schwer atmend brach, sah sie ihm tief in die Augen. „Ich bin Daddy´s Engel…ich werde keinen Ärger bekommen“, sagte sie und ging durch das Tor.

William sah ihr nach, als sie langsam den Weg hinauf ging. „Träum was schönes“, rief er ihr hinterher und sie drehte sich um und warf ihm einen Handkuss entgegen. „Nach diesem Abend garantiert“, rief sie zurück und verschwand in der Nacht.

Als er sicher war, dass sie heil im Haus angekommen war, machte er sich langsam auf den Weg. Er war noch nicht weit gekommen, als neben ihm ein Auto anhielt und drei Typen ausstiegen.

„Ach, wen haben wir den da? Wenn das nicht Captain Peroxyd ist!“ hörte Spike Riley sagen, bevor er auch schon einen Schlag in den Magen bekam.

Die anderen beiden, Parker und Scott, hielten Spike fest, während Riley immer wieder auf ihn einschlug und ihn anschrie.

„DU BIST SCHULD, DASS BUFFY SCHLUSS GEMACHT HAT!“

Ein Schlag ins Gesicht folgte.

„DU WOLLTEST SIE FÜR DICH HABEN UND HAST MICH BEI IHR SCHLECHT GEMACHT!“

Wieder ein Schlag in die Magengrube. Spike merkte wie ihm schlecht wurde…Bilder aus der Zeit in London spielten sich vor seinem inneren Auge ab, das trieb seinen Zorn nur noch mehr an. Er hob den Kopf, spuckte Riley ins Gesicht und lachte hämisch.

„Das hast du ganz allein verbockt…!“

„HALT DIE SCHNAUZE, LOSER!“ schrie Riley und trat ihm in die Leistengegend.

Spike sackte zusammen und die beiden Jungs, die ihn festhielten, sahen Riley ungläubig an. „Du hast ihn umgebracht, Riley!“ sagte Scott leise und ließ William los. Auch Parker ließ ihn los und sah zu, wie er zu Boden fiel.

Riley hockte sich neben Spike. „Quatsch, der ist nur ohnmächtig…los, lasst uns abhauen.“ Riley stand auf und trat noch einmal zu, bevor er seinen Freunden folgte und mit einem Affenzahn in der Nacht verschwand.

Alles was zurückblieb war ein blutender, regloser Körper, der auf dem Gehweg lag.

 

TBC…


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