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Sunnydale Spätsommer 2002
„Daddy!“
„Daddy, los aufstehen. Ich hab mit Mami zusammen
Frühstück für dich
gemacht.“ Michelle hüpfte aufgeregt auf dem
elterlichen Bett auf und ab. Es
war ein sonniger Samstagmorgen und die Luft war voller
Blütenduft erfüllt.
William Blackwood dreht sich langsam auf den Rücken,
öffnete die Augen und
sah seine hyperventilierende
Tochter verschlafen an. „Mäuschen, könntest
du vielleicht mit dem Gehopse
aufhören. Da werde ich ja seekrank.“
Sie ließ sich neben ihn auf Bett fallen und legte
ihre Arme um seinen Hals.
„Happy Birthday, Daddy!“ sagte sie und gab ihm ein
Küsschen.
„Danke, Krümel! Hattest du etwas von
Frühstück gesagt?“ sagte er und
setzte sich auf die Bettkante. Michelle hüfte vom Bett, rannte
zur Tür und zog
seinen royalblauen Satinmorgenmantel vom Bügel. Nachdem sie
das Bündel vom
Boden aufgehoben hatte, brachte sie es zu ihren Vater.
William, oder Spike wie er von Freunden genannt wurde, nahm
ihr ihn ab und
zog ihn an. Er verschwand kurz im Bad um sich schnell zu duschen.
Michelle
rannte währenddessen schon wieder herunter in die
Küche zu ihrer Mutter.
Dru stand mit dem Telefonhörer in der Hand am Fenster
und sah aufs Meer
hinaus. „Darla, ich weiß nicht was ich machen soll.
So kann das nicht
weitergehen. Es muss sich was ändern. Ich werde es ihm heute
sagen.“ sagte
Dru zu ihrer besten Freundin. Als sie hörte, dass Spike die
Treppe herunter kam
sagte sie: „Ich muss Schluss machen, ich ruf dich nachher
noch mal an,
okay?“ Mit diesen Worten legte sie auf, gerade als er in die
Küche kam.
„Guten Morgen, Liebes! Hast du gut geschlafen?“,
sagte er, kam zu ihr herüber
und gab ihr einen Kuss. „Happy Birthday, Liebster. Ja, ich
hab gut geschlafen.
Kein Wunder nach der letzten Nacht.“ flüsterte sie
in sein Ohr, bevor sie an
dem Ohrläppchen knabberte.
„Bäh!“ hörten sie
Michelle. William
und Dru sahen sich an und mussten lachen.
Spike hockte sich vor seine Tochter und sah sie an.
„Wenn du mal älter,
bist findest du das nicht mehr so ekelig.“
„Ich lutsche doch keinem an den Ohren herum, das
schmeckt doch überhaupt
nicht.“ erwiderte das kleine vierjährige
Mädchen und schüttete ihre
dunkelbraunen Locken.
„Okay! Dann lass uns mal
frühstücken und danach….“
Er wurde durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. Er
nahm ab. „Blackwood.“
Dru sah zu ihm herüber und sah, wie sich sein
Gesichtsausdruck mit einem Mal
veränderte.
„Probleme? Was für Probleme?...Kann
Angel…Nein…Ich bin in einer Stunde
da…Okay…Mach ich, danke Harmony.“ Er
legte auf und setzte sich an den
wunderschön gedeckten Frühstückstisch.
„Wer war das, Will?“ fragte Drusilla
misstrauisch.
Spike holte tief Luft, denn er konnte sich schon denken, was
folgen würde.
„Das war Harmony. Es gibt irgendwelche Probleme und Dad
möchte gern, dass ich
ins Büro komme.“
„Aha, und Angel kann da nichts machen? Du hast dir
heute extra frei
genommen, damit du den Tag mal mit deiner Tochter verbringst. Sie hat
sich die
ganze Woche schon darauf gefreut.“ schnauzte Drusilla sofort
los. „Seit ein
paar Monaten geht das jetzt schon so, selbst Sonntags bist du im
Büro. Michelle
hat doch gar nichts mehr von dir, denn wenn du nach Hause kommst, ist
sie
meistens schon im Bett.“
William holte tief Luft und als er gerade etwas sagen wollte,
schnitt seine
Frau ihm das Wort ab. „Denkst du eigentlich, dass ich
blöd bin, Will? Du hast
doch ein Verhältnis mit dieser blonden Schlampe, dieser Betty
oder wie die heißt.“
„Das ist nicht dein Ernst, oder? Ich arbeite mit
Miss Summers zusammen,
weil wir die Kanzleifusion so schnell wie möglich unter Dach
und Fach haben
wollen. Ich habe kein Verhältnis mit ihr, ich liebe nur
dich.“ verteidigte er
sich und warf die Serviette auf den Tisch.
Spike war aufgestanden, um seine Tochter beobachten. Michelle
war zum Glück
nicht mehr in der Küche. Sie spielte im Garten und versuchte,
einen
Schmetterling zu fangen.
„Dann vögelst du eben deine
Sekretärin! Die schwärmt doch auf jeder
Betriebsfeier davon, was für ein Hengst du im Bett
bist“, giftete Dru weiter.
„Gib es doch zu.“
Will legte den Kopf in den Nacken und verdrehte die Augen. Er
liebte seine
Frau über alles, aber manchmal trieb ihn ihre Eifersucht in
den Wahnsinn.
„Mein Gott Dru, lass es doch. Du weißt, dass ich
vor unsere Hochzeit mit ihr
für ein paar Wochen zusammen war. Das ist schon lange
vorbei.“
„Sicher! Deswegen ist es auch immer sie, die hier
anruft. Kannst du nicht
mit Angel die Sekretärinnen tauschen?“ forderte Dru
eindringlich.
„Ich muss jetzt los. Wir reden heut Abend
darüber, okay?“ wechselte er
schnell das Thema und ging in den Garten zu Michelle. Diese kam auf ihn
zugelaufen und er nahm sie auf den Arm und sah in ihre saphirblauen
Augen.
„Daddy? Musst du wieder ins
Büro?“ fragte ihn seine Tochter traurig.
„Ja, Spätzchen. Doch ich verspreche, morgen
gehen wir in den Zoo, großes
Indianerehrenwort“, sagte er und Michelle schlang ihre Arme
um seinen Hals.
„Ich hab dich lieb, Daddy“, sie gab ihn ein
Küsschen auf die Wange und eins
auf den Mund. „Der erste Kuss ist für Opa. Versprich
mir, dass du ihn ihm
gibst, ja?“
„Wird gemacht, Prinzessin. Bis heut Abend.“
Er drehte sich um und ging ins Haus zurück, ging
an seiner Frau vorbei
und nahm sich die Autoschlüssel. Bevor er die Haustür
öffnete, drehte er sich
zu Dru um. „Wir reden nachher.“
Sie nickte und er verließ das Haus.
*****
Als er im Büro ankam, waren alle schon da.
Rupert Giles, mit dessen Kanzlei sie fusionieren wollten,
Buffy Summers,
seine Stellvertreterin und Stieftochter, sein Halbruder Liam, den sie
alle nur
Angel nannten und natürlich Eric, sein Vater.
„Guten Morgen, ich hoffe, es ist was wichtiges. Ich
hatte eigentlich heute
was anderes vor.“ platzte er sofort heraus.
„Guten Morgen, William. Ich habe die
Befürchtung, dass es sehr wichtig
ist. So wie es aussieht gibt es ein paar Probleme bei der Fusion, die
Rupert mit
dir besprechen möchte.“ antwortete ihm sein Vater.
Angel stand von seinem Sessel auf. „Dann kann ich ja
gehen, oder?“ sagte
er und war im Begriff aufzustehen, als sein Vater ihn aufhielt.
„Das würde
dir so passen, Liam. Du bleibst schön hier und arbeitest die
Akten der Firma
Giles weiter durch. Schließlich ist heut Samstag und in
dieser Firma wir auch
samstags gearbeitet, das müsstest du eigentlich wissen, mein
Sohn.“
„Ja, dann wollen wir mal anfangen“, sagte
Rupert. „Buffy, besprich du
doch alles mit Eric und Liam, während ich mich mit William
unterhalte.“
Nach Fünf Stunden:
„Harmony! Ich hab doch gesagt, dass wir nicht
gestört werden wollen“,
sagte er etwas angesäuert, blieb aber dennoch freundlich.
„Ich weiß Boss, doch hier sind zwei
Polizisten, die sehr gern mit ihnen
sprechen würden. Sie sagten, es wäre sehr
wichtig.“ erklang Harmonys Stimme.
„Okay, sag ihnen, dass sie einen Moment warten
sollen, ich bin gleich für
sie da.“
Liam schaute von der Akte, die er gerate studierte, auf und
sah ihn an.
„Ist was passiert?“ fragte er. „Du siehst
auf einmal so blass aus.“
„Zwei Polizisten stehen draußen und sie
sagten, es wäre etwas
wichtiges“, erwiderte Spike und überlegte, was so
wichtig sein konnte, dabei
starrte er vor sich hin.
„Nun ja“, ertönte Eric Stimme.
„Wir haben ja eine Menge geschafft und
das Problem ist so gut wie gelöst. Ich schlage vor, Buffy und
Rupert kommen
heut Abend zu mir zum Essen und wir besprechen dann alles weitere,
okay? Sagen
wir um 19.00 Uhr. Ihr beiden kommt dann auch und bring meinen kleinen
Sonnenschein mit, Will.“
Liam nickte und sah besorgt zu seinem Halbbruder
hinüber. Sie verstanden
sich zwar nicht so gut, aber irgendetwas sagte ihm, dass etwas
Schreckliches
passiert sein musste.
„Okay Dad. Ich denke, Will und ich werden da
sein“, sagte Liam.
Buffy kam zu Spike herüber und legte ihm eine Hand
auf die Schulter. „Ich
hoffe es ist nichts Schlimmes.“ Dann nahm sie sich ihren
Aktenkoffer und
verließ zusammen mit Rupert das Büro.
„Will, soll ich noch da bleiben?“ fragte
Eric besorgt.
William sah ihn an und schüttelte den Kopf.
„Dad, fahr du doch schon mal
nach Haus. Wir rufen dich an, wenn wir genaueres wissen“,
sagte Angel an
Stelle von Spike.
Eric nickte nur und Liam begleitete ihn zur Tür.
Als die Tür sich hinter ihm verschloss, drehte er
sich zu seinem Bruder um
und sah, wie er rückwärts in seinen Sessel fiel.
„Es ist etwas mit Dru und
der kleinen passiert! Ich kann es fühlen.“ sagte er
leise. „Da stimmt etwas
nicht, Angel. Ich hab Angst.“
Die Tür öffnete sich einen Spalt und Harmony
steckte den Kopf hindurch.
„Können die Herren von der Polizei nun
eintreten?“
„Sicher“, sagte Liam. „Kommen
sie meine Herren.“ Er führte die
beiden Polizisten in Williams Büro.
Dieser stand auf und begrüßte sie ruhig,
obwohl er sehr nervös war. „Was
kann ich für sie tun, meine Sekretärin
erwähnte, dass es wichtig sei.“ In
Spikes Stimme konnte man Angst und Verzweifelung hören.
„Es gab einen Unfall auf dem Highway. Ein LKW ist
frontal in ein paar Autos
gerast…Mr. Blackwood?“
William, der vorher noch vor seinem Schreibtisch stand, fiel
auf seine Knie.
„Ihre Frau…“
„Was ist mit ihr…Oh, Gott. Ich hoffe es
geht ihr gut. Was ist mit meinem
kleinen Engel?“ sagte er völlig aufgelöst.
Der eine Polizist ging neben ihm in die Hocke und legte eine
Hand auf seine
Schulter. „Für ihre Frau kam jede Hilfe zu
spät“, sagte er ruhig. „Es
tut mir leid, ihnen dies zu sagen.“
„NEIN, DAS KANN NICHT SEIN. DAS WAR NICHT MEINE
FRAU“, schrie er. Er
versuchte krampfhaft, nicht zu weinen.
Fünf Minuten saß er nur auf den Boden und
starrte auf seine zitternden Hände.
Dann sagte er etwas ruhiger. „Und was ist mit meiner
Tochter?“
„Sie lebt! Aber sie hat schwere Verletzungen
erlitten. Sie wurde mit dem
Hubschrauber ins Sunnydale General geflogen.“
„Ich muss sofort zu ihr, sie braucht
mich.“ Er griff aufgeregt nach
seinem Jackett.
„Ich lasse dich nicht selber fahren“,
sagte Angel plötzlich. „Ich
fahre dich zum Krankenhaus.“
William sah ihn ungläubig an, nickte dann aber und
rannte aus dem Büro.
Sein Bruder drehte sich zu den Polizisten um und bedankte sich
„Sie finden
ja sicher allein raus!“
Die beiden nickten.
„Harmony!“ sagte er im vorbeigehen.
„Sagen sie alle Termine für diese Woche
für meinen Bruder ab.“
„Was ist denn passiert?“ wollte sie noch
wissen. Doch dann hörte sie
Spike rufen und Angel machte sich auf den Weg zu ihm. Dann bekam sie
nur noch
mit, wie die Fahrstuhltür sich hinter den Brüdern
schloss.
*****
William stand unter Schock. Er ließ keine
Gefühle in dem Moment zu. Er
sagte kein Wort, obwohl sein Bruder ihm die ganze Zeit irgendetwas
fragte, er
nahm nichts wahr. Die Fahrt zum Krankenhaus erschien ihm wie eine
Ewigkeit. Als
sie endlich das Sunnydale General erreichten, stieg er so schnell wie
möglich
aus und rannte hinein.
Er ging zum Empfang und das einzigste, was er herausbrachte,
war „Wo ist
meine Tochter?“
„Wie heißt Ihre Tochter denn,
Sir?“ fragte die Schwester.
„Wo kann ich sie finden?“ stammelte er.
„Wenn Sie mir nicht sagen wie sie heißt,
kann ich Ihnen leider nicht
helfen!“ sagte die Schwester ruhig, sie konnte sehen, dass er
unter Schock
stand.
„ANGEL!!“
schrie William auf
einmal
Dieser kam angerannt und sagte ihm, dass er sich erst einmal
hinsetzten
sollte, er würde schon herausfinden, wo sich Michelle befand.
William setzte sich auf einen Stuhl und sah zuerst auf den
Boden, und plötzlich
sagte er etwas, was Angel nie vermutet hätte.
„Angel, bitte hilf mir.“ Den Ausdruck in
den Augen seines Bruders hatte
er noch nie zuvor gesehen.
Angel lächelte und wandte sich dann der Schwester zu.
„Endschuldigen Sie, mein Bruder steht ziemlich unter
Schock. Könnten Sie
mir denn sagen, wo wir Michelle Blackwood finden
können?“
„Einen kleinen Moment, ich schaue mal eben
nach.“ Dann blätterte sie in
ihren Unterlagen herum.
„Oh, das ist das kleine Mädchen von dem
Unfall vom Highway, nicht wahr? Da
muss ich eben den Arzt ausrufen lassen, der wollte mit den
Angehörigen
sprechen.“ sagte die Schwester aufregt.
**Oh, Scheiße**, dachte Liam. **Das hört
sich aber nicht gut an**
„Okay, wir warten!“ sagte er dann und ging
zu seinem Bruder hinüber,
setzte sich neben ihn und legte einen Arm um ihn.
„Will?“ sagte er
vorsichtig. „Der Arzt möchte mit dir sprechen. Warum
und was mit Michelle
ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.“
Er schaute Angel mit großen Augen an, sagte aber
nichts, sondern nickte nur.
Nach einigen langen Minuten kam endlich der Arzt zu ihnen.
Spike stand
wackelig auf und Angel versuchte, ihn so gut es ging festzuhalten,
damit er
nicht zusammen klappte.
„Mr. Blackwood?“
Er starrte den Arzt an und nickte.
„Wie geht es meiner Tochter, Doc?“ fragte
er leise
„Ihre Tochter lebt, doch es gab einige
Komplikationen. Es steht nicht gut
um sie. Eine Rippe hat einen Lungenflügel durchbohrt und die
Milz beschädigt
und ob das Gehirn durch die Quetschungen am Kopf im Mitleidenschaft
gezogen
worden ist, können wir nicht sagen.“
„Wollen sie mir sagen, dass meine Tochter sterben
wird?“ fragte er leise.
Es war fast ein flüstern.
„Es tut mir leid, aber wir können nichts
mehr für sie tun.“ sagte der
Arzt.
William hielt sich am Arm seines Bruders fest und sah den Arzt
an. „Wie
lange, glauben sie, wird sie noch leben?“
„Sie wird die Nacht wohlmöglich nicht
überstehen!“ sagte der Arzt.
„Es tut mir wirklich leid.“
Er sah ihn an und Tränen schimmerten in seinen Augen.
„Kann ich sie
sehen?“
„Aber natürlich, kommen Sie.“
William drehte sich zu Angel um, sah ihn an. Dieser nahm ihn
in den Arm.
„Liam, würdest du Dad anrufen?“
„Sicher, kann ich noch etwas für dich
tun?“ fragte er und drückte
seinen Bruder an sich.
„Nein, im Moment möchte ich nur noch einmal
meine Tochter sehen.“ sagte
William, löste sich von Angel und folgte dem Arzt auf die
Intensivstation.
Als er durch die Tür ging und seine kleine Prinzessin
dort liegen sah, mit
den ganzen Maschinen und den Schläuchen, die aus ihrem
Körper ragten, konnte
er sich nicht mehr zusammenreißen. Er sank vor dem Bett auf
die Knie und schrie
und weinte.
Zwei Schwestern und ein Arzt eilten herbei. Sie halfen ihm
sich auf einen
Stuhl zu setzten. Der Arzt zog eine Spritze auf. Während er
das
Beruhigungsmittel in Williams Arm spritzte sagte er noch, dass alles
wieder gut
werden würde.
Hatte dieser Arzt überhaupt eine Ahnung von dem, was
ihm zugestoßen war?
Seine Frau war tot und seine Tochter würde die Nacht nicht
überstehen. Wie
konnte er dann behaupten, dass alles wieder gut werden würde?
Er zog den Stuhl näher an ihr Bett, nahm ihre kleine
Hand ihn seine und ließ
sie spüren, dass er da war. „ Ich liebe dich,
Krümel. Ich hoffe, du und Mami
werdet dort glücklich, wo ihr hingehen werdet. Ich werde immer
an euch
denken“. Er hielt einen Moment inne. „Michelle!
Schatz! Mach bitte noch
einmal die Augen auf. Nur einmal, nur für Daddy. Ich will
seine wunderschönen
Augen noch ein letztes Mal sehen“ sagte er und weinte
bitterlich.
Dass die Tür sich öffnete und Angel
hereinkam, merkte er gar nicht. Er
hatte den Kopf auf dem Bett liegen und schluchzte und weinte.
„Will?“ fragte Angel, „Willst du
nicht Drus Eltern Bescheid geben? Die
müssen es schließlich auch wissen, ich bleib so
lange bei ihr. Okay?“
„Ich denke, du hast Recht, sie müssen
schließlich aus England
einreisen.“ Mit diesen Worten ging William und rief seine
Schwiegereltern an.
*****
Eine Stunde später.
Dru´s Eltern waren am Boden zerstört und
gaben ihm die Schuld, weil er ihr
kleines Mädchen mit nach Amerika genommen hatte.
Sein Vater konnte es gar nicht fassen und wollte zuerst gar
nicht ins
Krankenhaus kommen, was er dann doch tat, aber nur, weil Angel meinte,
dass
William ihm bräuchte.
Sie standen alle um das Bett der kleinen Michelle, als diese
ihren letzten
Atemzug machte.
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Frühling 2003
Eine kleine Blockhütte am See war seit fünf
Monaten sein Zuhause. Dort
hatte er seine Ruhe, ihn belästigte nichts und Niemand.
Spike stand vor der Hütte am Ufer des
großen Sees, der sich dahinter befand
und schaute aufs Wasser hinaus. Der Vollmond, der über ihn
schien, ließ das
Wasser in der Dunkelheit glitzern.
Mit einem tiefen Seufzer griff er in seine Jackentasche und
holte eine
Schachtel heraus. Er nahm sich eine Zigarette daraus und steckte sie
sich
zwischen die Lippen. Das Geräusch seines Zippos erklang durch
den nächtlichen
Wald.
Er dachte über seine Vergangenheit nach. An die Zeit,
in der er noch nicht
jeden Tag so vor sich hin gelebt hatte, als ob es keine Hoffnung mehr
für ihn
geben würde, wo nicht jeden Tag sein Vater und Bruder anriefen
und fragten,
wann er denn gedenken würde, nach Hause zu kommen, wo ihn alle
vermissen würden.
Es war ihm alles egal, er hatte keinen Grund mehr, sich auf das Leben
zu freuen.
Ihm wurde alles genommen, was ihm wichtig war in seinem noch sehr
jungen Leben.
Genau fünf Monate war es jetzt her, als Drusilla und
Michelle bei dem
Autounfall gestorben waren.
Die Beerdigung war für ihn der schlimmste Tag in
seinem Leben. Denn dort
wurde ihm richtig bewusst, dass er sie nie wieder sehen würde,
niemals. Was
sollte er denn nur ohne sie machen? Hatte das Leben überhaupt
noch einen Sinn?
Viele Menschen waren da, um den Beiden das letzte Geleit zu
geben . Alle Anwälte
der Kanzlei, viele der Nachbarn, selbst Rupert Giles und Buffy Summers
waren
gekommen.
Doch er hatte keine Menschenseele wahrgenommen. Ihm war es
egal, wie viele
Leute gekommen waren. Er wollte einfach nur seine Ruhe. Doch der
Ärger begann
erst.
Denn Drus Eltern wollten, dass Drusilla und Michelle in
England beerdigt
wurden, doch das ließ er nicht zu. Sie war seine Frau und er
wollte, dass sie
in Sunnydale blieb, wo sie glücklich gewesen war.
Widerwillig gaben sie nach. Sagten ihm aber, dass er sich
nicht einbilden
sollte, sie noch einmal anzurufen, er wäre nicht mehr ihr
Schwiegersohn.
Dru war mit achtzehn von Zuhause abgehauen und zu William in
die USA
geflogen, der ein Jahr zuvor mit seiner ganzen Familie dorthin gezogen
war. Ihre
Liebe war einfach zu groß, als dass sie ohne einander leben
konnten. Das allein
war schon ein Grund für ihre Eltern, ihn zu hassen, obwohl er
eigentlich nichts
dafür konnte.
Er erinnerte sich daran, wie sie auf einmal vor seiner
Tür stand, mit ihrem
kleinen Koffer in der Hand und ihm um den Hals fiel.
Er konnte ihr Gesicht noch vor sich sehen, als er ihr vor vier
Jahren einen
Heiratsantrag gemacht hatte und sie mit Tränen in den Augen
„Ja“ sagte.
Vor drei Jahren hatten sie dann endlich geheiratet und in der
Hochzeitsnacht
sagte sie ihm, dass sie schwanger wäre. Dies war wirklich der
schönste Tag in
seinem ganzen Leben.
Doch innerhalb von ein paar Stunden hatte sich sein ganzes
Leben verändert.
******
Ein Hupen riss ihn aus seinen Gedanken. Er stand immer noch am
Ufer des Sees.
Die Zigarette, die er sich angesteckt hatte, war verglüht. Er
wischte sich die
Tränen aus dem Gesicht, drehte sich um und sah das Auto seines
besten Freundes
Xander. Der kam immer Freitags, brachte ihm Lebensmittel und alles
andere, was
er sonst noch so brauchte.
Xander stieg aus und ging zu Spike herüber.
„Hi, Alter“, sagte er und schlug ihm auf
die Schulter. „Wie geht es
dir?“
Spike holte tief Luft und sah ihn ungläubig an.
„Xan, was willst du? Heut
ist doch erst Mittwoch. Du bist zwei Tage zu früh.“
„Ich weiß. Dein Vater rief mich heut
Morgen an. Ich soll dich abholen und
mit in die Stadt nehmen. Es geht um irgendwelche Probleme bei
irgendeiner Fusion
mit einer anderen Kanzlei, hab keine Ahnung davon.“ erwiderte
Xander sichtlich
verwirrt.
„Ich komm nicht mit. Können die denn nichts
allein machen. Die wissen ganz
genau, warum ich hier oben bin. Ich will von dem ganzen
Scheiß nichts mehr
wissen, wann kapieren die das endlich?“ motzte William drauf
los.
„Dein Vater sagte, dass ohne deine Unterschrift die
Fusion nicht rechtskräftig
wäre und das dieses Anliegen seit…seit dem Tag vor
…fünf Monaten…auf Eis
liegt.“ stotterte Xander.
Spikes Blick wanderte über das Wasser, dann sah er zu
den Sternen hinauf und
seufzte. „Wenn du mir versprichst, mich nach der
Vertragsunterzeichnung sofort
wieder hierhin zubringen, dann komme ich mit, okay?“ sagte er
ganz ruhig.
Ohne ein weiteres Wort ging er in die Hütte. Dort
holte er seine alte braune
Lederjacke, schloss die Hütte ab und stieg zu Xander ins Auto.
Sie fuhren über
Umwege zurück nach Sunnydale, weil Xander nicht über
den Highway fahren
wollte, wo damals der Unfall geschah.
******
Xander bog in die Einfahrt zur Villa, als Spike
plötzlich auf seinem Sitz
hin und her rutschte. Er war sichtlich nervös. Immerhin hatte
er seit über
drei Monaten nicht mehr persönlich von Angesicht mit seiner
Familie gesprochen.
Am Anfang waren sie öfter mal vorbeigekommen und hatten
versucht, ihn davon zu
überzeugen, dass es nichts bringen würde, sich zu
verkriechen. Doch nach vier
Wochen hatten sie aufgegeben, da William doch ein richtiger Dickkopf
war. Wenn
er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog er das auch durch.
Als der Wagen anhielt, saß William wie angewurzelt
auf dem Beifahrersitz.
„Spike? Wir sind da. Willst du nicht
aussteigen?“ fragte ihn Xander.
„Ich hab irgendwie Angst. Ich muss doch
unmöglich aussehen. Ich habe mich
seit drei Tagen nicht mehr rasiert und meine Haare sind auch viel zu
lang.“
versuchte er sich herauszureden.
„Mein Gott! Du gehst doch nicht zu einem
Schönheitswettbewerb. Dein Vater
will doch nur ein oder zwei Unterschriften von dir.“ sagte
Xander und stieg
aus.
William holte tief Luft, öffnete seine Tür
und stieg ebenfalls aus dem
Auto. Er ging die fünf Stufen zur Eingangstür hinauf
und betätigte die
Klingel.
Lili, die fast sechzigjährige Haushälterin
öffnete die Tür und konnte
nicht glauben, wer da vor ihr stand. „William, bist du es
wirklich? Schön
dich zu sehen.“ sprudelte es aus ihr heraus. Am liebsten
hätte sie ihn
umarmt. Er war schon seit dem Tag, als sie bei den Blackwoods
angefangen hatte,
ihr Liebling gewesen.
„Hallo Lili, ist mein Vater da?“ sagte
Spike.
„Er ist in seinem Arbeitszimmer, ich werde zu ihm
gehen und…“ Sie hatte
sich gerade umgedreht, als er sie unterbrach.
„Nicht nötig, ich gehe selbst, ich
weiß ja schließlich wo es ist.“
sagte Spike
Er ging langsam den langen Flur entlang und schaute sich die
Bilder an, die
an der Wand hingen. Vor einem blieb er stehen. Er hob seine Hand und
strich mit
seinem Finger über das Glas.
Es war ein Bild, auf dem seine kleine Familie abgebildet war.
Es wurde einen
Monat vor dem Unfall gemacht. Seine Augen füllten sich mit
Tränen, als Eric
aus seinem Arbeitszimmer kam. Er schaute auf und konnte seinen Augen
nicht
trauen.
„William?“ sagte er ungläubig.
„Hat Xander es tatsächlich geschafft,
dich nach Hause zu holen?“
„Hallo Dad“, sagte er und wischte sich die
Tränen aus den Augen. „Ich
bleibe nur solange, bis die Verträge unterschrieben sind und
dann hau ich
wieder ab.“
„Das ist deine Sache, doch ich hoffe, du
überlegst dir das noch mal. Du
fehlst uns, ob nun hier oder in Büro.“ sagte Eric.
„Geh erst einmal und
lege dich hin, morgen früh sehen wir dann weiter.
Okay?“
Er wollte ihn in den Arm nehmen, doch Spike wich
zurück.
„Okay Dad, gute Nacht!“ sagte Spike und
wollte sich gerade umdrehen, als
eine junge Frau aus dem Arbeitszimmer kam.
„Wir gehen dann morgen die letzten Punkte durch. Ich
komme dann gegen 13.00
Uhr ins Büro, ist das okay, Liam?“ sagte sie und da
sie nach hinten sah, stieß
sie mit Spike zusammen, der wie angewurzelt stehen geblieben war.
„Mr. Blackwood? Ich hätte sie fast nicht
wieder erkannt, ohne ihre
gebleichten Haare.“ Sie starrte in seine stahlblauen Augen.
„Wie geht es
ihnen?“
Spike antwortete nicht, sondern sah sie nur verwundert an.
„Ahm ich….ich
muss jetzt gehen.“ sagte sie und senkte ihren Blick.
„Liam, wir sehen uns
morgen!“
„Okay, Buffy. Bis morgen dann.“
hörte man Angel sagen. Er befand sich
immer noch im Arbeitszimmer.
„Es war schön, sie wiederzusehen, Mr.
Blackwood“ sagte sie noch zu Spike
bevor sie sich umdrehte und ging. Dieser sah der jungen Frau immer noch
hinterher, obwohl sie schon lange nicht mehr zu sehen war.
„Das war Buffy
Summers, oder?“ fragte er schließlich.
„Ja, sie leitet, wie du sicherlich noch
weißt, Giles Kanzlei und arbeitet
eng mit uns zusammen, Die Fusion steht kurz bevor. Das war doch schon
vor fünf
Monaten geplant, weißt du noch?“ sagte Liam, der
nun hinter ihm stand. „Und
außerdem ist sie ein heißer Feger, findest du
nicht?“ fügte er noch flüsternd
hinzu.
Beim letzten Satz schaute Spike seinen Bruder mit
großen Augen an. „Heißt
das, dass…du und sie…?“
„Nein, noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch
werden, oder?“
grinste Angel und hob andeutungsvoll die Augenbrauen.
„Was ist denn mit
Darla, oder
deiner Sekretärin Cordy? Ich weiß ja nicht, welche
im Moment angesagt ist.“
sagte er angewidert.
„Wieso soll man sich auf eine Frau versteifen, man
wird am Ende ja doch nur
enttäuscht. Aber wem sag ich das. Du bist ja derjenige, der
mit einer Frau glücklich
werden wollte. Schau dich doch jetzt mal an.“
verhöhnte Angel ihn.
„LIAM! Das reicht. Wir sind froh, dass William
wieder hier ist. Du musst
nicht sofort wieder mit deinen Feindseligkeiten anfangen.“
ging Eric
dazwischen.
Spike wollte noch etwas darauf antworten, doch dann schluckte
er seine Wut
herunter. Er wollte alles so schnell wie möglich hinter sich
bringen,
um dann wieder zu seiner Hütte am See zu kommen,
wo er seinem Bruder
nicht mehr ausgeliefert war.
Das Mitgefühl für William war sehr schnell
verflogen, als Dru und Michelle
beerdigt waren. Es war so, als ob jemand einen Schalter
betätigt hatte. So nach
dem Motto, nun sind die beiden unter der Erde, also kann ich ihn wieder
triezen.
Aber das war er ja gewohnt von ihm, doch er konnte es nicht mehr so gut
verkraften wie früher.
Früher hatten die Wände gewackelt, wenn er
und Liam sich gestritten hatten.
Die Fäuste waren auch das ein oder andere Mal geflogen, doch
das war lange her.
Langsam ging er die Treppe hinauf in sein altes Zimmer und
legte sich aufs
Bett. Seine Gedanken wanderten wieder zu seiner Frau und Tochter. Er
konnte sie
einfach nicht vergessen. Wie sollte er ein neues Leben anfangen, wenn
er immer
wieder an sie erinnert wurde? Er drehte sich auf die Seite und schlief
unter Tränen
ein.
******
Am nächsten Morgen wachte Spike auf und wusste im
ersten Moment nicht, wo er
war. Dann dämmerte ihm es. Es war in Sunnydale, in der Villa
seines Vaters, um
einige Papiere zu unterschreiben.
Er stand auf und ging zum Kleiderschrank hinüber. Als
er ihn öffnete, sah
er, dass sein Vater seine ganzen Anzüge aus seinem ehemaligen
Haus geholt
hatte. Er nahm einen anthrazitfarbenen Anzug heraus und legte ihn auf
Bett.
Spike verließ das Zimmer, um in dem angrenzenden Badezimmer
sich zu rasieren
und duschen.
Nachdem er geduscht hatte, zog er den Anzug an und ging
hinunter, um mit
seinem Vater zu reden, doch als er den Speiseraum betrat, saß
Liam am Tisch und
frühstückte.
„Morgen!“ sagte William leise.
„Morgen, Will. Ich wollte mich für gestern
Abend entschuldigen, es tut mir
leid. Ich hätte es nicht sagen sollen.“
„Es tut dir nicht leid. Du liebst es, mir weh zu
tun. Also lassen wir das.
Ich bin sowieso nicht lange hier, also lass mich einfach in Ruhe und
gehe mir
aus dem Weg, okay?“ erwiderte er.
„Kommst du mit ins Büro?“ fragte
Angel, nachdem Spike sich hingesetzt
hatte.
„Werde ich ja wohl müssen. Ihr BRAUCHT mich
ja, sonst wäre ich bestimmt
nicht hier.“ Spike sah seinen Bruder an.
Man konnte den Hass in Angels Augen sehen. Warum war William
wieder hier und
warum bestand Rupert Giles auf die Unterschrift von IHM? Da gab es noch
ein,
zwei Klauseln, die er absolut nicht verstand.
„Dann willst du nach Vertragsabschluss wieder in
dein Asyl gehen? Dich
weiter damit kaputt machen, indem du deiner Frau und Tochter
nachweinst? Mann,
Junge werde wach. Das Leben geht weiter…“ sagte
Liam als Eric ins Zimmer
trat.
„Fängt das schon am frühen Morgen
an?“ murrte er.
„Ich wollte sowieso gerade gehen. Ich treffe mich
heut Morgen noch mit
Darla.“ sagte Angel, stand auf und ging zur Tür.
„Weiß deine Freundin von Buffy Summers?
Oder von Cordy?
fragte Spike, ohne ihn anzusehen.
Angel sah ihn nur an und verließ den Raum, zog
seinen Mantel an und machte
sich auf den Weg in die Stadt.
„Was sollte denn das?“ Wesley sah seinen
Jüngsten fragend an.
„Liam weiß schon, was ich damit
meinte.“ sagte William und schüttete
sich noch einen Kaffee ein. „Wie kannst du zusehen, wie er
das Leben von drei
Frauen zerstört?“
„Ich wusste von Darla und Cordelia, aber was Buffy
Summers damit zu tun?“
William sah seinen Vater an und hob eine Augenbraue.
„Sag jetzt nicht, dass
dir noch nicht aufgefallen ist, dass er mehr will, als nur die
Verträge mit ihr
auszuarbeiten.“
Eric musste grinsen. „Dabei will Miss Summers
garantiert nichts von ihm.“
„Wie meinst du das, Dad?“ fragte Spike
neugierig.
„Sie interessiert sich nicht für deinen
Bruder, das kannst du mir glauben.
Sie arbeitet nun seit den ganzen fünf Monaten mit uns zusammen
und sie
behandelt ihn eigentlich so wie einen Geschäftspartner. Mit
dir, das war etwas
ganz anderes. In den drei Monaten, als du mit ihr zusammen gearbeitet
hattest,
wenn du sie ansprachst, dann wurde sie verlegen und konnte dir nicht in
die
Augen sehen.“ informierte er seinen jüngsten Sohn
Eric ging um den Tisch herum und legte Spike seine Hand auf
die Schulter.
„Sie hat sehr oft nach dir gefragt. Ich denke, sie mag
dich.“ mit diesen
Worten verließ auch sein Vater das Zimmer.
Spike dachte über den letzten Satz nach, stand
langsam auf und folgte Eric
ins Arbeitszimmer.
„Dad, ich werde heut Abend wieder fahren. Diese
Stadt macht mich krank. Ich
bin noch nicht bereit, mein Leben neu zu ordnen.“
flüsterte er. „Es tut mir
leid, dich enttäuschen zu müssen.“
„Rupert möchte, dass du seinen Teil der
Firma zusammen mit Buffy leitest.
Ich habe ihm gesagt, dass du dich vielleicht nicht darauf einlassen
wirst. Er
kommt heut Mittag vorbei und möchte mit dir reden, wenn es dir
nichts
ausmacht.“ Eric sah von seinen Papieren auf.
„Ich werde mal sehen, was man da machen kann. Ich
werde aber nicht zurück
in die Stadt kommen. Vielleicht gibt es ja eine andere
Möglichkeit, es zu
regeln. Liam kann vielleicht…“
„Rupert will nur dich…Liam wird meinen
Teil der Kanzlei führen. Giles
vertraut Liam nicht.“ unterbrach sein Vater ihn.
„Na dann. Schauen wir mal, was Rupert heut Mittag zu
sagen hat. Du
entschuldigst mich, ich
wollte…zum…Friedhof…mal schauen ob
alles
in…Ordnung ist.“ stotterte Will. „Bis
heut Mittag, Dad“
Mit diesem Worten drehte er sich um und verließ das
Arbeitszimmer.
******
„BUFFY?“ rief Giles.
„KOMME!“ Sie rannte die Treppe so schnell
sie konnte hinunter.
„Was möchtest du denn?“
„Möchtest du mit zu den Blackwoods zum
Essen?“ fragte Rupert.
Sie schaute etwas traurig. „Ich kann leider nicht,
ich treffe mich mit Liam
um 13.00 in seinem Büro.“
„Ich habe gehört, dass William wieder da
ist, also könnten wir den Rest
mit ihm regeln, siehst du das nicht genauso?“ sagte Giles und
kniff ein Auge
zu. Denn er hatte bemerkt, wie seine Stieftochter den jüngsten
Blackwood immer
angesehen hatte.
„Ja, ich habe ihn gestern Abend kurz gesehen, sah
nicht gerade gut aus.“
erwiderte sie schüchtern.
„Nun, kommst du nun mit?“ wiederholte
Giles die Frage.
„Natürlich, ich rufe nur eben schnell
Harmony an, damit sie Liam
ausrichtet, dass ich nicht kommen kann. Er wird garantiert sauer
sein.“ sagte
Buffy mit einem Grinsen.
„Du magst ihn auch nicht, oder?“ Giles sah
seiner Tochter in die Augen.
Buffy erwiderte seinen Blick. „Ich hasse ihn, schon
alleine dafür,
was er vor einem Jahr getan hat.“
„Was war denn vor einem Jahr?“
Buffy räusperte sich. „Ach nichts
wichtiges, ist ja auch egal. Ich mag
Liam nicht. Lass uns fahren.“ *Dafür wird er eines
Tages noch bezahlen*
dachte sich Buffy
Sie schnappte sich ihren Mantel und zog Giles hinter sich her zu ihrem Auto.
![]()
Spike ging mit gesenktem Kopf über den Friedhof zum
Grab seiner Frau und
Tochter. Es waren nicht sehr viele andere Leute dort.
In seiner Hand hielt er einen Strauß
weißer Rosen, Drus Lieblingsblumen.
Langsam näherte er sich dem Grab, kniete sich hin und hob ein
paar Blätter
Laub auf, die dort lagen. Er legte die Blumen nieder und stand wieder
auf. Er
schaute auf den weißen Mamorstein und die
Tränen liefen ihm übers
Gesicht. Mit gebrochener Stimme flüsterte er:
„Hallo…Ich weiß, ich
bin seit eurer Beerdigung nicht mehr hier
gewesen…das tut mir leid, doch…ich
kann…will…Gott, ist das hart! Ich
kann euch nicht vergessen. Jeden Tag denke ich, warum musstet ihr auch
auf dem
Highway sein? Ich frage mich auch immer, wo du hinfahren wolltest, Dru?
Wo, zum
Teufel noch mal, wolltest du mit unserer Tochter hin? Das sind die
Fragen, die
ich mir immer stelle, doch ich bekomme keine Antworten und es wollen
mir auch
keine einfallen.“ Er stand noch eine ganze Weile dort und
weinte. „Ich
muss jetzt los. Ich verspreche, dass ich noch mal vorbei komme, bevor
ich wieder
fahre. Ich liebe euch.“
Er hauchte einen Kuss auf den Stein und verließ den
Friedhof. Als er gerade
in sein Auto steigen
wollte, hörte
er jemand seinen Namen rufen. „WILLIAM?“
„William, bist du das wirklich?“ fragte
die blonde Frau.
Er drehte sich zu ihr um. „Hi Darla, was machst du
denn hier? Ich dachte,
Angel sei bei dir?“
„War er auch, doch er sagte, er hätte einen
wichtigen Termin mit Miss
Summers. Er war nur für ne schneller Nummer bei mir, wie immer
eigentlich.“
antwortete Darla etwas traurig.
Sie war es schließlich von Angel gewöhnt,
wie Dreck behandelt zu werden,
doch sie liebte ihn über alles.
„Hast du Dru und die Kleine besucht?“
fragte sie. Als sie keine Antwort
bekam, sprach sie weiter. „Ich bin jeden Tag hier,
schließlich war sie
meine beste Freundin. Wie geht es dir eigentlich? Siehst nicht
besonders gut
aus!“
Spike holte tief Luft, seine Unterlippe zitterte etwas.
„Ich bin seit der Beerdigung nicht mehr hier
gewesen“, sagte er leise,
„Jede Nacht träume ich von ihnen. Ich versuche sie
immer zu retten, doch es
klappt nicht. Das schlimmste daran ist, ich konnte ihr noch nicht
einmal mehr
sagen wie sehr ich sie liebe. Wir haben uns den Morgen gestritten,
weißt du!
Das Letzte, was ich ihr sagte, war ein ` Wir reden heut Abend
darüber´.“ Die
Tränen liefen ihm wieder über die Wangen.
Darla ging auf ihn zu und nahm ihn in den Arm und
flüsterte beruhigende
Worte in sein Ohr. Sie wusste von dem Streit, denn Dru hatte sie sofort
danach
angerufen. Sie merkte, wie Spike sich langsam beruhigte und
ließ ihn los.
„Geht es wieder? Soll ich dich nach Hause
fahren?“ fragte sie besorgt.
Er sah sie mit verweinten Augen an und lächelte
leicht.
„Nicht nötig, ich schaff das schon, ich
habe die letzten fünf Monate die
Hölle durchlebt, dann werde ich das auch noch
durchstehen.“
Darla nickte, sagte ihm das alles wieder besser
würde, er sollte nur etwas
Geduld haben und ging.
Spike sah ihr noch hinterher und fragte sich, was solch eine
Frau nur an
seinem Bruder fand. Sie wusste doch, dass er sie betrog, oder?
Er seufzte, setzte sich in den Wagen und fuhr los.
Als Darla hörte, wie er den Wagen anließ,
blieb sie stehen und drehte sich
um. Sie wusste, wo Drusilla mit Michelle hinwollte. Sie wusste, warum
sie an
jenem Morgen diese Auseinandersetzung wirklich hatten.
Drusilla betrog Spike schon seit mehreren Monaten und an dem
Tag wollte sie
ihrem Liebhaber sagen, dass es aus wäre und wollte William
alles beichten.
Doch dazu kam es ja nicht. Sollte sie es ihm vielleicht sagen?
Würde es ihm
dadurch besser gehen, wenn er wüsste, warum sie sich auf dem
Highway befand? Würde
er ihr überhaupt glauben? Sie wusste nicht, was sie tun sollte.
Als Spike an ihr vorbeifuhr winkte sie ihm noch einmal zu und
stieg dann in
ihr Auto.
Angel war etwas angesäuert, weil es schon 13.20 Uhr
war und Buffy sich nicht
gemeldet hatte.
„Was gibt es denn?“ schnauzte er.
Kleinlaut gab Harmony Antwort. „Miss Summers hat
angerufen und ihren Termin
abgesagt, sie erwähnte irgendetwas von ihrem Bruder und einem
Mittagessen bei
ihrem Vater.“
„Und warum erfahre ich das erst jetzt? Ich war doch
die ganze Zeit hier,
oder?“ schrie Liam.
„Ich dachte, Sie und Miss Chase wollten nicht
gestört werden?“ erwiderte
Harmony.
Angel setzte sich in seinen Stuhl und rieb sich die Augen.
„Entschuldigung,
sie haben ja Recht. Habe ich sonst noch irgendwelche Termine?“
„Sie treffen sich in einer halben Stunde mit Mr.
Wolfram zum Essen, oder
haben Sie das vergessen...Es geht um den Fall…“
„Ich weiß, ich
weiß…sonst noch was?“ funkte Angel
dazwischen.
Harmony holte tief Luft und rollte mit den Augen.
„Nein, das wäre es dann
für heute.“
„Danke, sie können jetzt nach Hause gehen,
machen sie den Nachmittag
frei und unternehmen sie etwas.“
„Danke,
Mr. Blackwood,”
jauchzte Harmony.
Angel lehnte sich in seinem Stuhl zurück und kochte
vor Wut. Kaum war sein
Bruder wieder in der Stadt, kümmerten sich alle nur um den
armen kleinen Spike.
Nun gut, er hatte seine Frau und Tochter verloren, aber war das ein
Grund ihm in
den Arsch zu kriechen?
Er sah auf die Uhr. Er hatte noch zwanzig Minuten, dann
würde er sich zum
Essen mit Bill treffen. Vielleicht war sein Bruder ja schon
wieder weg,
wenn er heut Abend nach Hause kommen würde.
Spike war völlig fertig und wollte eigentlich nur
noch auf sein Zimmer. Er
hatte total vergessen, dass Rupert Giles zu Essen kommen
wollte.
Als er die Haustür öffnete, kam sein Vater
ihm schon entgegen. Eric sah ihn
an, schüttelte mit dem Kopf und sagte leise zu ihm.
„Geh nach oben und mach
dich ein wenig frisch, danach komme bitte zum Essen herunter.“
„Dad?“, fragte Spike so leise, das sein
Vater es fast nicht gehört hätte.
„Muss ich denn wirklich dabei sein? Mir ist absolut nicht
nach Gesellschaft.
Das kann Liam doch alles machen.“
Wesley seufzte. „William, ich habe dir doch schon
gesagt, dass Rupert nur
mit dir arbeiten will. Übrigens ist Buffy auch
hier.“ Er sah seinen Sohn an
und erhoffte sich eine Reaktion von ihm, doch er wurde
enttäuscht, Spike zeigte
keine.
„Ich komme sofort, ich gehe nur mal eben ins
Bad.“ sagte er und ging
langsam die Treppe hinauf. Nachdem er sich ein wenig frisch gemacht
hatte,
setzte er sich aufs Bett und rief Xander an, um ihm zu sagen, dass er
ihn um
17.00 Uhr abholen sollte. Nach dem Gespräch legte er auf und
machte sich auf
den Weg ins Esszimmer.
Eric stand zusammen mit Giles und Buffy vor dem Kamin und
unterhielten sich,
als er das Zimmer betrat. Buffy war die Erste, die ihn bemerkte. Sie
sah ihn an
und lächelte. Spike lächelte zurück und
räusperte sich.
„Rupert, schön, sie wieder zu
sehen.“ sagte er freundlich und ging auf
den Mann zu.
„William, schön, dass sie es doch noch
geschafft haben. Sie sind die
wichtigste Person bei dem Geschäft. Ich hoffe, ihnen geht es
gut?“ antwortete
Giles.
„Es muss, mir ging es zwar schon mal besser, aber
das soll nicht ihr
Problem sein. Warum wollen sie eigentlich, dass ich ihren Teil der
Kanzlei
zusammen mit Miss Summers leite? Sie könnte es auch sehr gut
alleine. Wenn ich
mich recht erinnere, hat sie einen besseren Abschluss als
ich.“ platzte es aus
Spike heraus.
Giles sah Buffy an. „Das stimmt schon, aber sie
traut sich nicht so recht,
alles allein zu machen.“ Buffy schaute auf den Boden, denn
sie spürte
Williams Blick, der auf sie gerichtet war.
Spike sah von Giles herüber zu seinem Vater.
„Es tut mir leid Rupert. Ich
werde die Verträge unterschreiben, doch das Angebot, die Firma
zu leiten, muss
ich leider abschlagen.“
Nun war es Buffy, die dazu etwas sagte. „Schlagen
sie es nicht sofort ab.
Lassen sie sich die Zeit, um es noch mal in Erwägung zu
ziehen. Es muss ja
nicht sofort sein, wenn sie noch nicht dafür bereit sind. Ich
denke, ihr Bruder
kann mir erst einmal unter die Arme greifen und Giles und ihr Vater
sind ja auch
noch da.“
Eric sah, das Buffy mit allen Mitteln versuchte, den Blicken
von Spike
auszuweichen und musste leicht grinsen.
„Xander kommt in zwei Stunden und holt mich ab. Es
wäre sehr nett, wenn
ich bis dahin die Verträge unterschrieben
hätte.“ sagte Spike und ging in
keinster Weise auf das ein, was Buffy gesagt hatte.
„Sicher“, antwortete Buffy.
„Aber nur unter einer Bedingung?“
„Und die wäre?“ fragte Spike
neugierig.
„Sie überlegen es sich noch einmal mit der
Geschäftsleitung.“
Spike sah ihr tief in die Augen. „O.K. Ich werde
darüber nachdenken,
Okay?“ Buffy stieg die Röte ins Gesicht und sie sah
verschämt auf ihre Füße.
„Na dann lasst uns mal ins Arbeitszimmer gehen und
die Formalitäten
erledigen. Ich hoffe, sie haben noch nichts gegessen Rupert? Denn meine
Köchin
hat sich garantiert wieder selbst übertroffen und ihren
berühmten
Schweinebraten gemacht“, sagte Wesley und geleitete Buffy und
Giles ins gegenüberliegende
Zimmer.
Spike folgte ihnen und konnte seinen Blick nicht von Buffy
nehmen. Sie war
schon eine sehr gut aussehende junge Frau, das musste er sich
eingestehen.
Spike unterschrieb die Verträge und dann gingen sie
ins Esszimmer denn das
Essen stand schon dampfend auf dem Tisch.
Auch beim Essen beobachtete er sie. Ihm fiel auf, dass immer
wenn er sie
ansah, sie schnell ihren Blick abwendete.
„William, haben sie eigentlich Internet in ihrer
Hütte?“ wollte Rupert
wissen.
„Einen Telefonanschluß ja, doch ich habe
keinen Computer.“ sagte Spike
und löste seinen Blick von Buffy. „Wieso fragen
Sie?“
„Ich dachte, wenn sie nicht in der Stadt arbeiten
wollen, könnten wir mit
ihnen über das Netz in Kontakt bleiben. Wenn sie wollen,
könnten sie von dort
aus ihre Arbeit erledigen!“ Rupert sah ihn hoffnungsvoll an.
Spike dachte einen Moment über diesen Vorschlag nach.
„Ich werde erst
einmal zurückfahren. Ich werde ernsthaft darüber
nachdenken.“
„Versprochen.“ erwiderte Giles.
Sie wollten gerade ins Wohnzimmer gehen, um dort die
restlichen Sachen zu
besprechen, als Liam hereinkam.
„Bist du immer noch hier? Ich dachte, du
wärst endlich wieder in deinem
Loch und grübelst vor dich hin“, fuhr er sofort
seinen Bruder an.
Spike sah ihn an, „Keine Angst, meine Sachen sind
schon gepackt und ich
warte nur darauf, das Xander mich abholt.“
Er hatte den Satz noch nicht ganz ausgesprochen, als es
klingelte.
Lili öffnete die Tür und ließ
Xander eintreten. „Warte hier, ich hole
schnell meine Sachen und dann können wir schnellstens hier
verschwinden.“
rief Spike und rannte die Treppe hinauf.
Als er die Treppe wieder herunter kam, stand Buffy auf der
untersten Stufe
und sah ihn an. „Hier ist meine Telefonnummer. Wenn sie
irgendetwas brauchen
sollten, ich bin immer für sie da.“ Sie gab ihm ihre
Karte und lächelte.
„Danke, ich melde mich auf alle Fälle noch
bei ihnen, wenn ich es mir überlegt
habe.“ Nun war es William, der rot wurde, weil Xander ihn so
komisch ansah.
Buffy drehte sich um und ging wieder ins Wohnzimmer.
„Ich bin dann weg, Dad!“ rief Spike.
„Ja gute Fahrt. Ich hoffe, du kommst nicht so bald
wieder.“ hörte er
Angel rufen.
„Arschloch!“ sagte Xander leise, und
verließ zusammen mit Spike die
Villa.
Die ganze Fahrt über sagten beide kein Wort. Spike
starrte aus dem Fenster.
Er bemerkte nicht einmal, das Xander über den Highway fuhr.
„Kann ich noch irgendetwas für dich
tun?“ fragte Xander, als er vor der
Hütte anhielt.
Spike sah zu ihm auf. „Kannst du mir bis Freitag ein
Notebook und Drucker
besorgen?“
„Sicher, hast du dich entschieden, wieder zu
arbeiten? Hat es irgendetwas
mit der jungen Frau zu tun?“ wollte der neugierige Xander
wissen.
Spike öffnete die Beifahrertür, holte seine
Sporttasche aus dem Kofferraum,
beugte sich dann noch einmal zum Fenster herunter, sah Xander an und
sagte:
“Vielleicht!“ und grinste. „Bis Freitag
Xan.“
„Wurde auch Zeit.“ sagte Xander zu sich
selbst, als er wendete und
davonfuhr.
Nachdem Spike die Hütte betreten und seine Tasche
abgestellt hatte, ging er
in die Küche, um sich einen Cappuccino zu machen.
Er setzte sich an den Tisch und starrte aus dem Fenster. „Vielleicht gibt es doch noch etwas für das es sich zu Leben lohnt.“ sagte er zu sich selbst, als er einen großen Schluck aus der Tasse nahm, die dampfend vor ihm stand.
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Eine Woche später:
Buffy lehnte sich gerade über ihren Schreibtisch, als
Liam das Büro betrat
und ihren Hintern
betrachtete.
„Guten Morgen Buffy!“ sagte er charmant.
„Wie ich sehe, hast du dich
schon in deinem neuen Büro eingelebt. Ist alles zu deiner
Zufriedenheit?“
„Guten Morgen. Und ja, es ist alles bestens. Willst
du etwas Bestimmtes von
mir, Liam? Ich habe nämlich eigentlich gar keine Zeit, denn
ich treffe mich
gleich mit deinem Vater zum Frühstück“,
sagte Buffy ohne ihn anzusehen, denn
sie betrachtete die Formulare, die sie in ihrer Hand hielt. Als er ihr
keine
Antwort gab, sah sie zu ihm auf. „Hallo! Hast du mir
eigentlich zugehört?“,
fragte sie noch mal nach.
„Ja, ich habe dir zugehört. Doch
könntest DU mir einen Gefallen tun und
mich Angel nennen?“ Er ging einen Schritt auf sie zu.
Buffy wich instinktiv einen Schritt zurück.
„Ich werde DICH nicht Angel
nennen. Wir sind Geschäftspartner, keine Freunde,
verstanden?“
„Okay, das ist zwar nicht das, was ich erhofft
hatte, aber vielleicht können
wir ja irgendwann mal Freunde werden“, sagte er und zog dabei
die Augenbrauen
hoch. „Wir könnten heute Mittag essen gehen und uns
besser kennen lernen. Was
hältst du davon?“
Buffy ging um den Schreibtisch herum und nahm ihre Jacke und
Handtasche. Als
sie sich zu Angel umdrehte, lächelte sie ihn an.
„Ich denke, das wäre keine
so gute Idee. Ich möchte es doch lieber bei
Geschäftspartner belassen,
Liam.“ Mit diesen Worten ging sie an ihm vorbei und
verließ ihr neues Büro.
Während sie in Richtung Aufzug ging, lief es ihr eiskalt den
Rücken herunter
*Mir wird ja schon bei dem Gedanken schlecht, mit ihm befreundet zu
sein* dachte
sie und schüttelte sich.
Als die Tür hinter Buffy zugefallen war, konnte man
förmlich sehen, wie die
Wut in Angel wuchs. Wie konnte sie es wagen, ein Mittagessen mit ihm
auszuschlagen. Er war es gewohnt, dass alle Frauen bei ihm schwach
wurden, doch
diese Summers war ein harter Brocken. Doch sie würde noch
weich werden. „Das
letzte Wort ist darüber noch nicht gesprochen, Miss
Summers.“ sagte er laut
vor sich hin, bevor auch er das Büro verließ.
Er entschloss sich, seinen Frust bei Darla auszulassen und
ging.
„Wollen sie, dass wir nicht gesehen werden oder
warum sitzen sie in der
hintersten Ecke?“ fragte Buffy mit einem Lächeln.
Eric erwiderte das Lächeln und bat sie, sich zu
setzen. „Dies ist mein
Lieblingsplatz. Hier habe ich mich immer mit Williams Mutter getroffen,
wenn sie
mich mal sehen wollte und zum Essen eingeladen hatte. Ich hatte damals
wenig
Zeit, als ich die Firma aufbaute und das war die einzigste
Möglichkeit, mich überhaupt
noch zu Gesicht zu bekommen. Aber jetzt mal was ganz anderes: Wie war
es im Büro,
haben sie alles erledigen können?“
„Fast. Mein Computer ist noch nicht da. Das wird
auch wohlmöglich noch
eine Woche oder länger dauern, doch ich konnte mich schon mal
weiter umsehen.
Es war doch so abgemacht, dass wir unsere Mitarbeiter mitnehmen
können, oder?
Denn ich will meine Sekretärin Willow nicht verlieren, sie ist
die Beste.“
sprudelte es aus Buffy heraus. Sie mochte Eric und sie konnte es gar
nicht
glauben, dass er der Vater von solch einem Kotzbrocken wie Liam sein
konnte.
Eric musste über ihren Wortschwall lachen.
„Keine Angst, es wird keine Kündigungen
geben. Und sie sollten sich vielleicht mal eine kleine Auszeit
gönnen. Sie
haben in den letzten acht Monaten sehr viel gearbeitet und sich eine
kleine
Erholung verdient.“
„Aber ich kann doch nicht jetzt Urlaub machen, es
gibt doch noch so viel,
was erledigt werden muss. Wer soll das denn alles machen? Nein, ich
kann jetzt
nicht aufhören....“ fing Buffy an.
„Miss Summers! Ich habe genug Anwälte, die
ihre Klienten übernehmen könnten.
Sie sind jetzt nicht mehr allein. Machen sie ein paar Tage frei und
entspannen
sie sich mal. Fahren sie zum Strand oder machen sie mit ihren
Freundinnen einen
Einkaufsbummel. Leben sie mal wieder“, unterbrach Wesley
ihren Einspruch.
„Ich kann...nicht jetzt! Es ist noch so viel
Arbeit...“ stammelte sie.
Eric sah sie ernst an und schlug leicht mit der Faust auf den
Tisch.
„Einspruch abgewiesen, sie werden zu 8 Tagen Urlaub
verurteilt.“
Buffy lachte. „Nun dann werde ich meine Strafe wohl
oder übel antreten müssen.“
Nachdem sie gegessen hatten, bestellte jeder von ihnen noch
einen Kaffee.
„Haben sie etwas von William gehört“,
fragte Buffy vorsichtig.
„Er hat gestern angerufen, um mir zu sagen, dass
Xander ihm morgen ein
Notebook bringt. Hat er sie denn noch nicht angerufen?“
„Nein, ich denke, er will noch mehr Bedenkzeit als
nur eine Woche. Es ist für
ihn nicht gerade leicht, mit dem fertig zu werden, was ihm geschehen
ist. Wenn
ich könnte, würde ich ihm sehr gerne
helfen.“ sagte Buffy und rührte
unaufhörlich
in ihrem Kaffee herum.
Eric überlegte einen Moment, sah dann Buffy an und
legte den Kopf zur Seite.
„Vielleicht hätte ich da eine Idee, wie sie ihm
helfen könnten. Ich müsste
dazu nur Xander anrufen.“
„Wie meinen sie das? Und was hat dieser Xander damit
zu tun?“ fragte sie
neugierig.
„Sehen sie, William hat dort kein Auto. Xander
bringt einmal pro Woche
Lebensmittel und andere Sachen zu ihm. Ich denke, wenn sie mitfahren
und dort
eine Woche mit ihm zusammen leben würden, könnte er
seine Meinung ändern und
sie hätten ihren wohlverdienten Urlaub, denn dort oben gibt es
kein Fernsehen,
kein Verkehr und keinen Job. Was halten sie davon?“ Wesley
wartete gespannt
auf ihre Antwort.
Buffys Verstand arbeitete auf Hochtouren. Sollte sie das
Angebot annehmen?
Vielleicht wäre dies endlich die Chance, William zu zeigen,
dass sie mehr für
ihn empfand oder sollte sie es nicht annehmen und sich damit abfinden,
dass er
nie ihre Gefühle erwidern würde?
„Okay, ich mach es, rufen sie Xander an, er soll
mich morgen früh um 9.00
Uhr im Büro abholen. Ich muss dann aber jetzt los, ich habe
noch einiges zu
erledigen, wenn ich eine Woche Sunnydale verlasse.“ Sie stand
auf, griff nach
ihrer Tasche und wollte gerade gehen, als Eric sie am Handgelenk
festhielt.
Buffy sah ihn erstaunt an.
„Sie lieben William, nicht wahr?“
Sie sah Eric nicht an, sondert starrte vor sich hin
„Seit dem College, doch
er hatte nur Augen für Dru. Ich habe immer gedacht, dass ich
darüber hinweg
kommen würde, doch die Zusammenarbeit mit ihm hat alles wieder
aufgewühlt.
Langsam richtete sie ihren Blick auf ihn. „Aber ich mache mir
keine
Hoffnungen... Bis bald Mr. Blackwood.“ Dann ging sie.
„Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben,
dass William endlich
wieder anfängt, zu leben“, flüsterte Eric.
Am nächsten Morgen stand Buffy nervös vor
der Kanzlei und wartete auf ihren
Fahrer.
Auf die Minute genau hielt Xander vor ihr an, stieg aus und
verstaute ihr Gepäck
im Kofferraum. Dieser war schon mit allerhand Sachen voll gepackt.
Lebensmittel,
das Notebook, einen Drucker, Modem, Netzwerkkabel usw.
Sie stieg ein und kurze Zeit später fuhren sie los.
„Sie sind also diese mysteriöse Buffy, von
der Mr. Blackwood mir erzählt
hat?“ Xander studierte Buffy von Kopf bis Fuß.
„Ich hoffe, sie können
Spike wieder zum Leben erwecken.“
„Spike?“ fragte sie ungläubig.
„Ja! Das ist Williams Spitzname, wussten sie das
nicht?“ fragte Xander
zurück.
Buffy starrte den jungen Mann auf der Fahrerseite an.
„So gut kenne ich ihn
auch wieder nicht. Wir sind im College in die gleichen Vorlesungen
gegangen,
aber ansonsten habe ich vor acht Monaten das erste Mal richtig mit ihm
gesprochen. Sie wissen von der Kanzleifusion?“ als Xander
nickte, brabbelte
sie weiter. „Deswegen haben wir zusammen gearbeitet und Giles
möchte gerne,
dass er zusammen mit mir die Leitung übernimmt. Ich werde in
dieser einen Woche
mein Bestes geben, um das zu erreichen. Bis jetzt habe ich immer alles
bekommen,
was ich wollte...“
„Können sie auch zwischen durch mal Luft
holen? Sie reden ja wie ein
Wasserfall, oder sind sie so nervös?“ ging Xander
dazwischen und musste dabei
lachen.
„Entschuldigung, ich rede immer so schnell und viel,
wenn ich nervös oder
aufgeregt bin. Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich hier
überhaupt mache!“
sagte Buffy leise und schaute aus dem Seitenfenster.
Xander drehte seinen Kopf zur Seite und beobachtete
sie nur ein paar
Sekunden, da er ja auf den Verkehr achten musste. „Sie
brauchen vor Will keine
Angst haben, der kann keiner Fliege was antun. Ich denke, auch er
braucht etwas
Abwechslung in seinem tristen Leben und wenn sie sich dazu bereit
erklären,
haben sie meinen Segen.“
Buffy nickte.. „Wie lange wird es wohl noch dauern,
bis wir dort sind?“
„Höchstens eine Stunde.“ Xander
fuhr vom Highway auf eine Landstrasse.
Buffy nickte abermals und starrte wieder aus dem Fenster. Was
hatte sie bloß
geritten, als sie sich bereit erklärte, ihren Urlaub bei
William zu verbringen?
Er betrat das Arbeitszimmer. „Hey Dad, du wolltest
mit mir sprechen? Ist
was passiert?“
Eric schaute seinen Ältesten an. „Nein, es
ist nichts passiert. Ich habe
hier ein paar Fälle von Miss Summers für dich. Ich
möchte, dass du sie an
unsere besten Leute verteilst.“ Er stand auf und
übergab Liam die Akten.
Danach setzte er sich wieder hinter seinen Tisch und arbeitete weiter
am
Computer.
Angel sah sich die Akten an, dann wanderte sein Blick zu
seinem Vater und
wieder zurück auf die Akten. „Kann Buffy nicht
selbst die Akten unter ihren
Leuten verteilen? Ich habe für so etwas eigentlich keine
Zeit.“
„Stell dich nicht so an, deine Kollegin Cordelia
wird doch garantiert mal
´ne halbe Stunde auf dich verzichten können. Buffy
hat sich vorerst eine Woche
Urlaub genommen. Deswegen sollst du ihre Fälle verteilen. Wo
wir schon mal bei
den Frauen sind, ich habe Darla vorhin in der Stadt getroffen, sie
sagte mir,
dass du heute Abend ein wichtiges Treffen hast und da sie so traurig
aussah,
habe ich sie zum Mittagessen eingeladen. Mit wem triffst du dich denn?
Ist es
geschäftlich oder wieder eine neue Frau?“ wollte
Eric wissen.
Angel zuckte mit den Schultern. „Ich weiß
zwar nicht, was es dich angeht,
aber ich hatte eigentlich vor, Buffy anzurufen und sie zu fragen, ob
wir uns im
Büro treffen könnten. Da sind einige Dinge, die ich
mit ihr klären möchte.“
„Da wirst du wohl kein Glück haben. Soweit
ich weiß, ist sie gar nicht in
der Stadt.“ Eric würde doch seinem Sohn nicht auf
die Nase binden, dass Buffy
auf dem Weg zu Spike war und außerdem konnte er sich bildlich
vorstellen, was
Liam mit Buffy besprechen wollte. „Also bleibst du auch zum
Essen? Oder hast
du sonst noch etwas vorgehabt?“ wollte er wissen.
Liam seufzte. „Wenn Buffy sowieso nicht in der Stadt
ist, kann ich auch
bleiben und mit euch essen.“
„Schön, ich sag noch eben Rosa Bescheid,
dass du auch noch zum Essen
bleibst.“ Eric stand von seinem Schreibtisch auf und
verschwand aus dem
Zimmer.
******
Xander hatte an diesem Tag wirklich kein Glück, denn
sobald sie von dem
Highway herunterfuhren, hatte er entweder Trecker oder Sonntagsfahrer
vor sich,
also brauchten sie noch ungefähr zwei Stunden, bis sie endlich
gegen 11.30 Uhr
an der Blockhütte ankamen.
Die Sonne brannte schon ganz schön, als Xander
ausstieg und die Lebensmittel
und Buffys Sachen aus dem Kofferraum holte. „Wir machen das
am Besten so, das
ich alles hierhin stelle und so schnell wie möglich wieder
verschwinde,
okay?“ fragte er Buffy die neben dem Auto stand und sich
reckte.
„Ist glaube ich, das Beste. So kann er nicht auf die
Idee kommen, mich zurückzuschicken“,
sagte Buffy und lächelte Xander an.
Nachdem er alles vor die Tür gestellt hatte, drehte
er sich zu Buffy um,
verabschiedete sich von ihr und stieg dann in seinen Wagen, um wie der
Wind
davon zu fahren.
Nun stand sie da, ganz allein, vor dieser nicht gerade kleinen
Blockhütte.
„Auf was hab ich mich da nur eingelassen?“ fragte
sie sich leise, ging
langsam auf die Tür zu und klopfte an, doch nichts tat sich.
Als beim dritten Mal immer noch niemand die Tür
öffnete, ging sie um die Hütte
herum und erspähte den riesigen glasklaren See, der sich
dahinter befand.
Langsam ging sie am Ufer entlang, bis sie William auf einem kleinen
Steg stehen
sah.
Er hatte den Kopf gesenkt und sah verträumt ins
Wasser hinab.
Buffy stand ein oder zwei Meter von ihm entfernt, als sie sich
räusperte.
Er zuckte erschreckt zusammen und wischte sich beim Umdrehen mit dem Handrücken über die Augen. Buffy hatte vorher schon gemerkt, dass er geweint hatte, aber nun sah sie es ganz deutlich, denn seine Augen waren knallrot. „Miss Summers? Was tun sie denn hier?“ fragte er heiser und kam ein Stückchen auf sie zu.
![]()
Als Spike auf sie zukam spürte sie, wie tausende von
Schmetterlingen in
ihrem Bauch aufflatterten. Noch nie zuvor hatte sie solche traurigen
blauen
Augen gesehen. Vorher waren sie immer so voller Leben und Freude
gewesen, doch
nun war davon nichts mehr da und sie schwor sich in dem Moment, dass
sie alles
daran setzen würde, um dieses Leuchten
zurückzubringen, doch leider wusste sie
nicht wie.
„Xander war so freundlich und hat mich mitgenommen.
Ihr Vater meinte, ich könnte
etwas Erholung gebrauchen“, antwortete Buffy ihm leise.
Spike rannte an ihr vorbei um die Hütte. Nach einer
Minute kam er langsam
wieder zurück. „Xander ist schon weg? Wie kommen Sie
denn zurück?“
„Wie ich schon sagte, Ihr Vater hat gemeint, ich
könnte mich hier oben
entspannen. Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen?“ fragte
Buffy und nun war sie
es, die langsam auf ihn zuging.
Spike sah sie kurz an und schüttelte abwesend den
Kopf. „Sie wissen, dass
Sie hier eine Woche lang sozusagen gefangen sind?“ Sie
erwiderte seinen Blick
und nickte nur. „Ich muss Sie warnen, ich bin nicht gerade
die beste
Unterhaltung“, fügte er noch hinzu.
Nach einer längeren Pause räusperte er sich.
„Okay, dann lassen sie uns
mal die Lebensmittel und ihren Koffer in die Hütte bringen,
bevor uns alles
vergammelt“, sagte Spike und machte sich wieder auf den Weg
um die Hütte
herum zur Vorderseite.
Buffy folgte ihm langsam und nahm ihren Koffer, um ihn herein
zutragen. „
Kommen Sie und lassen Sie ihren Koffer stehen, ich hole ihn
gleich.“ sagte er
und verschwand in der Tür. Sie stieg die drei Stufen zum
Eingang hinauf und
betrat die Hütte.
Sie war wirklich sehr geräumig. Die untere Etage
bestand fast aus einem
riesigen Raum. Auf der einen Seite standen zwei gemütlich
aussehende Sofas vor
einen Kamin und von da aus konnte man in die Küche sehen, in
der sich
anscheinend William befand. Auf der anderen Seite stand ein
großer runder Tisch
mit acht Stühlen und anscheinend hatte er sich schon etwas
Platz gemacht, um
dort zu arbeiten.
Buffy ging langsam zur Küche hinüber und
lugte um die Ecke. Spike stand da
und räumte die Lebensmittel in den Kühlschrank. Die
Küche war nicht besonders
groß. Auf der einen Seite
stand
eine eichene Küchenzeile und auf der
gegenüberliegenden Seite war ein kleiner
Tisch mit zwei Stühlen.
„Und was halten Sie von meinem bescheidenen
Heim?“ fragte er, lehnte sich
an den Kühlschrank und lächelte sie an.
„Es ist sehr nett, doch könnten wir eine
Sache von vorn herein klären?“
antwortete sie und streckte ihm ihre Hand hin. „Ich
heiße Buffy.“
„William, aber du kannst mich auch Spike nennen.
Wäre mir sogar lieber“,
sagte er und schüttelte ihre Hand. „Ich zeige DIR
dann mal dein Zimmer!“ Er
ging noch nach draußen, um ihren Koffer zu holen. Er blieb
vor der kleinen
Holztreppe stehen und sah sie an. „Kommst du?“
fragte er und ging die Stufen
hinauf. Buffy folgte direkt hinter ihm.
Als erstes zeigte er ihr das kleine Badezimmer, das aus einer
Dusche, einem
kleinen Waschbecken und einer Toilette bestand. Danach hielt er kurz
vor einem
Schrank an, der im Flur stand, holte frische Bettwäsche heraus
und gab sie
Buffy. „Das Zimmer ist schon lange nicht mehr benutzt worden.
Ich denke, wir
werden es auch noch ein wenig sauber machen müssen“,
sagte er, als er eine Tür
auf der linken Seite des Flures öffnete.
Die Fensterläden waren noch geschlossen und Spike
ging zum Fenster hinüber
und öffnete es. Kleine Staubteilchen wirbelten durch die Luft
und Buffy sah
sich in den großen Raum um. An der Wand unter der
Schräge stand ein großes
Doppelbett und ein riesiger Kleiderschrank stand neben der
Tür. Unter dem
Fenster befand sich noch ein kleiner Schminktisch und man konnte
wirklich sehen,
dass das Zimmer schon länger nicht mehr benutzt worden war.
„Ich
werd dann mal runtergehen
und Putzzeug holen“, sagte er und war auch schon verschwunden.
Buffy ging zum Fenster und sah hinaus. Der Ausblick war
überwältigend. Man
konnte den kompletten See übersehen und die Wälder,
die ihn umsäumten. Die
Luft war angenehm frisch, nicht so mit Abgasen verseucht wie in
Sunnydale.
„Atemberaubend, nicht wahr?“
Buffy erschrak. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass William
zurück gekommen
war. Er hielt einen kleinen Eimer mit Wasser in der einen Hand und
einen
Staubwedel in der anderen.
Sie sah ihn kurz an und ging zum Bett hinüber.
„Es ist wirklich schön
hier. Sie…äh…du wirst gar nicht merken,
dass ich da bin“, sagte sie während
sie anfing, das Bett zu beziehen.
Spike beobachtete sie einen Moment, bevor er sich an die
Arbeit machte und
den zentimeterdicken Staub wegwischte, der sich überall
angesammelt hatte.
Nach einer dreiviertel Stunde war das Zimmer blitzblank.
„Hast du
Hunger?“ fragte Spike, als Buffy sich den Schweiß
von der Stirn wischte und
von der der Fensterbank, auf der sie kniete um das Fenster zu putzen,
herunterkletterte. „Sicher, ich habe immer Hunger.“
Spike musste lachen. „Du kannst ja duschen gehen,
während ich uns ein paar
Sandwiches mache, okay?“
Buffy machte ihren Koffer auf, holte ein riesiges Badehandtuch
heraus und war
schnell im Badezimmer verschwunden.
******
Zwanzig Minuten später kam Buffy frisch geduscht die
Treppe hinunter. Sie
hatte ein luftiges, sonnengelbes Sommerkleid angezogen. Langsam ging
sie in
Richtung Küche, lugte um die Ecke und ihr Herz blieb beinahe
stehen.
Spike hatte sich sein T-Shirt ausgezogen und man konnte nun
seinen
gutgebauten Oberkörper wunderbar betrachten. Die strammen
Bauchmuskeln bewegten
sich bei jeder Bewegung und die abgeschnittene, schwarze Strechjeans
betonte
seinen knackigen Hintern.
Ihr lief ein eiskalter Schauer über den
Rücken, als sie die Küche betrat
und er seinen Kopf leicht zur Seite drehte, um sie anzusehen. Seine
eisblauen
Augen bohrten sich in ihre und sie musste schwer schlucken.
„Setz dich. Eistee?“ fragte Spike
Buffy setzte sich an den Tisch, auf dem ein Teller mit
Sandwiches stand, und
nickte ihm zu. „Sehr gern, danke.“
Er stellte zwei Gläser mit Eistee auf den Tisch und
setzte sich ebenfalls.
„Dann lass es dir schmecken.“
Während sie aßen, sagte keiner von beiden
ein Wort. Ab und zu schauten sie
sich an und es sah so aus, als ob Buffy etwas sagen wollte, doch sie
tat es dann
doch nicht.
„Du hast dich also dazu entschieden, doch wieder
etwas zu arbeiten,“
sagte sie dann schließlich doch und biss noch einmal herzhaft
in ihr Sandwich.
Spike trank einen Schluck von seinem Eistee, sah ins Glas und
stellte es wie
in Zeitlupe zurück auf den Tisch. „Ja, hab ich. Doch
ich wollte langsam
wieder anfangen. Vielleicht ein paar Schreibarbeiten oder als
Unterstützung bei
großen Fällen. Ich komme aber nicht wieder
zurück nach Sunnydale. Ich
kann…“
Buffy bemerkte, wie sich in seinen Augen wieder
Tränen bildeten. „Ist
schon gut. Du brauchst nicht nach Sunnydale. Kennst du dich mit
Computern
aus?“ versuchte sie ihn abzulenken.
Er stand auf und stellte das Geschirr in die Spüle.
„Ein bisschen“,
sagte er etwas gebrochen. „Hast du denn Ahnung von den
Dingern?“ erwiderte
er ihre Frage.
Buffy lächelte. „Auch ein bisschen. Ich
denke, wenn wir beide uns zusammen
tun, werden wir es schon hinbekommen. Wenn nicht habe ich ja immer noch
ein As
im Ärmel.“
„Ach wirklich?“ fragte er verwundert.
Buffy nickte. „Meine Sekretärin Willow ist
ein absoluter Computerfreak,
wenn irgendetwas nicht klappt, könnte ich sie
anrufen.“
Spike, der aufgestanden war, ließ Wasser in die
Spüle und warf Buffy ein
Trockentuch entgegen. „Auch wenn du hier Urlaub machen
willst, muss du dich
trotzdem an der Hausarbeit beteiligen.“
Buffy schnappte es lächelnd auf und stellte sich
neben ihn an die Spüle.
******
Zur gleichen Zeit in Sunnydale:
Angel, Darla und Eric saßen im Kaminzimmer und
unterhielten sich über
dieses und jenes, als das Telefon klingelte.
Einen Moment später kam Lili herein. „Mr.
Blackwood? Mr. Giles ist am Telefon.“
“In Ordnung Lili, ich nehme es in meinem
Arbeitzimmer an“, sagte Eric und
verließ den Raum.
Angel und Darla sahen sich an. „Sag mal, Schatz? Wie
geht es eigentlich
deinem Bruder?“ fragte Darla plötzlich.
„Das ist mir doch egal. Meinetwegen kann er dort
oben versauern.“ giftete
Angel zurück und löste sich aus ihrer Umarmung.
„Warum interessiert dich das
überhaupt?“
Sie sah ihn an und schüttelte mit dem Kopf.
„Warum hasst du ihn so? Was
hat er dir getan, dass er so etwas verdient? Als Dru starb, warst du so
mitfühlend,
so nett und freundlich. Aber sobald sie und Michelle beerdigt waren,
bist du in
dein altes Ich gefallen, warum? Hast du überhaupt eine
Vorstellung davon was es
heißt, einen Menschen zu verlieren, den man über
alles liebt?“ sagte sie mit
Tränen in den Augen. „Dru war meine beste Freundin.
Sie war wie eine
Schwester für mich. In der einen Minute war sie noch da. Hat
mich noch
angerufen und gesagt, dass sie am Abend vorbeikommen würde und
dann auf einmal
ist sie tot.“
Die einzigste Reaktion, die sie von Angel bekam, war ein
Schulterzucken.
„Du bist ein Scheusal. Eins der
größten Arschlocher, die auf dieser Welt
herum laufen. Ich weiß überhaupt nicht, warum ich
noch mit dir zusammen
bin,“ keifte Darla und sah Angel verhasst an.
„Dann geh doch. Hau doch ab. Ich find schon ne
andere, die für mich die
Beine breit macht“, nun schrie auch Liam. „Sieh zu,
dass du Land gewinnst
und glaub bloß nicht, dass ich mich noch einmal bei dir
melde. Mit dir bin ich
fertig…Ach ja, und damit du es weißt, ich habe
schon seit einem Jahr eine Affäre
mit Cordelia Chase.“ fügte er noch hinzu und
stürmte aus dem Raum.
Darla liefen die Tränen übers Gesicht, sie
schnappte sich ihren Mantel und
verließ die Villa der Blackwoods. „Das wirst du mir
noch büßen, Liam
Blackwood. Ich werde alle Frauen vor dir warnen, insbesondere diese
Buffy
Summers.“ flüsterte sie vor sich hin, als sie in ihr
Auto stieg und wegfuhr.
******
Eric unterhielt sich immer noch mit Rupert.
„Nein Giles. Xander ist noch nicht wieder da! Ich
denke, sie wird wohl gut
angekommen sein….Wie…Ich hab nichts von einen
Unfall auf dem Highway gehört…Nein,
wann soll das gewesen sei...? So gegen 11.00Uhr? Da werden sie schon
lange…ich
denke…ja mach ich…ja ist gut…Okay,
Giles. Schönen Tag noch…Bye.“
Gerade als er auflegte, kam Liam wutschnaubend ins Zimmer
gestürmt.
„WEIBER!!!“ schrie er. „Dad, kannst du
mir sagen, was mit den Frauen los
ist?“
Eric seufzte, stand langsam von seinem Schreibtisch auf und
ging zu seinem Ältesten.
„Was ist denn nun schon wieder. Hast du dich mit Darla
gestritten?“
„Diese doofe Kuh. Hat nichts Besseres zu tun, als
alte Wunden wieder
aufzureißen.“ sagte Liam etwas ruhiger.
„Was denn für alte Wunden?“
wollte Eric wissen.
„Warum ich William hasse! Warum ich mich nicht mit
ihm verstehe! Mein Gott.
Ich war drei, als Mom starb und als du dann Anne geheiratet und sie dir
William
geschenkt hat, hab ich mich immer wie einen Außenseiter
gefühlt. Du hast ihm
immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt als mir. Und als er sich dann auch
noch die
Frau angelte, in die ich schon seit Jahren verliebt war, war alles
vorbei. Ich
hasse ihn dafür bis an sein Lebensende“, gab Angel
ihm zur Antwort.
Eric legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich habe
ihm nie mehr
Aufmerksamkeit geschenkt. Vielleicht hast du das so gesehen, doch ihr
seid beide
meine Söhne und ich bevorzuge keinen von euch.“
Liam sah seinen Vater mit großen Augen an.
„Warum hab ich denn das Gefühl,
dass du ihn mehr liebst als mich?“
„Soll ich ehrlich sein?“ fragte Eric auf
einmal
„Ich bitte darum.“
„Weil du ehrlich gesagt manchmal ein richtiger
Kotzbrocken sein kannst. Ich
hasse dich manchmal dafür, wie du mit deinen Mitmenschen
umgehst. Wie du Frauen
nur wie Objekte behandelst. Dir ist gar nicht klar, wie weh du den
anderen damit
tust. Ich hatte mich gewundert, dass du nach Drusilla Tod so
einfühlsam warst,
aber dann fiel mir ein, dass du sie geliebt hast. Also frag mich noch
einmal,
warum ich William mehr liebe als dich!“ Mit diesen Worten
verließ Eric das
Arbeitzimmer und ließ einen verwunderten und verletzten Angel
zurück.
Mit solch einer Offenheit hatte er nicht gerechnet.
******
Eric ging gerade durch die Eingangshalle, als es an der
Tür klingelte. Lili
kam gerade aus der Küche, als er abwinkte. „Ich
mache das schon, Lili“,
sagte er und öffnete die Tür.
„Guten Abend, Mr. Blackwood“, erklang
Xanders Stimme. „Ich wollte Ihnen
nur sagen, dass alles in Ordnung ist und ich Miss Summers in einem
Stück bei Sp…William
abgeliefert habe.“
Eric bat ihn herein und fragte ihn, ob er etwas trinken
wollte. Als Xander
den Kopf schüttelte, ging er mit ihm in das angrenzende
Wohnzimmer. „Was kann
ich denn sonst noch für dich tun?“ fragte Eric.
„Nun, mir ist auf der Rückfahrt so eine
Idee gekommen. William hat ja mehr
als genug Lebensmittel dort oben und da Sie doch garantiert einen
Hintergedanken
dabei hatten, Miss. Summers dort hinzuschicken, hab ich mir gedacht,
dass wir
die beiden die nächsten vierzehn Tage nicht stören
sollten. Was halten Sie
davon?“ erklärte Xander und schaute den
älteren Mann etwas neugierig an.
„Scheint keine schlechte Idee zu sein, ich denke,
das sollten wir
machen.“ Eric ging zum Telfon hinüber und nahm den
Hörer ab. Bevor er eine
Nummer wählte, drehte er sich noch einmal zu Xander um.
„Dein Scheck liegt
wie immer auf dem kleinen Tisch in der Eingangshalle und bestelle Anya
einen schönen
Gruß.“
Xander verabschiedete sich mit einem Nicken, als Eric die
Nummer von Rupert
Giles wählte.
„Giles?...Ja, hab ich…Sie ist gut
angekommen…Ja in einem
Stück…hör
mal, Xander, der beste Freund von William, hatte eine fabelhafte
Idee…Nein, es
ist nichts Schlimmes…Wir wollen nur Buffy noch eine Woche
länger als geplant
dort oben halten…ist dir auch aufgefallen, he?...Ja sie hat
es mir selbst
gesagt, dass sie ihn liebt…Vielleicht?...Ich bin fast
sicher…Okay. Dir
auch…Bye.“
„Buffy ist bei William?“ hörte er
Liam sagen.
Langsam drehte sich sein Vater zu ihm um. „Ja. Sie
brauchte ein paar Tage
Erholung und mir fällt kein besserer Platz zum Entspannen ein
als dort am
See.“ Eric wollte gerade den Raum verlassen, als Angel ihn
aufhielt. „Hat
Buffy dir wirklich gesagt, dass sie ihn liebt?“
Ohne seinen Sohn anzusehen sagte er: „Ja. Und sie
hatte das gleiche
Leuchten in den Augen wie Dru als sie mir sagte, dass sie William
lieben würde.
Bitte Liam, lass die beiden in Ruhe, falls sich da etwas entwickeln
sollte.
Bitte.“
„Wieso sollte ich! Hat mich bei Dru auch nicht
gestört, als sie mit
William verheiratet war. Weißt du eigentlich, dass ich sie
zwischendurch, wenn
Will auf Geschäftsreisen war, mir so richtig vorgenommen habe?
Ich habe sie so
durchgevögelt, dass sie nicht mehr ihren eigenen Namen wusste.
Wir haben sogar
nach Michelles Geburt heimlich einen Vaterschaftstest machen lassen,
weil sie
unbedingt wissen wollte, ob es meins oder Williams Kind war. Als sich
dann
herausstellte, dass es seine Tochter war, hat sie jeglichen Kontakt mit
mir
abgebrochen.“
Eric drehte sich wutschnaubend um. „Ich kann es
nicht glauben, dass du die
Frucht meiner Lenden bist. Ich möchte, dass du deine Koffer
packst und aus
diesem Haus verschwindest. Die Kanzlei kannst du dir auch von der Backe
putzen.
Ich bin echt froh, dass zwischen uns noch nichts unterschrieben worden
ist. Wenn
Will sich entscheiden sollte, wieder zurück nach Sunnydale zu
kommen, dann wird
er sie übernehmen und damit du es weißt, sobald du
diese Tür hinter dir
verschlossen hast, habe ich nur noch einen Sohn.“