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Prolog:

 

Sunnydale Spätsommer 2002

 

„Daddy!“

„Daddy, los aufstehen. Ich hab mit Mami zusammen Frühstück für dich gemacht.“ Michelle hüpfte aufgeregt auf dem elterlichen Bett auf und ab. Es war ein sonniger Samstagmorgen und die Luft war voller Blütenduft erfüllt.

William Blackwood dreht sich langsam auf den Rücken, öffnete die Augen und sah seine hyperventilierende Tochter verschlafen an. „Mäuschen, könntest du vielleicht mit dem Gehopse aufhören. Da werde ich ja seekrank.“

Sie ließ sich neben ihn auf Bett fallen und legte ihre Arme um seinen Hals. „Happy Birthday, Daddy!“ sagte sie und gab ihm ein Küsschen.

„Danke, Krümel! Hattest du etwas von Frühstück gesagt?“ sagte er und setzte sich auf die Bettkante. Michelle hüfte vom Bett, rannte zur Tür und zog seinen royalblauen Satinmorgenmantel vom Bügel. Nachdem sie das Bündel vom Boden aufgehoben hatte, brachte sie es zu ihren Vater.

William, oder Spike wie er von Freunden genannt wurde, nahm ihr ihn ab und zog ihn an. Er verschwand kurz im Bad um sich schnell zu duschen. Michelle rannte währenddessen schon wieder herunter in die Küche zu ihrer Mutter.

Dru stand mit dem Telefonhörer in der Hand am Fenster und sah aufs Meer hinaus. „Darla, ich weiß nicht was ich machen soll. So kann das nicht weitergehen. Es muss sich was ändern. Ich werde es ihm heute sagen.“ sagte Dru zu ihrer besten Freundin. Als sie hörte, dass Spike die Treppe herunter kam sagte sie: „Ich muss Schluss machen, ich ruf dich nachher noch mal an, okay?“ Mit diesen Worten legte sie auf, gerade als er in die Küche kam. „Guten Morgen, Liebes! Hast du gut geschlafen?“, sagte er, kam zu ihr herüber und gab ihr einen Kuss. „Happy Birthday, Liebster. Ja, ich hab gut geschlafen. Kein Wunder nach der letzten Nacht.“ flüsterte sie in sein Ohr, bevor sie an dem Ohrläppchen knabberte.

„Bäh!“ hörten sie Michelle.  William und Dru sahen sich an und mussten lachen.

Spike hockte sich vor seine Tochter und sah sie an. „Wenn du mal älter, bist findest du das nicht mehr so ekelig.“

„Ich lutsche doch keinem an den Ohren herum, das schmeckt doch überhaupt nicht.“ erwiderte das kleine vierjährige Mädchen und schüttete ihre dunkelbraunen Locken.

„Okay! Dann lass uns mal frühstücken und danach….“  Er wurde durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. Er nahm ab. „Blackwood.“

Dru sah zu ihm herüber und sah, wie sich sein Gesichtsausdruck mit einem Mal veränderte.

„Probleme? Was für Probleme?...Kann Angel…Nein…Ich bin in einer Stunde da…Okay…Mach ich, danke Harmony.“ Er legte auf und setzte sich an den wunderschön gedeckten Frühstückstisch.

„Wer war das, Will?“ fragte Drusilla misstrauisch.

Spike holte tief Luft, denn er konnte sich schon denken, was folgen würde. „Das war Harmony. Es gibt irgendwelche Probleme und Dad möchte gern, dass ich ins Büro komme.“

„Aha, und Angel kann da nichts machen? Du hast dir heute extra frei genommen, damit du den Tag mal mit deiner Tochter verbringst. Sie hat sich die ganze Woche schon darauf gefreut.“ schnauzte Drusilla sofort los. „Seit ein paar Monaten geht das jetzt schon so, selbst Sonntags bist du im Büro. Michelle hat doch gar nichts mehr von dir, denn wenn du nach Hause kommst, ist sie meistens schon im Bett.“

William holte tief Luft und als er gerade etwas sagen wollte, schnitt seine Frau ihm das Wort ab. „Denkst du eigentlich, dass ich blöd bin, Will? Du hast doch ein Verhältnis mit dieser blonden Schlampe, dieser Betty oder wie die heißt.“

„Das ist nicht dein Ernst, oder? Ich arbeite mit Miss Summers zusammen, weil wir die Kanzleifusion so schnell wie möglich unter Dach und Fach haben wollen. Ich habe kein Verhältnis mit ihr, ich liebe nur dich.“ verteidigte er sich und warf die Serviette auf den Tisch.

Spike war aufgestanden, um seine Tochter beobachten. Michelle war zum Glück nicht mehr in der Küche. Sie spielte im Garten und versuchte, einen Schmetterling zu fangen.

„Dann vögelst du eben deine Sekretärin! Die schwärmt doch auf jeder Betriebsfeier davon, was für ein Hengst du im Bett bist“, giftete Dru weiter. „Gib es doch zu.“

Will legte den Kopf in den Nacken und verdrehte die Augen. Er liebte seine Frau über alles, aber manchmal trieb ihn ihre Eifersucht in den Wahnsinn. „Mein Gott Dru, lass es doch. Du weißt, dass ich vor unsere Hochzeit mit ihr für ein paar Wochen zusammen war. Das ist schon lange vorbei.“

„Sicher! Deswegen ist es auch immer sie, die hier anruft. Kannst du nicht mit Angel die Sekretärinnen tauschen?“ forderte Dru eindringlich.

„Ich muss jetzt los. Wir reden heut Abend darüber, okay?“ wechselte er schnell das Thema und ging in den Garten zu Michelle. Diese kam auf ihn zugelaufen und er nahm sie auf den Arm und sah in ihre saphirblauen Augen.

„Daddy? Musst du wieder ins Büro?“ fragte ihn seine Tochter traurig.

„Ja, Spätzchen. Doch ich verspreche, morgen gehen wir in den Zoo, großes Indianerehrenwort“, sagte er und Michelle schlang ihre Arme um seinen Hals. „Ich hab dich lieb, Daddy“, sie gab ihn ein Küsschen auf die Wange und eins auf den Mund. „Der erste Kuss ist für Opa. Versprich mir, dass du ihn ihm gibst, ja?“

„Wird gemacht, Prinzessin. Bis heut Abend.“  Er drehte sich um und ging ins Haus zurück, ging an seiner Frau vorbei und nahm sich die Autoschlüssel. Bevor er die Haustür öffnete, drehte er sich zu Dru um. „Wir reden nachher.“

Sie nickte und er verließ das Haus.

*****

Als er im Büro ankam, waren alle schon da.

Rupert Giles, mit dessen Kanzlei sie fusionieren wollten, Buffy Summers, seine Stellvertreterin und Stieftochter, sein Halbruder Liam, den sie alle nur Angel nannten und natürlich Eric, sein Vater.

„Guten Morgen, ich hoffe, es ist was wichtiges. Ich hatte eigentlich heute was anderes vor.“ platzte er sofort heraus.

„Guten Morgen, William. Ich habe die Befürchtung, dass es sehr wichtig ist. So wie es aussieht gibt es ein paar Probleme bei der Fusion, die Rupert mit dir besprechen möchte.“ antwortete ihm sein Vater.

Angel stand von seinem Sessel auf. „Dann kann ich ja gehen, oder?“ sagte er und war im Begriff aufzustehen, als sein Vater ihn aufhielt. „Das würde dir so passen, Liam. Du bleibst schön hier und arbeitest die Akten der Firma Giles weiter durch. Schließlich ist heut Samstag und in dieser Firma wir auch samstags gearbeitet, das müsstest du eigentlich wissen, mein Sohn.“

„Ja, dann wollen wir mal anfangen“, sagte Rupert. „Buffy, besprich du doch alles mit Eric und Liam, während ich mich mit William unterhalte.“

 

Nach Fünf Stunden:

  Das Telefon klinge und William nahm den Hörer ab.

„Harmony! Ich hab doch gesagt, dass wir nicht gestört werden wollen“, sagte er etwas angesäuert, blieb aber dennoch freundlich.

„Ich weiß Boss, doch hier sind zwei Polizisten, die sehr gern mit ihnen sprechen würden. Sie sagten, es wäre sehr wichtig.“ erklang Harmonys Stimme.

„Okay, sag ihnen, dass sie einen Moment warten sollen, ich bin gleich für sie da.“

Liam schaute von der Akte, die er gerate studierte, auf und sah ihn an. „Ist was passiert?“ fragte er. „Du siehst auf einmal so blass aus.“

„Zwei Polizisten stehen draußen und sie sagten, es wäre etwas wichtiges“, erwiderte Spike und überlegte, was so wichtig sein konnte, dabei starrte er vor sich hin.

„Nun ja“, ertönte Eric Stimme. „Wir haben ja eine Menge geschafft und das Problem ist so gut wie gelöst. Ich schlage vor, Buffy und Rupert kommen heut Abend zu mir zum Essen und wir besprechen dann alles weitere, okay? Sagen wir um 19.00 Uhr. Ihr beiden kommt dann auch und bring meinen kleinen Sonnenschein mit, Will.“

Liam nickte und sah besorgt zu seinem Halbbruder hinüber. Sie verstanden sich zwar nicht so gut, aber irgendetwas sagte ihm, dass etwas Schreckliches passiert sein musste.

„Okay Dad. Ich denke, Will und ich werden da sein“, sagte Liam.

Buffy kam zu Spike herüber und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich hoffe es ist nichts Schlimmes.“ Dann nahm sie sich ihren Aktenkoffer und verließ zusammen mit Rupert das Büro.

„Will, soll ich noch da bleiben?“ fragte Eric besorgt.

William sah ihn an und schüttelte den Kopf. „Dad, fahr du doch schon mal nach Haus. Wir rufen dich an, wenn wir genaueres wissen“, sagte Angel an Stelle von Spike.

Eric nickte nur und Liam begleitete ihn zur Tür.

Als die Tür sich hinter ihm verschloss, drehte er sich zu seinem Bruder um und sah, wie er rückwärts in seinen Sessel fiel. „Es ist etwas mit Dru und der kleinen passiert! Ich kann es fühlen.“ sagte er leise. „Da stimmt etwas nicht, Angel. Ich hab Angst.“

Die Tür öffnete sich einen Spalt und Harmony steckte den Kopf hindurch. „Können die Herren von der Polizei nun eintreten?“

„Sicher“, sagte Liam. „Kommen sie meine Herren.“ Er führte die beiden Polizisten in Williams Büro.

Dieser stand auf und begrüßte sie ruhig, obwohl er sehr nervös war. „Was kann ich für sie tun, meine Sekretärin erwähnte, dass es wichtig sei.“ In Spikes Stimme konnte man Angst und Verzweifelung hören.

„Es gab einen Unfall auf dem Highway. Ein LKW ist frontal in ein paar Autos gerast…Mr. Blackwood?“

William, der vorher noch vor seinem Schreibtisch stand, fiel auf seine Knie.

„Ihre Frau…“

„Was ist mit ihr…Oh, Gott. Ich hoffe es geht ihr gut. Was ist mit meinem kleinen Engel?“ sagte er völlig aufgelöst.

Der eine Polizist ging neben ihm in die Hocke und legte eine Hand auf seine Schulter. „Für ihre Frau kam jede Hilfe zu spät“, sagte er ruhig. „Es tut mir leid, ihnen dies zu sagen.“

„NEIN, DAS KANN NICHT SEIN. DAS WAR NICHT MEINE FRAU“, schrie er. Er versuchte krampfhaft, nicht zu weinen.

Fünf Minuten saß er nur auf den Boden und starrte auf seine zitternden Hände. Dann sagte er etwas ruhiger. „Und was ist mit meiner Tochter?“

„Sie lebt! Aber sie hat schwere Verletzungen erlitten. Sie wurde mit dem Hubschrauber ins Sunnydale General geflogen.“

„Ich muss sofort zu ihr, sie braucht mich.“ Er griff aufgeregt nach seinem Jackett.

„Ich lasse dich nicht selber fahren“, sagte Angel plötzlich. „Ich fahre dich zum Krankenhaus.“

William sah ihn ungläubig an, nickte dann aber und rannte aus dem Büro.

Sein Bruder drehte sich zu den Polizisten um und bedankte sich „Sie finden ja sicher allein raus!“

Die beiden nickten.

„Harmony!“ sagte er im vorbeigehen.  „Sagen sie alle Termine für diese Woche für meinen Bruder ab.“

„Was ist denn passiert?“ wollte sie noch wissen. Doch dann hörte sie Spike rufen und Angel machte sich auf den Weg zu ihm. Dann bekam sie nur noch mit, wie die Fahrstuhltür sich hinter den Brüdern schloss.

*****

William stand unter Schock. Er ließ keine Gefühle in dem Moment zu. Er sagte kein Wort, obwohl sein Bruder ihm die ganze Zeit irgendetwas fragte, er nahm nichts wahr. Die Fahrt zum Krankenhaus erschien ihm wie eine Ewigkeit. Als sie endlich das Sunnydale General erreichten, stieg er so schnell wie möglich aus und rannte hinein.

Er ging zum Empfang und das einzigste, was er herausbrachte, war „Wo ist meine Tochter?“

„Wie heißt Ihre Tochter denn, Sir?“ fragte die Schwester.

„Wo kann ich sie finden?“ stammelte er.

„Wenn Sie mir nicht sagen wie sie heißt, kann ich Ihnen leider nicht helfen!“ sagte die Schwester ruhig, sie konnte sehen, dass er unter Schock stand.

„ANGEL!!“  schrie William auf einmal

Dieser kam angerannt und sagte ihm, dass er sich erst einmal hinsetzten sollte, er würde schon herausfinden, wo sich Michelle befand.

William setzte sich auf einen Stuhl und sah zuerst auf den Boden, und plötzlich sagte er etwas, was Angel nie vermutet hätte.

„Angel, bitte hilf mir.“ Den Ausdruck in den Augen seines Bruders hatte er noch nie zuvor gesehen.

Angel lächelte und wandte sich dann der Schwester zu.

„Endschuldigen Sie, mein Bruder steht ziemlich unter Schock. Könnten Sie mir denn sagen, wo wir Michelle Blackwood finden können?“

„Einen kleinen Moment, ich schaue mal eben nach.“ Dann blätterte sie in ihren Unterlagen herum.

„Oh, das ist das kleine Mädchen von dem Unfall vom Highway, nicht wahr? Da muss ich eben den Arzt ausrufen lassen, der wollte mit den Angehörigen sprechen.“ sagte die Schwester aufregt.

**Oh, Scheiße**, dachte Liam. **Das hört sich aber nicht gut an**

„Okay, wir warten!“ sagte er dann und ging zu seinem Bruder hinüber, setzte sich neben ihn und legte einen Arm um ihn. „Will?“ sagte er vorsichtig. „Der Arzt möchte mit dir sprechen. Warum und was mit Michelle ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.“

Er schaute Angel mit großen Augen an, sagte aber nichts, sondern nickte nur.

Nach einigen langen Minuten kam endlich der Arzt zu ihnen. Spike stand wackelig auf und Angel versuchte, ihn so gut es ging festzuhalten, damit er nicht zusammen klappte.

„Mr. Blackwood?“

Er starrte den Arzt an und nickte.

„Wie geht es meiner Tochter, Doc?“ fragte er leise

„Ihre Tochter lebt, doch es gab einige Komplikationen. Es steht nicht gut um sie. Eine Rippe hat einen Lungenflügel durchbohrt und die Milz beschädigt und ob das Gehirn durch die Quetschungen am Kopf im Mitleidenschaft gezogen worden ist, können wir nicht sagen.“

„Wollen sie mir sagen, dass meine Tochter sterben wird?“ fragte er leise. Es war fast ein flüstern.

„Es tut mir leid, aber wir können nichts mehr für sie tun.“ sagte der Arzt.

William hielt sich am Arm seines Bruders fest und sah den Arzt an. „Wie lange, glauben sie, wird sie noch leben?“

„Sie wird die Nacht wohlmöglich nicht überstehen!“ sagte der Arzt. „Es tut mir wirklich leid.“

Er sah ihn an und Tränen schimmerten in seinen Augen. „Kann ich sie sehen?“

„Aber natürlich, kommen Sie.“

William drehte sich zu Angel um, sah ihn an. Dieser nahm ihn in den Arm.

„Liam, würdest du Dad anrufen?“

„Sicher, kann ich noch etwas für dich tun?“ fragte er und drückte seinen Bruder an sich.

„Nein, im Moment möchte ich nur noch einmal meine Tochter sehen.“ sagte William, löste sich von Angel und folgte dem Arzt auf die Intensivstation.

 

Als er durch die Tür ging und seine kleine Prinzessin dort liegen sah, mit den ganzen Maschinen und den Schläuchen, die aus ihrem Körper ragten, konnte er sich nicht mehr zusammenreißen. Er sank vor dem Bett auf die Knie und schrie und weinte.

Zwei Schwestern und ein Arzt eilten herbei. Sie halfen ihm sich auf einen Stuhl zu setzten. Der Arzt zog eine Spritze auf. Während er das Beruhigungsmittel in Williams Arm spritzte sagte er noch, dass alles wieder gut werden würde.

Hatte dieser Arzt überhaupt eine Ahnung von dem, was ihm zugestoßen war? Seine Frau war tot und seine Tochter würde die Nacht nicht überstehen. Wie konnte er dann behaupten, dass alles wieder gut werden würde?

Er zog den Stuhl näher an ihr Bett, nahm ihre kleine Hand ihn seine und ließ sie spüren, dass er da war. „ Ich liebe dich, Krümel. Ich hoffe, du und Mami werdet dort glücklich, wo ihr hingehen werdet. Ich werde immer an euch denken“. Er hielt einen Moment inne. „Michelle! Schatz! Mach bitte noch einmal die Augen auf. Nur einmal, nur für Daddy. Ich will seine wunderschönen Augen noch ein letztes Mal sehen“ sagte er und weinte bitterlich.

Dass die Tür sich öffnete und Angel hereinkam, merkte er gar nicht. Er hatte den Kopf auf dem Bett liegen und schluchzte und weinte.

„Will?“ fragte Angel, „Willst du nicht Drus Eltern Bescheid geben? Die müssen es schließlich auch wissen, ich bleib so lange bei ihr. Okay?“

„Ich denke, du hast Recht, sie müssen schließlich aus England einreisen.“ Mit diesen Worten ging William und rief seine Schwiegereltern an.

*****

Eine Stunde später.

Dru´s Eltern waren am Boden zerstört und gaben ihm die Schuld, weil er ihr kleines Mädchen mit nach Amerika genommen hatte.

Sein Vater konnte es gar nicht fassen und wollte zuerst gar nicht ins Krankenhaus kommen, was er dann doch tat, aber nur, weil Angel meinte, dass William ihm bräuchte.

Sie standen alle um das Bett der kleinen Michelle, als diese ihren letzten Atemzug machte.

William beugte sich zu ihr herunter und flüsterte ihr noch etwas zu. „Schlaf süß mein kleiner Engel und grüß Mami von mir. Sag ihr, dass ich sie immer geliebt habe und es immer tun werde.“ Er gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn, bevor er vor dem Bett zusammenbrach und schrie und weinte.

Kapitel 2

Frühling 2003

Eine kleine Blockhütte am See war seit fünf Monaten sein Zuhause. Dort hatte er seine Ruhe, ihn belästigte nichts und Niemand.

Spike stand vor der Hütte am Ufer des großen Sees, der sich dahinter befand und schaute aufs Wasser hinaus. Der Vollmond, der über ihn schien, ließ das Wasser in der Dunkelheit glitzern.

Mit einem tiefen Seufzer griff er in seine Jackentasche und holte eine Schachtel heraus. Er nahm sich eine Zigarette daraus und steckte sie sich zwischen die Lippen. Das Geräusch seines Zippos erklang durch den nächtlichen Wald.

Er dachte über seine Vergangenheit nach. An die Zeit, in der er noch nicht jeden Tag so vor sich hin gelebt hatte, als ob es keine Hoffnung mehr für ihn geben würde, wo nicht jeden Tag sein Vater und Bruder anriefen und fragten, wann er denn gedenken würde, nach Hause zu kommen, wo ihn alle vermissen würden. Es war ihm alles egal, er hatte keinen Grund mehr, sich auf das Leben zu freuen. Ihm wurde alles genommen, was ihm wichtig war in seinem noch sehr jungen Leben.

Genau fünf Monate war es jetzt her, als Drusilla und Michelle bei dem Autounfall gestorben waren.

Die Beerdigung war für ihn der schlimmste Tag in seinem Leben. Denn dort wurde ihm richtig bewusst, dass er sie nie wieder sehen würde, niemals. Was sollte er denn nur ohne sie machen? Hatte das Leben überhaupt noch einen Sinn?

Viele Menschen waren da, um den Beiden das letzte Geleit zu geben . Alle Anwälte der Kanzlei, viele der Nachbarn, selbst Rupert Giles und Buffy Summers waren gekommen.

Doch er hatte keine Menschenseele wahrgenommen. Ihm war es egal, wie viele Leute gekommen waren. Er wollte einfach nur seine Ruhe. Doch der Ärger begann erst.

Denn Drus Eltern wollten, dass Drusilla und Michelle in England beerdigt wurden, doch das ließ er nicht zu. Sie war seine Frau und er wollte, dass sie in Sunnydale blieb, wo sie glücklich gewesen war.

Widerwillig gaben sie nach. Sagten ihm aber, dass er sich nicht einbilden sollte, sie noch einmal anzurufen, er wäre nicht mehr ihr Schwiegersohn.

Dru war mit achtzehn von Zuhause abgehauen und zu William in die USA geflogen, der ein Jahr zuvor mit seiner ganzen Familie dorthin gezogen war. Ihre Liebe war einfach zu groß, als dass sie ohne einander leben konnten. Das allein war schon ein Grund für ihre Eltern, ihn zu hassen, obwohl er eigentlich nichts dafür konnte.

Er erinnerte sich daran, wie sie auf einmal vor seiner Tür stand, mit ihrem kleinen Koffer in der Hand und ihm um den Hals fiel.

Er konnte ihr Gesicht noch vor sich sehen, als er ihr vor vier Jahren einen Heiratsantrag gemacht hatte und sie mit Tränen in den Augen „Ja“ sagte.

Vor drei Jahren hatten sie dann endlich geheiratet und in der Hochzeitsnacht sagte sie ihm, dass sie schwanger wäre. Dies war wirklich der schönste Tag in seinem ganzen Leben.

Doch innerhalb von ein paar Stunden hatte sich sein ganzes Leben verändert.

******

Ein Hupen riss ihn aus seinen Gedanken. Er stand immer noch am Ufer des Sees. Die Zigarette, die er sich angesteckt hatte, war verglüht. Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, drehte sich um und sah das Auto seines besten Freundes Xander. Der kam immer Freitags, brachte ihm Lebensmittel und alles andere, was er sonst noch so brauchte.

Xander stieg aus und ging zu Spike herüber.

„Hi, Alter“, sagte er und schlug ihm auf die Schulter. „Wie geht es dir?“

Spike holte tief Luft und sah ihn ungläubig an. „Xan, was willst du? Heut ist doch erst Mittwoch. Du bist zwei Tage zu früh.“

„Ich weiß. Dein Vater rief mich heut Morgen an. Ich soll dich abholen und mit in die Stadt nehmen. Es geht um irgendwelche Probleme bei irgendeiner Fusion mit einer anderen Kanzlei, hab keine Ahnung davon.“ erwiderte Xander sichtlich verwirrt.

„Ich komm nicht mit. Können die denn nichts allein machen. Die wissen ganz genau, warum ich hier oben bin. Ich will von dem ganzen Scheiß nichts mehr wissen, wann kapieren die das endlich?“ motzte William drauf los.

„Dein Vater sagte, dass ohne deine Unterschrift die Fusion nicht rechtskräftig wäre und das dieses Anliegen seit…seit dem Tag vor …fünf Monaten…auf Eis liegt.“ stotterte Xander.

Spikes Blick wanderte über das Wasser, dann sah er zu den Sternen hinauf und seufzte. „Wenn du mir versprichst, mich nach der Vertragsunterzeichnung sofort wieder hierhin zubringen, dann komme ich mit, okay?“ sagte er ganz ruhig.

Ohne ein weiteres Wort ging er in die Hütte. Dort holte er seine alte braune Lederjacke, schloss die Hütte ab und stieg zu Xander ins Auto. Sie fuhren über Umwege zurück nach Sunnydale, weil Xander nicht über den Highway fahren wollte, wo damals der Unfall geschah.

******

Xander bog in die Einfahrt zur Villa, als Spike plötzlich auf seinem Sitz hin und her rutschte. Er war sichtlich nervös. Immerhin hatte er seit über drei Monaten nicht mehr persönlich von Angesicht mit seiner Familie gesprochen. Am Anfang waren sie öfter mal vorbeigekommen und hatten versucht, ihn davon zu überzeugen, dass es nichts bringen würde, sich zu verkriechen. Doch nach vier Wochen hatten sie aufgegeben, da William doch ein richtiger Dickkopf war. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog er das auch durch.

Als der Wagen anhielt, saß William wie angewurzelt auf dem Beifahrersitz.

„Spike? Wir sind da. Willst du nicht aussteigen?“ fragte ihn Xander.

„Ich hab irgendwie Angst. Ich muss doch unmöglich aussehen. Ich habe mich seit drei Tagen nicht mehr rasiert und meine Haare sind auch viel zu lang.“ versuchte er sich herauszureden.

„Mein Gott! Du gehst doch nicht zu einem Schönheitswettbewerb. Dein Vater will doch nur ein oder zwei Unterschriften von dir.“ sagte Xander und stieg aus.

William holte tief Luft, öffnete seine Tür und stieg ebenfalls aus dem Auto. Er ging die fünf Stufen zur Eingangstür hinauf und betätigte die Klingel.

Lili, die fast sechzigjährige Haushälterin öffnete die Tür und konnte nicht glauben, wer da vor ihr stand. „William, bist du es wirklich? Schön dich zu sehen.“ sprudelte es aus ihr heraus. Am liebsten hätte sie ihn umarmt. Er war schon seit dem Tag, als sie bei den Blackwoods angefangen hatte, ihr Liebling gewesen.

„Hallo Lili, ist mein Vater da?“ sagte Spike.

„Er ist in seinem Arbeitszimmer, ich werde zu ihm gehen und…“ Sie hatte sich gerade umgedreht, als er sie unterbrach.

„Nicht nötig, ich gehe selbst, ich weiß ja schließlich wo es ist.“ sagte Spike

Er ging langsam den langen Flur entlang und schaute sich die Bilder an, die an der Wand hingen. Vor einem blieb er stehen. Er hob seine Hand und strich mit seinem Finger über das Glas.

Es war ein Bild, auf dem seine kleine Familie abgebildet war. Es wurde einen Monat vor dem Unfall gemacht. Seine Augen füllten sich mit Tränen, als Eric aus seinem Arbeitszimmer kam. Er schaute auf und konnte seinen Augen nicht trauen.

„William?“ sagte er ungläubig. „Hat Xander es tatsächlich geschafft, dich nach Hause zu holen?“

„Hallo Dad“, sagte er und wischte sich die Tränen aus den Augen. „Ich bleibe nur solange, bis die Verträge unterschrieben sind und dann hau ich wieder ab.“

„Das ist deine Sache, doch ich hoffe, du überlegst dir das noch mal. Du fehlst uns, ob nun hier oder in Büro.“ sagte Eric. „Geh erst einmal und lege dich hin, morgen früh sehen wir dann weiter. Okay?“  Er wollte ihn in den Arm nehmen, doch Spike wich zurück.

„Okay Dad, gute Nacht!“ sagte Spike und wollte sich gerade umdrehen, als eine junge Frau aus dem Arbeitszimmer kam.

„Wir gehen dann morgen die letzten Punkte durch. Ich komme dann gegen 13.00 Uhr ins Büro, ist das okay, Liam?“ sagte sie und da sie nach hinten sah, stieß sie mit Spike zusammen, der wie angewurzelt stehen geblieben war.

„Mr. Blackwood? Ich hätte sie fast nicht wieder erkannt, ohne ihre gebleichten Haare.“ Sie starrte in seine stahlblauen Augen. „Wie geht es ihnen?“

Spike antwortete nicht, sondern sah sie nur verwundert an. „Ahm ich….ich muss jetzt gehen.“ sagte sie und senkte ihren Blick. „Liam, wir sehen uns morgen!“

„Okay, Buffy. Bis morgen dann.“ hörte man Angel sagen. Er befand sich immer noch im Arbeitszimmer.

„Es war schön, sie wiederzusehen, Mr. Blackwood“ sagte sie noch zu Spike bevor sie sich umdrehte und ging. Dieser sah der jungen Frau immer noch hinterher, obwohl sie schon lange nicht mehr zu sehen war. „Das war Buffy Summers, oder?“ fragte er schließlich.

„Ja, sie leitet, wie du sicherlich noch weißt, Giles Kanzlei und arbeitet eng mit uns zusammen, Die Fusion steht kurz bevor. Das war doch schon vor fünf Monaten geplant, weißt du noch?“ sagte Liam, der nun hinter ihm stand. „Und außerdem ist sie ein heißer Feger, findest du nicht?“ fügte er noch flüsternd hinzu.

Beim letzten Satz schaute Spike seinen Bruder mit großen Augen an. „Heißt das, dass…du und sie…?“

„Nein, noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, oder?“ grinste Angel und hob andeutungsvoll die Augenbrauen.

„Was ist denn  mit Darla, oder deiner Sekretärin Cordy? Ich weiß ja nicht, welche im Moment angesagt ist.“ sagte er angewidert.

„Wieso soll man sich auf eine Frau versteifen, man wird am Ende ja doch nur enttäuscht. Aber wem sag ich das. Du bist ja derjenige, der mit einer Frau glücklich werden wollte. Schau dich doch jetzt mal an.“ verhöhnte Angel ihn.

„LIAM! Das reicht. Wir sind froh, dass William wieder hier ist. Du musst nicht sofort wieder mit deinen Feindseligkeiten anfangen.“ ging Eric dazwischen.

Spike wollte noch etwas darauf antworten, doch dann schluckte er seine Wut herunter. Er wollte alles so schnell wie möglich hinter sich bringen,  um dann wieder zu seiner Hütte am See zu kommen, wo er seinem Bruder nicht mehr ausgeliefert war.

Das Mitgefühl für William war sehr schnell verflogen, als Dru und Michelle beerdigt waren. Es war so, als ob jemand einen Schalter betätigt hatte. So nach dem Motto, nun sind die beiden unter der Erde, also kann ich ihn wieder triezen. Aber das war er ja gewohnt von ihm, doch er konnte es nicht mehr so gut verkraften wie früher.

Früher hatten die Wände gewackelt, wenn er und Liam sich gestritten hatten. Die Fäuste waren auch das ein oder andere Mal geflogen, doch das war lange her.

Langsam ging er die Treppe hinauf in sein altes Zimmer und legte sich aufs Bett. Seine Gedanken wanderten wieder zu seiner Frau und Tochter. Er konnte sie einfach nicht vergessen. Wie sollte er ein neues Leben anfangen, wenn er immer wieder an sie erinnert wurde? Er drehte sich auf die Seite und schlief unter Tränen ein.

******

Am nächsten Morgen wachte Spike auf und wusste im ersten Moment nicht, wo er war. Dann dämmerte ihm es. Es war in Sunnydale, in der Villa seines Vaters, um einige Papiere zu unterschreiben.

Er stand auf und ging zum Kleiderschrank hinüber. Als er ihn öffnete, sah er, dass sein Vater seine ganzen Anzüge aus seinem ehemaligen Haus geholt hatte. Er nahm einen anthrazitfarbenen Anzug heraus und legte ihn auf Bett. Spike verließ das Zimmer, um in dem angrenzenden Badezimmer sich zu rasieren und duschen.

Nachdem er geduscht hatte, zog er den Anzug an und ging hinunter, um mit seinem Vater zu reden, doch als er den Speiseraum betrat, saß Liam am Tisch und frühstückte.

„Morgen!“ sagte William leise.

„Morgen, Will. Ich wollte mich für gestern Abend entschuldigen, es tut mir leid. Ich hätte es nicht sagen sollen.“

„Es tut dir nicht leid. Du liebst es, mir weh zu tun. Also lassen wir das. Ich bin sowieso nicht lange hier, also lass mich einfach in Ruhe und gehe mir aus dem Weg, okay?“ erwiderte er.

„Kommst du mit ins Büro?“ fragte Angel, nachdem Spike sich hingesetzt hatte.

„Werde ich ja wohl müssen. Ihr BRAUCHT mich ja, sonst wäre ich bestimmt nicht hier.“ Spike sah seinen Bruder an.

Man konnte den Hass in Angels Augen sehen. Warum war William wieder hier und warum bestand Rupert Giles auf die Unterschrift von IHM? Da gab es noch ein, zwei Klauseln, die er absolut nicht verstand.

„Dann willst du nach Vertragsabschluss wieder in dein Asyl gehen? Dich weiter damit kaputt machen, indem du deiner Frau und Tochter nachweinst? Mann, Junge werde wach. Das Leben geht weiter…“ sagte Liam als Eric ins Zimmer trat.

„Fängt das schon am frühen Morgen an?“ murrte er.

„Ich wollte sowieso gerade gehen. Ich treffe mich heut Morgen noch mit Darla.“ sagte Angel, stand auf und ging zur Tür.

„Weiß deine Freundin von Buffy Summers? Oder von Cordy?  fragte Spike, ohne ihn anzusehen.

Angel sah ihn nur an und verließ den Raum, zog seinen Mantel an und machte sich auf den Weg in die Stadt.

„Was sollte denn das?“ Wesley sah seinen Jüngsten fragend an.

„Liam weiß schon, was ich damit meinte.“ sagte William und schüttete sich noch einen Kaffee ein. „Wie kannst du zusehen, wie er das Leben von drei Frauen zerstört?“

„Ich wusste von Darla und Cordelia, aber was Buffy Summers damit zu tun?“

William sah seinen Vater an und hob eine Augenbraue. „Sag jetzt nicht, dass dir noch nicht aufgefallen ist, dass er mehr will, als nur die Verträge mit ihr auszuarbeiten.“

Eric musste grinsen. „Dabei will Miss Summers garantiert nichts von ihm.“

„Wie meinst du das, Dad?“ fragte Spike neugierig.

„Sie interessiert sich nicht für deinen Bruder, das kannst du mir glauben. Sie arbeitet nun seit den ganzen fünf Monaten mit uns zusammen und sie behandelt ihn eigentlich so wie einen Geschäftspartner. Mit dir, das war etwas ganz anderes. In den drei Monaten, als du mit ihr zusammen gearbeitet hattest, wenn du sie ansprachst, dann wurde sie verlegen und konnte dir nicht in die Augen sehen.“ informierte er seinen jüngsten Sohn

Eric ging um den Tisch herum und legte Spike seine Hand auf die Schulter. „Sie hat sehr oft nach dir gefragt. Ich denke, sie mag dich.“ mit diesen Worten verließ auch sein Vater das Zimmer.

Spike dachte über den letzten Satz nach, stand langsam auf und folgte Eric ins Arbeitszimmer.

„Dad, ich werde heut Abend wieder fahren. Diese Stadt macht mich krank. Ich bin noch nicht bereit, mein Leben neu zu ordnen.“ flüsterte er. „Es tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen.“

„Rupert möchte, dass du seinen Teil der Firma zusammen mit Buffy leitest. Ich habe ihm gesagt, dass du dich vielleicht nicht darauf einlassen wirst. Er kommt heut Mittag vorbei und möchte mit dir reden, wenn es dir nichts ausmacht.“ Eric sah von seinen Papieren auf.

„Ich werde mal sehen, was man da machen kann. Ich werde aber nicht zurück in die Stadt kommen. Vielleicht gibt es ja eine andere Möglichkeit, es zu regeln. Liam kann vielleicht…“

„Rupert will nur dich…Liam wird meinen Teil der Kanzlei führen. Giles vertraut Liam nicht.“ unterbrach sein Vater ihn.

„Na dann. Schauen wir mal, was Rupert heut Mittag zu sagen hat. Du entschuldigst mich, ich wollte…zum…Friedhof…mal schauen ob alles in…Ordnung ist.“ stotterte Will. „Bis heut Mittag, Dad“

Mit diesem Worten drehte er sich um und verließ das Arbeitszimmer.

******

„BUFFY?“ rief Giles.

„KOMME!“ Sie rannte die Treppe so schnell sie konnte hinunter.

„Was möchtest du denn?“

„Möchtest du mit zu den Blackwoods zum Essen?“ fragte Rupert.

Sie schaute etwas traurig. „Ich kann leider nicht, ich treffe mich mit Liam um 13.00 in seinem Büro.“

„Ich habe gehört, dass William wieder da ist, also könnten wir den Rest mit ihm regeln, siehst du das nicht genauso?“ sagte Giles und kniff ein Auge zu. Denn er hatte bemerkt, wie seine Stieftochter den jüngsten Blackwood immer angesehen hatte.

„Ja, ich habe ihn gestern Abend kurz gesehen, sah nicht gerade gut aus.“ erwiderte sie schüchtern.

„Nun, kommst du nun mit?“ wiederholte Giles die Frage.

„Natürlich, ich rufe nur eben schnell Harmony an, damit sie Liam ausrichtet, dass ich nicht kommen kann. Er wird garantiert sauer sein.“ sagte Buffy mit einem Grinsen.

„Du magst ihn auch nicht, oder?“ Giles sah seiner Tochter in die Augen.

Buffy erwiderte seinen Blick. „Ich hasse ihn, schon alleine dafür,  was er vor einem Jahr getan hat.“

„Was war denn vor einem Jahr?“

Buffy räusperte sich. „Ach nichts wichtiges, ist ja auch egal. Ich mag Liam nicht. Lass uns fahren.“ *Dafür wird er eines Tages noch bezahlen* dachte sich Buffy

Sie schnappte sich ihren Mantel und zog Giles hinter sich her zu ihrem Auto.

Kapitel 3

Spike ging mit gesenktem Kopf über den Friedhof zum Grab seiner Frau und Tochter. Es waren nicht sehr viele andere Leute dort.

In seiner Hand hielt er einen Strauß weißer Rosen, Drus Lieblingsblumen. Langsam näherte er sich dem Grab, kniete sich hin und hob ein paar Blätter Laub auf, die dort lagen. Er legte die Blumen nieder und stand wieder auf. Er schaute auf den weißen Mamorstein  und die Tränen liefen ihm übers Gesicht. Mit gebrochener Stimme flüsterte er:

 „Hallo…Ich weiß, ich bin seit eurer Beerdigung nicht mehr hier gewesen…das tut mir leid, doch…ich kann…will…Gott, ist das hart! Ich kann euch nicht vergessen. Jeden Tag denke ich, warum musstet ihr auch auf dem Highway sein? Ich frage mich auch immer, wo du hinfahren wolltest, Dru? Wo, zum Teufel noch mal, wolltest du mit unserer Tochter hin? Das sind die Fragen, die ich mir immer stelle, doch ich bekomme keine Antworten und es wollen mir auch keine einfallen.“ Er stand noch eine ganze Weile dort und weinte.  „Ich muss jetzt los. Ich verspreche, dass ich noch mal vorbei komme, bevor ich wieder fahre. Ich liebe euch.“

Er hauchte einen Kuss auf den Stein und verließ den Friedhof. Als er gerade in sein Auto  steigen wollte, hörte er jemand seinen Namen rufen. „WILLIAM?“

„William, bist du das wirklich?“ fragte die blonde Frau.

Er drehte sich zu ihr um. „Hi Darla, was machst du denn hier? Ich dachte, Angel sei bei dir?“

„War er auch, doch er sagte, er hätte einen wichtigen Termin mit Miss Summers. Er war nur für ne schneller Nummer bei mir, wie immer eigentlich.“ antwortete Darla etwas traurig.

Sie war es schließlich von Angel gewöhnt, wie Dreck behandelt zu werden, doch sie liebte ihn über alles.

„Hast du Dru und die Kleine besucht?“ fragte sie. Als sie keine Antwort bekam, sprach sie weiter.  „Ich bin jeden Tag hier, schließlich war sie meine beste Freundin. Wie geht es dir eigentlich? Siehst nicht besonders gut aus!“

Spike holte tief Luft, seine Unterlippe zitterte etwas.

„Ich bin seit der Beerdigung nicht mehr hier gewesen“, sagte er leise, „Jede Nacht träume ich von ihnen. Ich versuche sie immer zu retten, doch es klappt nicht. Das schlimmste daran ist, ich konnte ihr noch nicht einmal mehr sagen wie sehr ich sie liebe. Wir haben uns den Morgen gestritten, weißt du! Das Letzte, was ich ihr sagte, war ein ` Wir reden heut Abend darüber´.“ Die Tränen liefen ihm wieder über die Wangen.

Darla ging auf ihn zu und nahm ihn in den Arm und flüsterte beruhigende Worte in sein Ohr. Sie wusste von dem Streit, denn Dru hatte sie sofort danach angerufen. Sie merkte, wie Spike sich langsam beruhigte und ließ ihn los.

„Geht es wieder? Soll ich dich nach Hause fahren?“ fragte sie besorgt.

Er sah sie mit verweinten Augen an und lächelte leicht.

„Nicht nötig, ich schaff das schon, ich habe die letzten fünf Monate die Hölle durchlebt, dann werde ich das auch noch durchstehen.“

Darla nickte, sagte ihm das alles wieder besser würde, er sollte nur etwas Geduld haben und ging.

Spike sah ihr noch hinterher und fragte sich, was solch eine Frau nur an seinem Bruder fand. Sie wusste doch, dass er sie betrog, oder?

Er seufzte, setzte sich in den Wagen und fuhr los.

Als Darla hörte, wie er den Wagen anließ, blieb sie stehen und drehte sich um. Sie wusste, wo Drusilla mit Michelle hinwollte. Sie wusste, warum sie an jenem Morgen diese Auseinandersetzung wirklich hatten.

Drusilla betrog Spike schon seit mehreren Monaten und an dem Tag wollte sie ihrem Liebhaber sagen, dass es aus wäre und wollte William alles beichten.

Doch dazu kam es ja nicht. Sollte sie es ihm vielleicht sagen? Würde es ihm dadurch besser gehen, wenn er wüsste, warum sie sich auf dem Highway befand? Würde er ihr überhaupt glauben? Sie wusste nicht, was sie tun sollte.

Als Spike an ihr vorbeifuhr winkte sie ihm noch einmal zu und stieg dann in ihr Auto.

  ******

  „Mr. Blackwood?“ ertönte die schräge Stimme von Harmony.

Angel war etwas angesäuert, weil es schon 13.20 Uhr war und Buffy sich nicht gemeldet hatte.

„Was gibt es denn?“ schnauzte er.

Kleinlaut gab Harmony Antwort. „Miss Summers hat angerufen und ihren Termin abgesagt, sie erwähnte irgendetwas von ihrem Bruder und einem Mittagessen bei ihrem Vater.“

„Und warum erfahre ich das erst jetzt? Ich war doch die ganze Zeit hier, oder?“ schrie Liam.

„Ich dachte, Sie und Miss Chase wollten nicht gestört werden?“ erwiderte Harmony.

Angel setzte sich in seinen Stuhl und rieb sich die Augen. „Entschuldigung, sie haben ja Recht. Habe ich sonst noch irgendwelche Termine?“

„Sie treffen sich in einer halben Stunde mit Mr. Wolfram zum Essen, oder haben Sie das vergessen...Es geht um den Fall…“

„Ich weiß, ich weiß…sonst noch was?“ funkte Angel dazwischen.

Harmony holte tief Luft und rollte mit den Augen. „Nein, das wäre es dann für heute.“

„Danke, sie können jetzt nach Hause gehen, machen sie den Nachmittag  frei und unternehmen sie etwas.“

„Danke, Mr. Blackwood,” jauchzte Harmony.

Angel lehnte sich in seinem Stuhl zurück und kochte vor Wut. Kaum war sein Bruder wieder in der Stadt, kümmerten sich alle nur um den armen kleinen Spike. Nun gut, er hatte seine Frau und Tochter verloren, aber war das ein Grund ihm in den Arsch zu kriechen?

Er sah auf die Uhr. Er hatte noch zwanzig Minuten, dann würde er sich zum Essen mit Bill treffen. Vielleicht war sein Bruder ja schon wieder weg, wenn er heut Abend nach Hause kommen würde.

  ******

Spike war völlig fertig und wollte eigentlich nur noch auf sein Zimmer. Er  hatte total vergessen, dass Rupert Giles zu Essen kommen wollte.

Als er die Haustür öffnete, kam sein Vater ihm schon entgegen. Eric sah ihn an, schüttelte mit dem Kopf und sagte leise zu ihm. „Geh nach oben und mach dich ein wenig frisch, danach komme bitte zum Essen herunter.“

„Dad?“, fragte Spike so leise, das sein Vater es fast nicht gehört hätte. „Muss ich denn wirklich dabei sein? Mir ist absolut nicht nach Gesellschaft. Das kann Liam doch alles machen.“

Wesley seufzte. „William, ich habe dir doch schon gesagt, dass Rupert nur mit dir arbeiten will. Übrigens ist Buffy auch hier.“ Er sah seinen Sohn an und erhoffte sich eine Reaktion von ihm, doch er wurde enttäuscht, Spike zeigte keine.

„Ich komme sofort, ich gehe nur mal eben ins Bad.“ sagte er und ging langsam die Treppe hinauf. Nachdem er sich ein wenig frisch gemacht hatte, setzte er sich aufs Bett und rief Xander an, um ihm zu sagen, dass er ihn um 17.00 Uhr abholen sollte. Nach dem Gespräch legte er auf und machte sich auf den Weg ins Esszimmer.

Eric stand zusammen mit Giles und Buffy vor dem Kamin und unterhielten sich, als er das Zimmer betrat. Buffy war die Erste, die ihn bemerkte. Sie sah ihn an und lächelte. Spike lächelte zurück und räusperte sich.

„Rupert, schön, sie wieder zu sehen.“ sagte er freundlich und ging auf den Mann zu.

„William, schön, dass sie es doch noch geschafft haben. Sie sind die wichtigste Person bei dem Geschäft. Ich hoffe, ihnen geht es gut?“ antwortete Giles.

„Es muss, mir ging es zwar schon mal besser, aber das soll nicht ihr Problem sein. Warum wollen sie eigentlich, dass ich ihren Teil der Kanzlei zusammen mit Miss Summers leite? Sie könnte es auch sehr gut alleine. Wenn ich mich recht erinnere, hat sie einen besseren Abschluss als ich.“ platzte es aus Spike heraus.

Giles sah Buffy an. „Das stimmt schon, aber sie traut sich nicht so recht, alles allein zu machen.“ Buffy schaute auf den Boden, denn sie spürte Williams Blick, der auf sie gerichtet war.

Spike sah von Giles herüber zu seinem Vater. „Es tut mir leid Rupert. Ich werde die Verträge unterschreiben, doch das Angebot, die Firma zu leiten, muss ich leider abschlagen.“

Nun war es Buffy, die dazu etwas sagte. „Schlagen sie es nicht sofort ab. Lassen sie sich die Zeit, um es noch mal in Erwägung zu ziehen. Es muss ja nicht sofort sein, wenn sie noch nicht dafür bereit sind. Ich denke, ihr Bruder kann mir erst einmal unter die Arme greifen und Giles und ihr Vater sind ja auch noch da.“

Eric sah, das Buffy mit allen Mitteln versuchte, den Blicken von Spike auszuweichen und musste leicht grinsen.

„Xander kommt in zwei Stunden und holt mich ab. Es wäre sehr nett, wenn ich bis dahin die Verträge unterschrieben hätte.“ sagte Spike und ging in keinster Weise auf das ein, was Buffy gesagt hatte.

„Sicher“, antwortete Buffy. „Aber nur unter einer Bedingung?“

„Und die wäre?“ fragte Spike neugierig.

„Sie überlegen es sich noch einmal mit der Geschäftsleitung.“

Spike sah ihr tief in die Augen. „O.K. Ich werde darüber nachdenken, Okay?“ Buffy stieg die Röte ins Gesicht und sie sah verschämt auf ihre Füße.

„Na dann lasst uns mal ins Arbeitszimmer gehen und die Formalitäten erledigen. Ich hoffe, sie haben noch nichts gegessen Rupert? Denn meine Köchin hat sich garantiert wieder selbst übertroffen und ihren berühmten Schweinebraten gemacht“, sagte Wesley und geleitete Buffy und Giles ins gegenüberliegende Zimmer.

Spike folgte ihnen und konnte seinen Blick nicht von Buffy nehmen. Sie war schon eine sehr gut aussehende junge Frau, das musste er sich eingestehen.

Spike unterschrieb die Verträge und dann gingen sie ins Esszimmer denn das Essen stand schon dampfend auf dem Tisch.

Auch beim Essen beobachtete er sie. Ihm fiel auf, dass immer wenn er sie ansah, sie schnell ihren Blick abwendete.

„William, haben sie eigentlich Internet in ihrer Hütte?“ wollte Rupert wissen.

„Einen Telefonanschluß ja, doch ich habe keinen Computer.“ sagte Spike und löste seinen Blick von Buffy. „Wieso fragen Sie?“

„Ich dachte, wenn sie nicht in der Stadt arbeiten wollen, könnten wir mit ihnen über das Netz in Kontakt bleiben. Wenn sie wollen, könnten sie von dort aus ihre Arbeit erledigen!“ Rupert sah ihn hoffnungsvoll an.

Spike dachte einen Moment über diesen Vorschlag nach. „Ich werde erst einmal zurückfahren. Ich werde ernsthaft darüber nachdenken.“

„Versprochen.“ erwiderte Giles.

Sie wollten gerade ins Wohnzimmer gehen, um dort die restlichen Sachen zu besprechen, als Liam hereinkam.

„Bist du immer noch hier? Ich dachte, du wärst endlich wieder in deinem Loch und grübelst vor dich hin“, fuhr er sofort seinen Bruder an.

Spike sah ihn an, „Keine Angst, meine Sachen sind schon gepackt und ich warte nur darauf, das Xander mich abholt.“

Er hatte den Satz noch nicht ganz ausgesprochen, als es klingelte.

Lili öffnete die Tür und ließ Xander eintreten. „Warte hier, ich hole schnell meine Sachen und dann können wir schnellstens hier verschwinden.“ rief Spike und rannte die Treppe hinauf.

Als er die Treppe wieder herunter kam, stand Buffy auf der untersten Stufe und sah ihn an. „Hier ist meine Telefonnummer. Wenn sie irgendetwas brauchen sollten, ich bin immer für sie da.“ Sie gab ihm ihre Karte und lächelte.

„Danke, ich melde mich auf alle Fälle noch bei ihnen, wenn ich es mir überlegt habe.“ Nun war es William, der rot wurde, weil Xander ihn so komisch ansah.

Buffy drehte sich um und ging wieder ins Wohnzimmer.

„Ich bin dann weg, Dad!“ rief Spike.

„Ja gute Fahrt. Ich hoffe, du kommst nicht so bald wieder.“ hörte er Angel rufen.

„Arschloch!“ sagte Xander leise, und verließ zusammen mit Spike die Villa.

Die ganze Fahrt über sagten beide kein Wort. Spike starrte aus dem Fenster. Er bemerkte nicht einmal, das Xander über den Highway fuhr.

„Kann ich noch irgendetwas für dich tun?“ fragte Xander, als er vor der Hütte anhielt.

Spike sah zu ihm auf. „Kannst du mir bis Freitag ein Notebook und Drucker besorgen?“

„Sicher, hast du dich entschieden, wieder zu arbeiten? Hat es irgendetwas mit der jungen Frau zu tun?“ wollte der neugierige Xander wissen.

Spike öffnete die Beifahrertür, holte seine Sporttasche aus dem Kofferraum, beugte sich dann noch einmal zum Fenster herunter, sah Xander an und sagte: “Vielleicht!“ und grinste. „Bis Freitag Xan.“

„Wurde auch Zeit.“ sagte Xander zu sich selbst, als er wendete und davonfuhr.

Nachdem Spike die Hütte betreten und seine Tasche abgestellt hatte, ging er in die Küche, um sich einen Cappuccino zu machen.

Er setzte sich an den Tisch und starrte aus dem Fenster. „Vielleicht gibt es doch noch etwas für das es sich  zu Leben lohnt.“ sagte er zu sich selbst, als er einen großen Schluck aus der Tasse nahm, die dampfend vor ihm stand.

Kapitel 4

Eine Woche später:

Buffy lehnte sich gerade über ihren Schreibtisch, als Liam das Büro betrat und  ihren Hintern betrachtete.

„Guten Morgen Buffy!“ sagte er charmant. „Wie ich sehe, hast du dich schon in deinem neuen Büro eingelebt. Ist alles zu deiner Zufriedenheit?“

„Guten Morgen. Und ja, es ist alles bestens. Willst du etwas Bestimmtes von mir, Liam? Ich habe nämlich eigentlich gar keine Zeit, denn ich treffe mich gleich mit deinem Vater zum Frühstück“, sagte Buffy ohne ihn anzusehen, denn sie betrachtete die Formulare, die sie in ihrer Hand hielt. Als er ihr keine Antwort gab, sah sie zu ihm auf. „Hallo! Hast du mir eigentlich zugehört?“, fragte sie noch mal nach.

„Ja, ich habe dir zugehört. Doch könntest DU mir einen Gefallen tun und mich Angel nennen?“ Er ging einen Schritt auf sie zu.

Buffy wich instinktiv einen Schritt zurück. „Ich werde DICH nicht Angel nennen. Wir sind Geschäftspartner, keine Freunde, verstanden?“

„Okay, das ist zwar nicht das, was ich erhofft hatte, aber vielleicht können wir ja irgendwann mal Freunde werden“, sagte er und zog dabei die Augenbrauen hoch. „Wir könnten heute Mittag essen gehen und uns besser kennen lernen. Was hältst du davon?“

Buffy ging um den Schreibtisch herum und nahm ihre Jacke und Handtasche. Als sie sich zu Angel umdrehte, lächelte sie ihn an. „Ich denke, das wäre keine so gute Idee. Ich möchte es doch lieber bei Geschäftspartner belassen, Liam.“ Mit diesen Worten ging sie an ihm vorbei und verließ ihr neues Büro. Während sie in Richtung Aufzug ging, lief es ihr eiskalt den Rücken herunter *Mir wird ja schon bei dem Gedanken schlecht, mit ihm befreundet zu sein* dachte sie und schüttelte sich.

Als die Tür hinter Buffy zugefallen war, konnte man förmlich sehen, wie die Wut in Angel wuchs. Wie konnte sie es wagen, ein Mittagessen mit ihm auszuschlagen. Er war es gewohnt, dass alle Frauen bei ihm schwach wurden, doch diese Summers war ein harter Brocken. Doch sie würde noch weich werden. „Das letzte Wort ist darüber noch nicht gesprochen, Miss Summers.“ sagte er laut vor sich hin, bevor auch er das Büro verließ.

Er entschloss sich, seinen Frust bei Darla auszulassen und ging.

  ******

  Als Buffy das Cafe´ betrat,  sah sie sich nach Eric um. Sie sah ihn in der hintersten Ecke sitzen und er winkte sie zu sich.

„Wollen sie, dass wir nicht gesehen werden oder warum sitzen sie in der hintersten Ecke?“ fragte Buffy mit einem Lächeln.

Eric erwiderte das Lächeln und bat sie, sich zu setzen. „Dies ist mein Lieblingsplatz. Hier habe ich mich immer mit Williams Mutter getroffen, wenn sie mich mal sehen wollte und zum Essen eingeladen hatte. Ich hatte damals wenig Zeit, als ich die Firma aufbaute und das war die einzigste Möglichkeit, mich überhaupt noch zu Gesicht zu bekommen. Aber jetzt mal was ganz anderes: Wie war es im Büro, haben sie alles erledigen können?“

„Fast. Mein Computer ist noch nicht da. Das wird auch wohlmöglich noch eine Woche oder länger dauern, doch ich konnte mich schon mal weiter umsehen. Es war doch so abgemacht, dass wir unsere Mitarbeiter mitnehmen können, oder? Denn ich will meine Sekretärin Willow nicht verlieren, sie ist die Beste.“ sprudelte es aus Buffy heraus. Sie mochte Eric und sie konnte es gar nicht glauben, dass er der Vater von solch einem Kotzbrocken wie Liam sein konnte.

Eric musste über ihren Wortschwall lachen. „Keine Angst, es wird keine Kündigungen geben. Und sie sollten sich vielleicht mal eine kleine Auszeit gönnen. Sie haben in den letzten acht Monaten sehr viel gearbeitet und sich eine kleine Erholung verdient.“

„Aber ich kann doch nicht jetzt Urlaub machen, es gibt doch noch so viel, was erledigt werden muss. Wer soll das denn alles machen? Nein, ich kann jetzt nicht aufhören....“ fing Buffy an.

„Miss Summers! Ich habe genug Anwälte, die ihre Klienten übernehmen könnten. Sie sind jetzt nicht mehr allein. Machen sie ein paar Tage frei und entspannen sie sich mal. Fahren sie zum Strand oder machen sie mit ihren Freundinnen einen Einkaufsbummel. Leben sie mal wieder“, unterbrach Wesley ihren Einspruch.

„Ich kann...nicht jetzt! Es ist noch so viel Arbeit...“ stammelte sie.

Eric sah sie ernst an und schlug leicht mit der Faust auf den Tisch. „Einspruch abgewiesen, sie werden zu 8 Tagen Urlaub verurteilt.“

Buffy lachte. „Nun dann werde ich meine Strafe wohl oder übel antreten müssen.“

Nachdem sie gegessen hatten, bestellte jeder von ihnen noch einen Kaffee. „Haben sie etwas von William gehört“, fragte Buffy vorsichtig.

„Er hat gestern angerufen, um mir zu sagen, dass Xander ihm morgen ein Notebook bringt. Hat er sie denn noch nicht angerufen?“

„Nein, ich denke, er will noch mehr Bedenkzeit als nur eine Woche. Es ist für ihn nicht gerade leicht, mit dem fertig zu werden, was ihm geschehen ist. Wenn ich könnte, würde ich ihm sehr gerne helfen.“ sagte Buffy und rührte unaufhörlich in ihrem Kaffee herum.

Eric überlegte einen Moment, sah dann Buffy an und legte den Kopf zur Seite. „Vielleicht hätte ich da eine Idee, wie sie ihm helfen könnten. Ich müsste dazu nur Xander anrufen.“

„Wie meinen sie das? Und was hat dieser Xander damit zu tun?“ fragte sie neugierig.

„Sehen sie, William hat dort kein Auto. Xander bringt einmal pro Woche Lebensmittel und andere Sachen zu ihm. Ich denke, wenn sie mitfahren und dort eine Woche mit ihm zusammen leben würden, könnte er seine Meinung ändern und sie hätten ihren wohlverdienten Urlaub, denn dort oben gibt es kein Fernsehen, kein Verkehr und keinen Job. Was halten sie davon?“ Wesley wartete gespannt auf ihre Antwort.

Buffys Verstand arbeitete auf Hochtouren. Sollte sie das Angebot annehmen? Vielleicht wäre dies endlich die Chance, William zu zeigen, dass sie mehr für ihn empfand oder sollte sie es nicht annehmen und sich damit abfinden, dass er nie ihre Gefühle erwidern würde?

„Okay, ich mach es, rufen sie Xander an, er soll mich morgen früh um 9.00 Uhr im Büro abholen. Ich muss dann aber jetzt los, ich habe noch einiges zu erledigen, wenn ich eine Woche Sunnydale verlasse.“ Sie stand auf, griff nach ihrer Tasche und wollte gerade gehen, als Eric sie am Handgelenk festhielt.

Buffy sah ihn erstaunt an.

„Sie lieben William, nicht wahr?“

Sie sah Eric nicht an, sondert starrte vor sich hin „Seit dem College, doch er hatte nur Augen für Dru. Ich habe immer gedacht, dass ich darüber hinweg kommen würde, doch die Zusammenarbeit mit ihm hat alles wieder aufgewühlt. Langsam richtete sie ihren Blick auf ihn. „Aber ich mache mir keine Hoffnungen... Bis bald Mr. Blackwood.“ Dann ging sie.

„Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass William endlich wieder anfängt, zu leben“, flüsterte Eric.

  ******

Am nächsten Morgen stand Buffy nervös vor der Kanzlei und wartete auf ihren Fahrer.

Auf die Minute genau hielt Xander vor ihr an, stieg aus und verstaute ihr Gepäck im Kofferraum. Dieser war schon mit allerhand Sachen voll gepackt. Lebensmittel, das Notebook, einen Drucker, Modem, Netzwerkkabel usw.

Sie stieg ein und kurze Zeit später fuhren sie los.

„Sie sind also diese mysteriöse Buffy, von der Mr. Blackwood mir erzählt hat?“ Xander studierte Buffy von Kopf bis Fuß. „Ich hoffe, sie können Spike wieder zum Leben erwecken.“

„Spike?“ fragte sie ungläubig.

„Ja! Das ist Williams Spitzname, wussten sie das nicht?“ fragte Xander zurück.

Buffy starrte den jungen Mann auf der Fahrerseite an. „So gut kenne ich ihn auch wieder nicht. Wir sind im College in die gleichen Vorlesungen gegangen, aber ansonsten habe ich vor acht Monaten das erste Mal richtig mit ihm gesprochen. Sie wissen von der Kanzleifusion?“ als Xander nickte, brabbelte sie weiter. „Deswegen haben wir zusammen gearbeitet und Giles möchte gerne, dass er zusammen mit mir die Leitung übernimmt. Ich werde in dieser einen Woche mein Bestes geben, um das zu erreichen. Bis jetzt habe ich immer alles bekommen, was ich wollte...“

„Können sie auch zwischen durch mal Luft holen? Sie reden ja wie ein Wasserfall, oder sind sie so nervös?“ ging Xander dazwischen und musste dabei lachen.

„Entschuldigung, ich rede immer so schnell und viel, wenn ich nervös oder aufgeregt bin. Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich hier überhaupt mache!“ sagte Buffy leise und schaute aus dem Seitenfenster.

 Xander drehte seinen Kopf zur Seite und beobachtete sie nur ein paar Sekunden, da er ja auf den Verkehr achten musste. „Sie brauchen vor Will keine Angst haben, der kann keiner Fliege was antun. Ich denke, auch er braucht etwas Abwechslung in seinem tristen Leben und wenn sie sich dazu bereit erklären, haben sie meinen Segen.“

Buffy nickte.. „Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir dort sind?“

„Höchstens eine Stunde.“ Xander fuhr vom Highway auf eine Landstrasse.

Buffy nickte abermals und starrte wieder aus dem Fenster. Was hatte sie bloß geritten, als sie sich bereit erklärte, ihren Urlaub bei William zu verbringen?

  ******

  Angel hatte große Pläne für den Abend. Nachdem er bei Darla war, war er in die Stadt zurückgefahren, hatte Champagner und Erdebeeren besorgt und sie ins Büro gebracht. Nachher würde er Buffy anrufen und sie unter einem Vorwand dorthin locken. Doch sein Vater hatte ihn angerufen und wollte, dass er noch etwas mit ihm besprechen wollte, also fuhr er auf dem schnellsten Weg zur elterlichen Villa.

Er betrat das Arbeitszimmer. „Hey Dad, du wolltest mit mir sprechen? Ist was passiert?“

Eric schaute seinen Ältesten an. „Nein, es ist nichts passiert. Ich habe hier ein paar Fälle von Miss Summers für dich. Ich möchte, dass du sie an unsere besten Leute verteilst.“ Er stand auf und übergab Liam die Akten. Danach setzte er sich wieder hinter seinen Tisch und arbeitete weiter am Computer.

Angel sah sich die Akten an, dann wanderte sein Blick zu seinem Vater und wieder zurück auf die Akten. „Kann Buffy nicht selbst die Akten unter ihren Leuten verteilen? Ich habe für so etwas eigentlich keine Zeit.“

„Stell dich nicht so an, deine Kollegin Cordelia wird doch garantiert mal ´ne halbe Stunde auf dich verzichten können. Buffy hat sich vorerst eine Woche Urlaub genommen. Deswegen sollst du ihre Fälle verteilen. Wo wir schon mal bei den Frauen sind, ich habe Darla vorhin in der Stadt getroffen, sie sagte mir, dass du heute Abend ein wichtiges Treffen hast und da sie so traurig aussah, habe ich sie zum Mittagessen eingeladen. Mit wem triffst du dich denn? Ist es geschäftlich oder wieder eine neue Frau?“ wollte Eric wissen.

Angel zuckte mit den Schultern. „Ich weiß zwar nicht, was es dich angeht, aber ich hatte eigentlich vor, Buffy anzurufen und sie zu fragen, ob wir uns im Büro treffen könnten. Da sind einige Dinge, die ich mit ihr klären möchte.“

„Da wirst du wohl kein Glück haben. Soweit ich weiß, ist sie gar nicht in der Stadt.“ Eric würde doch seinem Sohn nicht auf die Nase binden, dass Buffy auf dem Weg zu Spike war und außerdem konnte er sich bildlich vorstellen, was Liam mit Buffy besprechen wollte. „Also bleibst du auch zum Essen? Oder hast du sonst noch etwas vorgehabt?“ wollte er wissen.

Liam seufzte. „Wenn Buffy sowieso nicht in der Stadt ist, kann ich auch bleiben und mit euch essen.“

„Schön, ich sag noch eben Rosa Bescheid, dass du auch noch zum Essen bleibst.“ Eric stand von seinem Schreibtisch auf und verschwand aus dem Zimmer.

******

Xander hatte an diesem Tag wirklich kein Glück, denn sobald sie von dem Highway herunterfuhren, hatte er entweder Trecker oder Sonntagsfahrer vor sich, also brauchten sie noch ungefähr zwei Stunden, bis sie endlich gegen 11.30 Uhr an der Blockhütte ankamen.

Die Sonne brannte schon ganz schön, als Xander ausstieg und die Lebensmittel und Buffys Sachen aus dem Kofferraum holte. „Wir machen das am Besten so, das ich alles hierhin stelle und so schnell wie möglich wieder verschwinde, okay?“ fragte er Buffy die neben dem Auto stand und sich reckte.

„Ist glaube ich, das Beste. So kann er nicht auf die Idee kommen, mich zurückzuschicken“, sagte Buffy und lächelte Xander an.

Nachdem er alles vor die Tür gestellt hatte, drehte er sich zu Buffy um, verabschiedete sich von ihr und stieg dann in seinen Wagen, um wie der Wind davon zu fahren.

Nun stand sie da, ganz allein, vor dieser nicht gerade kleinen Blockhütte. „Auf was hab ich mich da nur eingelassen?“ fragte sie sich leise, ging langsam auf die Tür zu und klopfte an, doch nichts tat sich.

Als beim dritten Mal immer noch niemand die Tür öffnete, ging sie um die Hütte herum und erspähte den riesigen glasklaren See, der sich dahinter befand. Langsam ging sie am Ufer entlang, bis sie William auf einem kleinen Steg stehen sah.

Er hatte den Kopf gesenkt und sah verträumt ins Wasser hinab.

Buffy stand ein oder zwei Meter von ihm entfernt, als sie sich räusperte.

Er zuckte erschreckt zusammen und wischte sich beim Umdrehen mit dem Handrücken über die Augen. Buffy hatte vorher schon gemerkt, dass er geweint hatte, aber nun sah sie es ganz deutlich, denn seine Augen waren knallrot. „Miss Summers? Was tun sie denn hier?“ fragte er heiser und kam ein Stückchen auf sie zu.

Kapitel  5

Als Spike auf sie zukam spürte sie, wie tausende von Schmetterlingen in ihrem Bauch aufflatterten. Noch nie zuvor hatte sie solche traurigen blauen Augen gesehen. Vorher waren sie immer so voller Leben und Freude gewesen, doch nun war davon nichts mehr da und sie schwor sich in dem Moment, dass sie alles daran setzen würde, um dieses Leuchten zurückzubringen, doch leider wusste sie nicht wie.

„Xander war so freundlich und hat mich mitgenommen. Ihr Vater meinte, ich könnte etwas Erholung gebrauchen“, antwortete Buffy ihm leise.

Spike rannte an ihr vorbei um die Hütte. Nach einer Minute kam er langsam wieder zurück. „Xander ist schon weg? Wie kommen Sie denn zurück?“

„Wie ich schon sagte, Ihr Vater hat gemeint, ich könnte mich hier oben entspannen. Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen?“ fragte Buffy und nun war sie es, die langsam auf ihn zuging.

Spike sah sie kurz an und schüttelte abwesend den Kopf. „Sie wissen, dass Sie hier eine Woche lang sozusagen gefangen sind?“ Sie erwiderte seinen Blick und nickte nur. „Ich muss Sie warnen, ich bin nicht gerade die beste Unterhaltung“, fügte er noch hinzu.

Nach einer längeren Pause räusperte er sich. „Okay, dann lassen sie uns mal die Lebensmittel und ihren Koffer in die Hütte bringen, bevor uns alles vergammelt“, sagte Spike und machte sich wieder auf den Weg um die Hütte herum zur Vorderseite.

Buffy folgte ihm langsam und nahm ihren Koffer, um ihn herein zutragen. „ Kommen Sie und lassen Sie ihren Koffer stehen, ich hole ihn gleich.“ sagte er und verschwand in der Tür. Sie stieg die drei Stufen zum Eingang hinauf und betrat die Hütte.

Sie war wirklich sehr geräumig. Die untere Etage bestand fast aus einem riesigen Raum. Auf der einen Seite standen zwei gemütlich aussehende Sofas vor einen Kamin und von da aus konnte man in die Küche sehen, in der sich anscheinend William befand. Auf der anderen Seite stand ein großer runder Tisch mit acht Stühlen und anscheinend hatte er sich schon etwas Platz gemacht, um dort zu arbeiten.

Buffy ging langsam zur Küche hinüber und lugte um die Ecke. Spike stand da und räumte die Lebensmittel in den Kühlschrank. Die Küche war nicht besonders groß. Auf der einen Seite  stand eine eichene Küchenzeile und auf der gegenüberliegenden Seite war ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen.

„Und was halten Sie von meinem bescheidenen Heim?“ fragte er, lehnte sich an den Kühlschrank und lächelte sie an.

„Es ist sehr nett, doch könnten wir eine Sache von vorn herein klären?“ antwortete sie und streckte ihm ihre Hand hin. „Ich heiße Buffy.“

„William, aber du kannst mich auch Spike nennen. Wäre mir sogar lieber“, sagte er und schüttelte ihre Hand. „Ich zeige DIR dann mal dein Zimmer!“ Er ging noch nach draußen, um ihren Koffer zu holen. Er blieb vor der kleinen Holztreppe stehen und sah sie an. „Kommst du?“ fragte er und ging die Stufen hinauf. Buffy folgte direkt hinter ihm.

Als erstes zeigte er ihr das kleine Badezimmer, das aus einer Dusche, einem kleinen Waschbecken und einer Toilette bestand. Danach hielt er kurz vor einem Schrank an, der im Flur stand, holte frische Bettwäsche heraus und gab sie Buffy. „Das Zimmer ist schon lange nicht mehr benutzt worden. Ich denke, wir werden es auch noch ein wenig sauber machen müssen“, sagte er, als er eine Tür auf der linken Seite des Flures öffnete.

Die Fensterläden waren noch geschlossen und Spike ging zum Fenster hinüber und öffnete es. Kleine Staubteilchen wirbelten durch die Luft und Buffy sah sich in den großen Raum um. An der Wand unter der Schräge stand ein großes Doppelbett und ein riesiger Kleiderschrank stand neben der Tür. Unter dem Fenster befand sich noch ein kleiner Schminktisch und man konnte wirklich sehen, dass das Zimmer schon länger nicht mehr benutzt worden war.

 „Ich werd dann mal runtergehen und Putzzeug holen“, sagte er und war auch schon verschwunden.

Buffy ging zum Fenster und sah hinaus. Der Ausblick war überwältigend. Man konnte den kompletten See übersehen und die Wälder, die ihn umsäumten. Die Luft war angenehm frisch, nicht so mit Abgasen verseucht wie in Sunnydale.

„Atemberaubend, nicht wahr?“

Buffy erschrak. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass William zurück gekommen war. Er hielt einen kleinen Eimer mit Wasser in der einen Hand und einen Staubwedel in der anderen.

Sie sah ihn kurz an und ging zum Bett hinüber. „Es ist wirklich schön hier. Sie…äh…du wirst gar nicht merken, dass ich da bin“, sagte sie während sie anfing, das Bett zu beziehen.

Spike beobachtete sie einen Moment, bevor er sich an die Arbeit machte und den zentimeterdicken Staub wegwischte, der sich überall angesammelt hatte.

Nach einer dreiviertel Stunde war das Zimmer blitzblank. „Hast du Hunger?“ fragte Spike, als Buffy sich den Schweiß von der Stirn wischte und von der der Fensterbank, auf der sie kniete um das Fenster zu putzen, herunterkletterte. „Sicher, ich habe immer Hunger.“

Spike musste lachen. „Du kannst ja duschen gehen, während ich uns ein paar Sandwiches mache, okay?“

Buffy machte ihren Koffer auf, holte ein riesiges Badehandtuch heraus und war schnell im Badezimmer verschwunden.

******

Zwanzig Minuten später kam Buffy frisch geduscht die Treppe hinunter. Sie hatte ein luftiges, sonnengelbes Sommerkleid angezogen. Langsam ging sie in Richtung Küche, lugte um die Ecke und ihr Herz blieb beinahe stehen.

Spike hatte sich sein T-Shirt ausgezogen und man konnte nun seinen gutgebauten Oberkörper wunderbar betrachten. Die strammen Bauchmuskeln bewegten sich bei jeder Bewegung und die abgeschnittene, schwarze Strechjeans betonte seinen knackigen Hintern.

Ihr lief ein eiskalter Schauer über den Rücken, als sie die Küche betrat und er seinen Kopf leicht zur Seite drehte, um sie anzusehen. Seine eisblauen Augen bohrten sich in ihre und sie musste schwer schlucken.

„Setz dich. Eistee?“ fragte Spike

Buffy setzte sich an den Tisch, auf dem ein Teller mit Sandwiches stand, und nickte ihm zu. „Sehr gern, danke.“

Er stellte zwei Gläser mit Eistee auf den Tisch und setzte sich ebenfalls. „Dann lass es dir schmecken.“

Während sie aßen, sagte keiner von beiden ein Wort. Ab und zu schauten sie sich an und es sah so aus, als ob Buffy etwas sagen wollte, doch sie tat es dann doch nicht.

„Du hast dich also dazu entschieden, doch wieder etwas zu arbeiten,“ sagte sie dann schließlich doch und biss noch einmal herzhaft in ihr Sandwich.

Spike trank einen Schluck von seinem Eistee, sah ins Glas und stellte es wie in Zeitlupe zurück auf den Tisch. „Ja, hab ich. Doch ich wollte langsam wieder anfangen. Vielleicht ein paar Schreibarbeiten oder als Unterstützung bei großen Fällen. Ich komme aber nicht wieder zurück nach Sunnydale. Ich kann…“

Buffy bemerkte, wie sich in seinen Augen wieder Tränen bildeten. „Ist schon gut. Du brauchst nicht nach Sunnydale. Kennst du dich mit Computern aus?“ versuchte sie ihn abzulenken.

Er stand auf und stellte das Geschirr in die Spüle. „Ein bisschen“, sagte er etwas gebrochen. „Hast du denn Ahnung von den Dingern?“ erwiderte er ihre Frage.

Buffy lächelte. „Auch ein bisschen. Ich denke, wenn wir beide uns zusammen tun, werden wir es schon hinbekommen. Wenn nicht habe ich ja immer noch ein As im Ärmel.“

„Ach wirklich?“ fragte er verwundert.

Buffy nickte. „Meine Sekretärin Willow ist ein absoluter Computerfreak, wenn irgendetwas nicht klappt, könnte ich sie anrufen.“

Spike, der aufgestanden war, ließ Wasser in die Spüle und warf Buffy ein Trockentuch entgegen. „Auch wenn du hier Urlaub machen willst, muss du dich trotzdem an der Hausarbeit  beteiligen.“

Buffy schnappte es lächelnd auf und stellte sich neben ihn an die Spüle.

******

Zur gleichen Zeit in Sunnydale:

Angel, Darla und Eric saßen im Kaminzimmer und unterhielten sich über dieses und jenes, als das Telefon klingelte.

Einen Moment später kam Lili herein. „Mr. Blackwood? Mr. Giles ist am Telefon.“

“In Ordnung Lili, ich nehme es in meinem Arbeitzimmer an“, sagte Eric und verließ den Raum.

Angel und Darla sahen sich an. „Sag mal, Schatz? Wie geht es eigentlich deinem Bruder?“ fragte Darla plötzlich.

„Das ist mir doch egal. Meinetwegen kann er dort oben versauern.“ giftete Angel zurück und löste sich aus ihrer Umarmung. „Warum interessiert dich das überhaupt?“

Sie sah ihn an und schüttelte mit dem Kopf. „Warum hasst du ihn so? Was hat er dir getan, dass er so etwas verdient? Als Dru starb, warst du so mitfühlend, so nett und freundlich. Aber sobald sie und Michelle beerdigt waren, bist du in dein altes Ich gefallen, warum? Hast du überhaupt eine Vorstellung davon was es heißt, einen Menschen zu verlieren, den man über alles liebt?“ sagte sie mit Tränen in den Augen. „Dru war meine beste Freundin. Sie war wie eine Schwester für mich. In der einen Minute war sie noch da. Hat mich noch angerufen und gesagt, dass sie am Abend vorbeikommen würde und dann auf einmal ist sie tot.“

Die einzigste Reaktion, die sie von Angel bekam, war ein Schulterzucken.

„Du bist ein Scheusal. Eins der größten Arschlocher, die auf dieser Welt herum laufen. Ich weiß überhaupt nicht, warum ich noch mit dir zusammen bin,“ keifte Darla und sah Angel verhasst an.

„Dann geh doch. Hau doch ab. Ich find schon ne andere, die für mich die Beine breit macht“, nun schrie auch Liam. „Sieh zu, dass du Land gewinnst und glaub bloß nicht, dass ich mich noch einmal bei dir melde. Mit dir bin ich fertig…Ach ja, und damit du es weißt, ich habe schon seit einem Jahr eine Affäre mit Cordelia Chase.“ fügte er noch hinzu und stürmte aus dem Raum.

Darla liefen die Tränen übers Gesicht, sie schnappte sich ihren Mantel und verließ die Villa der Blackwoods. „Das wirst du mir noch büßen, Liam Blackwood. Ich werde alle Frauen vor dir warnen, insbesondere diese Buffy Summers.“ flüsterte sie vor sich hin, als sie in ihr Auto stieg und wegfuhr.

******

Eric unterhielt sich immer noch mit Rupert.

„Nein Giles. Xander ist noch nicht wieder da! Ich denke, sie wird wohl gut angekommen sein….Wie…Ich hab nichts von einen Unfall auf dem Highway gehört…Nein, wann soll das gewesen sei...? So gegen 11.00Uhr? Da werden sie schon lange…ich denke…ja mach ich…ja ist gut…Okay, Giles. Schönen Tag noch…Bye.“

Gerade als er auflegte, kam Liam wutschnaubend ins Zimmer gestürmt. „WEIBER!!!“ schrie er. „Dad, kannst du mir sagen, was mit den Frauen los ist?“

Eric seufzte, stand langsam von seinem Schreibtisch auf und ging zu seinem Ältesten. „Was ist denn nun schon wieder. Hast du dich mit Darla gestritten?“

„Diese doofe Kuh. Hat nichts Besseres zu tun, als alte Wunden wieder aufzureißen.“ sagte Liam etwas ruhiger.

„Was denn für alte Wunden?“ wollte Eric wissen.

„Warum ich William hasse! Warum ich mich nicht mit ihm verstehe! Mein Gott. Ich war drei, als Mom starb und als du dann Anne geheiratet und sie dir William geschenkt hat, hab ich mich immer wie einen Außenseiter gefühlt. Du hast ihm immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt als mir. Und als er sich dann auch noch die Frau angelte, in die ich schon seit Jahren verliebt war, war alles vorbei. Ich hasse ihn dafür bis an sein Lebensende“, gab Angel ihm zur Antwort.

Eric legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich habe ihm nie mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Vielleicht hast du das so gesehen, doch ihr seid beide meine Söhne und ich bevorzuge keinen von euch.“

Liam sah seinen Vater mit großen Augen an. „Warum hab ich denn das Gefühl, dass du ihn mehr liebst als mich?“

„Soll ich ehrlich sein?“ fragte Eric auf einmal

„Ich bitte darum.“

„Weil du ehrlich gesagt manchmal ein richtiger Kotzbrocken sein kannst. Ich hasse dich manchmal dafür, wie du mit deinen Mitmenschen umgehst. Wie du Frauen nur wie Objekte behandelst. Dir ist gar nicht klar, wie weh du den anderen damit tust. Ich hatte mich gewundert, dass du nach Drusilla Tod so einfühlsam warst, aber dann fiel mir ein, dass du sie geliebt hast. Also frag mich noch einmal, warum ich William mehr liebe als dich!“ Mit diesen Worten verließ Eric das Arbeitzimmer und ließ einen verwunderten und verletzten Angel zurück.

Mit solch einer Offenheit hatte er nicht gerechnet.

******

Eric ging gerade durch die Eingangshalle, als es an der Tür klingelte. Lili kam gerade aus der Küche, als er abwinkte. „Ich mache das schon, Lili“, sagte er und öffnete die Tür.

„Guten Abend, Mr. Blackwood“, erklang Xanders Stimme. „Ich wollte Ihnen nur sagen, dass alles in Ordnung ist und ich Miss Summers in einem Stück bei Sp…William abgeliefert habe.“

Eric bat ihn herein und fragte ihn, ob er etwas trinken wollte. Als Xander den Kopf schüttelte, ging er mit ihm in das angrenzende Wohnzimmer. „Was kann ich denn sonst noch für dich tun?“ fragte Eric.

„Nun, mir ist auf der Rückfahrt so eine Idee gekommen. William hat ja mehr als genug Lebensmittel dort oben und da Sie doch garantiert einen Hintergedanken dabei hatten, Miss. Summers dort hinzuschicken, hab ich mir gedacht, dass wir die beiden die nächsten vierzehn Tage nicht stören sollten. Was halten Sie davon?“ erklärte Xander und schaute den älteren Mann etwas neugierig an.

„Scheint keine schlechte Idee zu sein, ich denke, das sollten wir machen.“ Eric ging zum Telfon hinüber und nahm den Hörer ab. Bevor er eine Nummer wählte, drehte er sich noch einmal zu Xander um. „Dein Scheck liegt wie immer auf dem kleinen Tisch in der Eingangshalle und bestelle Anya einen schönen Gruß.“

Xander verabschiedete sich mit einem Nicken, als Eric die Nummer von Rupert Giles wählte.

„Giles?...Ja, hab ich…Sie ist gut angekommen…Ja in einem Stück…hör mal, Xander, der beste Freund von William, hatte eine fabelhafte Idee…Nein, es ist nichts Schlimmes…Wir wollen nur Buffy noch eine Woche länger als geplant dort oben halten…ist dir auch aufgefallen, he?...Ja sie hat es mir selbst gesagt, dass sie ihn liebt…Vielleicht?...Ich bin fast sicher…Okay. Dir auch…Bye.“

„Buffy ist bei William?“ hörte er Liam sagen.

Langsam drehte sich sein Vater zu ihm um. „Ja. Sie brauchte ein paar Tage Erholung und mir fällt kein besserer Platz zum Entspannen ein als dort am See.“ Eric wollte gerade den Raum verlassen, als Angel ihn aufhielt. „Hat Buffy dir wirklich gesagt, dass sie ihn liebt?“

Ohne seinen Sohn anzusehen sagte er: „Ja. Und sie hatte das gleiche Leuchten in den Augen wie Dru als sie mir sagte, dass sie William lieben würde. Bitte Liam, lass die beiden in Ruhe, falls sich da etwas entwickeln sollte. Bitte.“

„Wieso sollte ich! Hat mich bei Dru auch nicht gestört, als sie mit William verheiratet war. Weißt du eigentlich, dass ich sie zwischendurch, wenn Will auf Geschäftsreisen war, mir so richtig vorgenommen habe? Ich habe sie so durchgevögelt, dass sie nicht mehr ihren eigenen Namen wusste. Wir haben sogar nach Michelles Geburt heimlich einen Vaterschaftstest machen lassen, weil sie unbedingt wissen wollte, ob es meins oder Williams Kind war. Als sich dann herausstellte, dass es seine Tochter war, hat sie jeglichen Kontakt mit mir abgebrochen.“

Eric drehte sich wutschnaubend um. „Ich kann es nicht glauben, dass du die Frucht meiner Lenden bist. Ich möchte, dass du deine Koffer packst und aus diesem Haus verschwindest. Die Kanzlei kannst du dir auch von der Backe putzen. Ich bin echt froh, dass zwischen uns noch nichts unterschrieben worden ist. Wenn Will sich entscheiden sollte, wieder zurück nach Sunnydale zu kommen, dann wird er sie übernehmen und damit du es weißt, sobald du diese Tür hinter dir verschlossen hast, habe ich nur noch einen Sohn.“

Liam sah seinem Vater hinterher, als dieser aus dem Wohnzimmer stürmte und alles veranlasste, dass er nicht mehr ins Haus gelassen wurde. „Scheiße!“ fluchte Liam und rannte die Treppen hinauf, um seine Sachen zu packen.

 


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