
Buffy hielt die Hand ihrer Tochter noch fester, als sie in der Menschenmenge standen und darauf warteten, dass sie endlich in die Halle kamen.
Es war ein heißer, stickiger Tag in Los Angeles und das letzte was sie tun wollte, war dort zu sein, wo sie nun stand, aber es war Melanies Entscheidung und da sie sich es da sie es sich zum Geburtstag gewünscht hatte, gab Buffy selbstverständlich nach.
Ihr kleines Mädchen wartete geduldig, viel geduldiger als sie es war. Da das Kind sehr schüchtern und zurückhaltend war, tobte sie auch nicht mit den vielen anderen Kindern vor dem Convention Center herum, sondert hielt die Hand ihrer Mutter fest und beobachtete die spielende Meute mit gesenktem Blick.
Aus einem Impuls heraus nahm Buffy sie auf den Arm und trug sie unter ein Vordach der Halle in den Schatten. Die goldbraunen Locken ihres Babys waren am Haaransatz schweißnass, aber sie beschwerte sich nicht, dass ihr zu heiß wäre. Ihre runden blauen Augen waren auf die Wand hinter ihrer Mutter fixiert und Buffy drehte sich um und sah sich ebenfalls das Poster an.
Obwohl alle beteiligten Schauspieler auf dem knallbunten Plakat aufgeführt waren, war es nicht zu übersehen, wer der Star dieser speziellen Show war. Er stand im Vordergrund, genau in der Mitte und seine Costars standen gefächert hinter ihm im Hintergrund.
William St. James hatte auf dem Bild ein freches Grinsen und sein Kopf war leicht zur Seite geneigt. Das kurze Haar war platinblond und seine Augen funkelten in einem tiefen Blau. Er trug etwas, was anscheinend so eine Art `Space Cowboy´ Outfit sein sollte, bestehend aus einer engen schwarzen Hose, einem schwarzen T-Shirt, einer kurzen Lederjacke und abgewetzten Stiefeln. Eine futuristisch aussehende Waffe steckte in einem Waffenholster, der tief auf seinen Hüften hing.
Buffy rollte mit den Augen. Gutausehend und charmant sah er aus, aber wohlmöglich wusste er dies nur allzu genau.
Obwohl sie selbst die Serie sich nicht ansah, war Melanie diejenige, die davon begeistert war…und von ihrem Star. Sie hatte an jeder Wand ihres Zimmers Bilder von ihm aufgehängt, Bilder, die sie vorsichtig aus duzenden von Fanmagazinen, die es von der Serie gab, herausgeschnitten hatte.
Eine Schulfreundin hatte ihr von der Convention erzählt und das Kind hatte sofort damit begonnen, ihre Mutter dazu zu bringen, mit ihr dort hin zu fahren. Ihr sechster Geburtstag war die beste Möglichkeit. Sie hatte alle Vorschläge, die Buffy ihr gemacht hatte, abgelehnt, ob es nun eine Party war oder ein Wochenende in Disneyland. Selbst die Idee, ihre Freundinnen zu einer ausgefallenen Teeparty im Ritz Carlton einzuladen, hatte sie ausgeschlagen.
Das einzigste was sie wollte, das hatte sich das Kind geschworen, war an dieser Convention teilzunehmen und ihren Helden zu sehen.
Buffy, welche die Idee aus verschiedenen Gründen am Anfang nicht für so gut hielt, hatte schließlich vor vier Tagen nachgegeben…an dem gleichen Abend hatte sie eine verbitterte Auseinandersetzung mit ihrem unfähigen Ex-Mann an Telefon, weil dieser mal wieder ein Wochenende mit seiner Tochter absagte.
Melanie hatte die Nachricht so ruhig wie immer aufgenommen, denn schließlich war sie es von ihrem Vater schon gewohnt und sie erwartete auch nichts anderes von ihm. Sie setzte sich einfach in die Mitte ihres Zimmers auf den Boden, legte ihre Puppen in deren Betten, gab ihnen einen `Gute Nacht´ Kuss, bevor sie leise ins Wohnzimmer ging, wo schon ein Glas Milch und Butterkekse auf sie wartete.
Buffy hatte den Fernseher angeschaltet und als die Titelmelodie von `Outpost: Space´ erklang, setzte sie sich neben ihre Tochter und sah sich die Sendung mit an. Das war etwas, was sie zuvor noch nie gemacht hatte und während der ersten Werbeunterbrechung gab sie zu, dass zu dieser Convention zu gehen doch gar nicht mal so schlecht wäre.
Melanies kleines Gesicht erhellte sich wie ein Sonnenstrahl. Sie war einfach nur sprachlos, flog ihrer Mutter um den Hals und drückte sie ganz fest.
Nachdem sie das Kind ins Bett gebracht hatte, schaltete Buffy ihren Computer an, um Informationen über die Veranstaltung zu finden. Was wirklich nicht sehr schwer war. Sie hatte den Überblick darüber verloren, wie viele Seiten es über die Show und dem Star an sich gab. Sie druckte sich die nötigen Informationen aus und überflog einige Fanfictions, die einige Amateurautoren geschrieben hatten.
Drei davon, die sie einem Kind vorlesen konnte, druckte sie ebenfalls aus. Dann sah sie eine Warnung, dass die Inhalte absolut nichts für jeden unter 17 Jahren waren.
Buffy wunderte sich, warum man solch eine Warnung aufstellte und begann zu lesen. Es dauerte nicht lange, bis ihr klar war, dass der Autor nicht umsonst darauf verwies. Dies war definitiv nichts für Kinder.
Der sexuelle Inhalt war heftig. Einiges davon war zwar nicht so glaubhaft, aber sie las trotzdem weiter…bis zum Schluss. Als sie damit fertig war, fühlte sie sich etwas erhitzt und angetörnt. Sie brauchte wirklich eine abkühlende Dusche, was sie auch tat…für fast zwanzig Minuten.
Nachdem sie ins Bett geklettert war, konnte sie die Bilder, die diese Geschichte hervorgerufen hatte, nicht abschütteln, denn der Mann hatte ein Gesicht, das sie ganz deutlich vor ihrem inneren Auge sah.
Das Einschlafen war in der Nacht nicht so einfach.
*** ***
Buffy trug ihre Tochter immer noch, als sie einen großen Raum, der angenehm kühl war, betrat. Gott sei dank hatte jemand die Klimaanlage bis hinten hin aufgedreht.
Sie sah sich erstaunt um. Es standen viele Tische eng aneinander, auf denen massenhaft `Outpost: Space´ Merchandise lag, man konnte kaum noch die Tischplatte erkennen.
Duzende von verschiedenen T-Shirts, Poster, 8x10 Photografien, Bücher, Magazine, Videos und DVD, original Artworks, Duplikate der Kostüme, billige Schmuckimitationen und Waffen, die die Schauspieler trugen, Bettwäsche, Decken, Gläser, Dekoteller, Handyschalen, gerahmte Autogramme, Spielzeug und andere ausgesuchte Sachen lagen da…alles, was das Fanherz begehrte.
Buffy ging im Kopf schon mal ihren Kontostand durch. Es gab keinen Ausweg. Sie würde bestimmt ein kleines Vermögen für den Geburtstag ihres Mädchens ausgeben.
Es lief ihr eiskalt den Rücken herunter, als sie sich vor einem lebensgroßen Pappaufsteller von William St. James wieder fand. Irgendetwas in ihr sagte ihr, dass sie mit diesem Teil auf dem Rücksitz nach Hause fahren würde.
Melanie war total hin und weg. Obwohl sie erst sechs Jahre war, konnte sie schon sehr gut lesen. Sehr viel besser als andere Erstklässler. Sie hatte keine Probleme damit herauszufinden, was auf dem Schild stand, was an dem Aufsteller befestigt war.
*Mr. St. James steht ihnen für ein persönliches Foto und Autogramm gegen einen kleinen Aufpreis zur Verfügung* Einen Preis, der es in sich hatte.
Buffy wollte es einfach ignorieren…Sie wusste, dass Melanie viel zu schüchtern war, um so etwas zu machen…als sie ihre Tochter ansah.
„Mami…kann ich das machen?“ piepste das Kind.
Sichtlich überrascht stotterte Buffy. „Das? Du meinst…du willst dich mit ihm fotografieren lassen?“
Melanie nickte. „Ja. Bitte Mami.“
Buffy warf einen Blick auf die Preisliste. Jesus! Dieser Typ hatte wirklich einen hohen Stellenwert. „Süße…ich weiß nicht. Dies ist ein echter Mensch weißt du…nicht Mickey Mouse.“
„Ich weiß Mami. Biiittteee…“, bettelte das Kind.
Seufzend gab Buffy nach und hoffte, dass sie ihre Kreditkarte mithatte.
*** ***
Sie saßen in dem großen Auditorium des Convention Centers und Buffy sah sich die anderen Leute, die ihre Plätze eingenommen hatten, an. Sie waren alle sehr verschieden…Männer, Frauen, Teenager und Ältere aller Nationalitäten. Es war alles ganz egal, denn alle hatte eins gemeinsam…eine tiefe verbindende Liebe zu `Outpost: Space´ und für dessen Stars.
Es gab nur noch Stehplätze und Buffy war unendlich dankbar, dass sie schon so früh angekommen waren.
Das Publikum wurde ruhig, als das Licht gedämmt wurde.
„Hallo zusammen und willkommen zur zweiten jährlichen `Outpost: Space; Fan-Convention!“ gab eine Stimme über das PA-System bekannt. „Die Besetzung und Schöpfer der Show freuen sich, dass Sie hierher gekommen sind.“
Die Stimme gab noch eine Reihe von Regeln bekannt. Anscheinend war es ohne Erlaubnis nicht gestattet, Photos zu machen und falls sie doch jemanden mit einer Fotokamera oder Videokamera erwischen würden, würde das strafrechtlich verfolgt.
Der Schöpfer der Serie kam auf die Bühne und das Publikum applaudierte heftig. Kurz nach ihm betraten drei von den Storyschreibern die Bühne und sie zogen ein vorbereitetes Programm durch, das so langweilig war, dass Buffy fast einschlief. Danach folgte eine Frage und Antwort Session von Leuten, die sich auf beiden Seiten der Bühne aufgestellt hatten.
Als Melanie plötzlich aufsprang und sehr interessiert wirkte, schüttelte Buffy ihre Müdigkeit ab, die im Begriff war, sie zu überwältigen.
„Okay“, piepste die Stimme aus den Boxen. „Wir wissen, wen ihr alle sehen wollt, also wollen wir euch nicht länger auf die Folter spannen. Worldwide Entertainment freut sich sehr, ihn präsentieren zu können…den Star von `Outpost: Space´ … William St. James!!“
Der Applaus war diesmal donnernd und die meisten Leute ihm Saal sprangen von ihren Plätzen auf.
Buffy blieb sitzen, als der Mann lächelnd und winkend die Bühne betrat und sich beim Publikum bedankte.
In der Minute als sie ihn sah, fiel ihr die unanständige Geschichte wieder ein und ihre Wangen wurden rot.
Melanie schwebte im siebten Himmel. Ihre kleinen Hände klatschten enthusiastisch wie bei den anderen auch und sie hüpfte auf ihrem Stuhl auf und ab.
Ihre Mutter jedoch hatte so ihre Schwierigkeiten, sich auf das zu konzentrieren, was auf der Bühne so gesprochen wurde. Gegen ihren Willen sagte ihr Gehirn ihr die Worte, die er in der Story gesagt hatte.
Dinge wie…“Siehst du die Sterne da draußen? Ich werde sie dazu bringen, hinter deinen geschlossenen Augen zu explodieren“, und „Da gibt es ein Bett hinten im Raumschiff…es ist groß genug für zwei. Warum klettern wir nicht hinein und ich bedecke deinen Körper mit Küssen.“
Und da sie jetzt das Gesicht wirklich sah, klangen die Worte nicht mehr so romantisch, wie als sie sie gelesen hatte.
*** ***
Als die Frage und Antwort Session angesagt wurde, überraschte Melanie Buffy erneut als sie darum bettelte, daran teilnehmen zu dürfen.
Bei dem ungewöhnlichen Verhalten ihrer Tochter ergab sich Buffy, nahm sie an die Hand und ging mit ihr zu der Warteschlange.
Sie blieb etwas zurück, ließ Melanie es allein machen und war stolz auf den Mut des kleinen Mädchens.
Aber als sie am Mikrofon stand, drehte sie ich um und sah ihre Mutter an. Ihre Augen waren groß und ihre Lippen bewegten sich. Buffy bemerkte die Anzeichen eines Schüchternheitsanfall und ihr Herz zerbrach, als sie ihr Baby so sah.
Sie kniet sich neben sie. „Was ist los Süße?“
„Ich…ich weiß nicht was ich fragen soll. Sag du mir was, Mami. Bitte?“
„Ich?“ sagte Buffy und versuchte zu flüstern. „Ich weiß doch überhaupt nichts über die Show…oder über ihn. Ich…ich kann dir auch nicht sagen, was du ihn fragen kannst. Ich…“
Ihre Stimme wurde leiser als sie die Tränen, die sich in Melanies Augen bildeten, und die zitternde Unterlippe sah.
„Oh…nicht weinen, Baby“, bat Buffy und schob die hellbraunen Locken ihrer Tochter aus deren Gesicht. „Bitte, jetzt…“
„Willst du mich etwas fragen, Liebes?“ fragte eine sanfte Stimme.
Buffy blickte auf und sah, dass William St. James zum Bühnenrand gekommen war und er beugte sich herunter, um mit Melanie zu reden. Seine Stimme war ermutigend und sein Lächeln offen und freundlich.
Melanie zog an Buffys Ärmel, um ihre Aufmerksam zu bekommen. „Was soll ich tun, Mami?“ flüsterte sie und versteckte ihr Gesicht gegen den Hals ihrer Mutter.
„Ahm…nun…“ Buffy überlegte angestrengt dann lehnte sie sich herunter und flüsterte es in Melanies Ohr.
Die Augen des Kindes erhellten sich sofort, denn sie dachte, dass es eine fantastische Frage sei.
Sie drehte sich um ihr Idol anzusehen und grinste ihn an. Sein erwiderndes Lächeln wurde noch breiter, als sie ihre Frage stellte.
„Hast du irgendwelche Haustiere?“

Er war noch nie in seinem Leben von jemand so verzaubert gewesen wie durch diesen kleinen Engel mit den weichen Ringellocken und dem Gesicht einer Elfe.
Sie was so selbstbewusst gewesen, als sie sich der Bühne genähert hatte, bis sie offensichtlich eine Panikattacke bekam. Als er gesehen hatte, wie sie sich umdrehte um nach ihrer Mutter zu sehen, tat ihm dies in seinem Herzen weh. Nur der Gedanke daran, dass sie sich erschrecken könnte, hatte ihn davon abgehalten von der Bühne zu springen und mit ihr allein zu reden.
Als er jedoch ihre Mutter erblickte war er doppelt so sicher gewesen, von der Bühne zu springen. Die Frau war klein und schlank, hatte eine fantastische Figur und ein Gesicht, bei dem der Straßenverkehr erliegen würde. Er fühlte Neid in sich aufsteigen. Neid dem Menschen gegenüber, der das Glück gehabt hatte, sie zu heiraten.
Aus den Augenwinkeln heraus konnte er sehen, dass einer der Security das kleine Mädchen vom Mikrofon wegschicken wollte. Er hielt eine Hand hoch um ihn aufzuhalten. Er setzte sich auf den Bühnenrand. „Willst du mich noch etwas fragen?“
Das kleine Mädchen drehte sich zu ihrer Mutter. „Will ich Mami?“
Zu Williams Vergnügen sah die Frau ihre Tochter an und zuckte, mit großen Augen, die Schultern. Ihr fiel überhaupt nichts mehr ein.
Das Kind sah ihn wieder an. „Nein Danke.“ sagte sie höflich.
William war noch nicht bereit dazu, sie gehen zu lassen und als sich ihre Mutter erhob und sie zu ihren Plätzen zurückgehen wollten, sagte er: „Hast DU irgendwelche Haustiere?“
Beide stoppten und drehten sich um. Das Kind lächelte und die Mutter schaute ihn überrascht an.
„Ich hatte mal einen Fisch“, sagte die Kleine. „Aber der ist tot.“
„Tut mir leid das zu hören.“
„Wir haben eine Trauerfeier für ihn gemacht und im Garten vergraben“, erzählte sie weiter, als ob die anderen 500 Menschen in dem Raum gar nicht existierten. „Mami wollte ihn die Toilette hinunterspülen, aber das war so ekelig also hat sie es nicht gemacht.“
Die Menge kicherte vor Vergnügen.
„Wirklich?“ sagte er prompt und genoss die Unterhaltung. „Waren viele zur Trauerfeier gekommen?“
„Nein. Nur Mami und ich.“
Er bemerkte, dass `Daddy´ nicht erwähnt wurde. Natürlich bedeutete das nichts. Daddy war garantiert auf der Arbeit.
„Mami sagt, dass ich vielleicht nächstes Jahr ein Kätzchen bekommen kann…Wenn ich größer bin, oder?“ fügte sie hinzu, sah zu ihrer Mutter hinauf, die leicht an ihrer Hand zog um sie dazu zu bringen, den Platz für den nächsten Fan frei zu machen.
Er schaute zu dem Ordner, den er vorhin zurückgepfiffen hatte und William konnte sehen, dass der wegen dem Aufschub leicht sauer wurde. Irgendwie musste die Mutter es auch gemerkt haben.
Widerwillig stand er auf. „Ich hoffe, du bekommst dein Kätzchen…“
`Mami´ lehnte sich herunter und flüsterte ihr etwas ins Ohr.
„Okay“, flüsterte sie, dann sah sie ihn wider an und füllte die Lücke in seinem Satz. „Melanie.“
„Melanie“, wiederholte er, lächelte, als sie von ihrer Mutter weggezogen wurde und ihn immer noch über ihre Schulter hinweg ansah.
Er winkte ihr noch einmal zu, dann drehte er sich zur anderen Seite und lächelte die Person an, die nun am Mikrofon stand.
*** ***
Buffy saß neben ihrer Tochter und war immer noch sehr darüber erstaunt, was vor ein paar Minuten geschehen war. Sie versuchte dem zu folgen, was auf der Bühne passierte, aber sie konnte den Mann nur anstarren der es geschafft hatte, Melanies Zunge zu lösen.
Das Kind war noch nie in ihrem Leben- nicht ein einziges Mal- so frei und redefreudig mit jemandem außer Buffy gewesen.
Aber sie und der Schauspieler waren irgendwie…das einzigste Wort, was Buffy dazu einfiel, war `verbunden´. Er war geduldig und ging vorsichtig auf sie zu. Er machte nicht den Fehler, den die meisten Erwachsenen mit schüchternen Kindern machten, er hatte sie zu nichts gezwungen, hatte ihr nicht das Gefühl gegeben, dass, sie etwas verpassen könnte.
Ein weiterer tosender Applaus holte sie aus ihren Tagträumen. William St. James verließ die Bühne und wurde durch einen anderen Schauspieler der Show ersetzt.
Melanie drehte sich zur Seite und zog an Buffys Ärmel. „Mami, ich muss aufs Klo“, flüsterte sie und zappelte auf ihrem Stuhl herum.
Während sie sich noch fragte, wie lange DAS schon so ging, griff sie ihre Hand und führte sie aus der Halle in Richtung Damentoiletten.
Sie hielt Melanie übers Waschbecken, damit sie sich ihre Hände waschen konnte, als sie ein verdächtiges Knurren hörte. Sie sah ihre Tochter im Spiegel in die Augen. „War das dein Bauch?“
Melanie kicherte und nickte. „Ich glaub er hat Hunger.“
„Ich denke du hast Recht“, erwiderte Buffy, riss ein Stück vom Papierhandtuch ab, um die kleinen Hände abzutrocknen, bevor Melanie ihren Rock dafür benutzen würde. „Dann lass uns mal sehen, ob wir nicht etwas dagegen tun können.“
*** ***
Die Tische der Händler waren nicht sehr voll und der Raum, in dem man sich was zu Essen besorgen konnte, war total verlassen.
Lautes Gelächter kam sporadisch von der der großen Halle. Melanie hatte kein großes Interesse an den anderen Schauspielern. Also steuerte Buffy an den großen Schaukästen vorbei auf die Fressmeile zu.
Sie behielt ihre Tochter im Auge, als sie für sich beide ein verspätetes Mittagessen bestellte. Sie bezahlte das Essen, nahm ihr Wechselgeld entgegen und ging zurück zu dem Tisch, an den sie Melanie gesetzt hatte.
Sie hätte beinahe das Tablett fallen gelassen als sie sah, wer neben dem Tisch stand und sich mit Melanie unterhielt.
*** ***
Nach seinem Auftritt hatte er nicht sehr viel zu tun und ihm wurde sehr schnell langweilig. Es dauerte noch eine Weile, bis das Fotoshooting und die Autogrammstunde beginnen würde und irgendwie schaffte er es seinen, wie er sie nannte, `Aufpassern´ zu entwischen.
In dem Speisesaal befand sich niemand, der ihn erkennen würde und er blieb vor einen Essensautomaten stehen und steckte eine Banknote hinein. Er nahm den Schokoriegel aus dem unteren Fach, riss ihn auf und genoss den schokoladigen Geschmack.
Er schaute sich in dem Raum um und stutzte, als sein Blick an einem der Tische hängen blieb.
Seelenruhig saß dort, mit ihren hin und her schwindenden Beinen, die Süße, die er vorhin getroffen hatte. Melanie.
Er lächelte aus irgendeinem Grund darüber, dass er sie wieder sah. Unfähig sich selbst zu stoppen, warf er den Rest des Schokoriegels in den Abfall und ging zu ihr herüber.
Sie schaute aus dem Fenster und er konnte sehen, dass sich ihre Lippen bewegten. Als er näher kam sah er, dass sie zählte und er bemerkte, dass, wenn man aus dem Fenster sah, der Freeway zu sehen war, auf dem sie anscheinend die Autos zählte.
Er wollte sie nicht erschrecken oder auf irgendeiner Weise auf sich aufmerksam machen, also sagte er ganz ruhig, „Hallo Melanie.“
Das kleine Mädchen drehte sich um und lächelte. „Hi.“
Erstaunlicherweise schien sie nicht sonderlich überrascht zu sein, ihn zu sehen.

Sowohl sie als auch die Lehrer hatten viel Zeit damit verbracht, den Kinder beizubringen, dass sie nicht mit Menschen reden sollten, die sie nicht kannten und…unter KEINEN Umständen mit ihnen gehen sollten.
Insgeheim hatte Buffy unheimliche Angst, dass Melanies extreme Schüchternheit ihr zum Verhängnis werden könnte. Das wenn irgendjemand, irgendetwas versuchen würde, sie nicht schreien oder treten würde. Dies war aber nur eine von vielen Sorgen, die man sich während der Kindererziehung machte. Sie lebte in einer grausamen Welt, in der man immer wieder von Kindesmissbrauch und Kindermorden hörte.
Diese lästigen Gedanken, zusammen mit weiteren täglichen Ängsten waren wie Monster, die sich im Wandschrank versteckten und sie nicht schlafen ließen.
Sie sorgte sich über alles: Ob Melanie die richtige Ernährung bekam…?oder ob sie sich genug ausruhte? Ob sie in der Schule gehänselt wurde? Ob ihre Zähne gerade wachsen würden oder ob sie irgendwann mal eine Klammer bräuchte?
War sie zu warm? Oder zu kalt? Schlief sie zuviel oder nicht genug? Jedes mal wenn sie sich erkältete hatte Buffy Angst, dass es etwas Schlimmeres sein könnte.
Kinderkrankheiten standen ganz oben auf ihrer Angstliste, obwohl sie wusste, dass Melanie nicht alle bekommen würde. Logisch wusste sie es…aber Mitten in der Nacht, wo man sich über solche Sachen den Kopf zerbrach, fürchtete sie sich und es spulte sich wie eine Endlosschleife in ihrem Kopf ab.
Sie machte sich Sorgen über Leukämie, jugendliche Zuckerkrankheit, multiple Sklerose, Gehirnentzündung, Gehirnhautentzündung, unentdeckte Herzkrankheiten, Immunsystemschwächen, Grippe, Leberentzündung, tödliche allergische Reaktionen, Wundstarrkrampf, Epilepsie und jeden bekannten Virus. Sogar die normalsten Krankheiten…wie Windpocken…machten ihr Angst.
Sie konnte den Gedanken, dass ihrem Baby etwas zustoßen könnte einfach nicht ertragen. Sie befürchtete manchmal, dass sie es mit dem Schutz etwas übertrieb und vielleicht einen kleinen Teil Schuld daran hatte, das Melanie so schüchtern auftrat.
Buffy sorgte sich auch über Waldbrände und Erdbeben, über Mörderbienen und verdorbenes Essen. Autounfälle und streunende Hunde. Besonders über das letzte sorgte sie sich, denn Melanie…die anderen Menschen gegenüber manchmal so schüchtern war, dass sie sogar weinte…hatte überhaupt keine Angst vor Tieren. Sie würde ohne Angst auf jedes vierbeinige Lebewesen zugehen und daran glauben, dass alle so lieb und brav waren wie sie.
Und ironischerweise sorgte sie sich, dass sie sich zuviel sorgte.
Natürlich MUSSTE sie das alles allein machen…da Angel es ja nicht tat.
*** ***
„Warum sitzt du hier ganz allein?“ fragte William.
„Ich bin nicht allein. Mami holt was zu Essen.“ Sie zeigte über ihre Schulter „Siehst du?“
Er drehte den Kopf, sah sich um und genau da stand Melanies Mutter an der Kasse und bezahlte. Jedenfalls sah es so aus.
Er steckte seine Hände in die vorderen Hosentaschen und lehnte sich an den Tisch. „So…Ist dein Daddy denn auch hier?“ fragte er lässig.
Melanie schüttelte ernst ihren Kopf. „Nein.“
Ihre Antwort war frustrierend kurz und falls er mehr erfahren wollte, müsste er wohl oder übel nachhaken.
Was er auch tat.
„Er ist also Zuhause?“
„Ich glaube schon“, sagte das kleine Mädchen schulterzuckend. „Ich bin mir aber nicht sicher. Vielleicht.“
Er wollte gerade noch eine Frage stellen, um den Familienstand ihrer Mutter herauszubekommen, als Melanie das Problem von allein löste.
„Mein Daddy wohnt woanders“, informierte sie ihn.
„Oh, ich verstehe.“ Obwohl er glücklich darüber war, dass ihre Mutter vielleicht zu haben war, fühlte er einen Stich von Schuld in seinem Herzen, dass er sich darüber freute, dass das Zuhause von diesem wunderschönen Kind zerstört war. Er tröstete sich aber mit dem Gedanken, dass irgendein Kerl, der so blöd war dieses kleine Mädchen und ihre Mutter zu verlassen, sie von vornherein nicht verdient hatte und sie es ohne ihn besser hätten.
Er entschloss sich, das Thema zu wechseln. „Hast du heute deinen Spaß?“
„Oh, ja“, sagte sie und schenkte ihm ein Lächeln, das sein Herz zum Schmelzen brachte. „Mir hat unser Gespräch gefallen.“
William erwiderte ihr Lächeln. „Mir hat unser Gespräch auch gefallen“, sagte er aufrichtig. „Bleibst du bis zur Party heut Abend?“
Sie knabberte für einen Moment auf ihrer Unterlippe herum. „Um wieviel Uhr fängt sie denn an?“
„Ich glaub sie beginnt um 21.30 Uhr.“
Melanie schüttelte ihren Kopf und brachte dadurch ihre Locken zum Wippen. „Ich muss um 20.00 Uhr ins Bett“, klärte sie ihn auf.
„Sogar Samstags?“ fragte er.
„Uh-huh. Ich darf nur Mittwochs länger aufbleiben.“
Er fühlte ein weiteres Ziehen in seinem Herzen. „Mami lässt dich länger aufbleiben, damit du die Serie sehen kannst?“
„Ja.“
„Mag sie die Sendung auch?“
Melanie legte die Arme vor sich auf den Tisch und legte seitlich ihren Kopf darauf. „Sie hat sie nur einmal mit angesehen. Sie sagt meistens, dass zuviel Fernsehen nicht so gut wäre.“
William lachte leise. „Nun, da hat sie absolut Recht“, sagte er.
„Manchmal sieht sie sich einen Film mit mir an.“
„Oh, wirklich? Was ist den Lieblingsfilm?“
Sie dachte einen Moment darüber nach. „Arielle- Die kleine Meerjungfrau“, sagte sie. „Und deiner?“
Er imitierte ihren nachdenklichen Ausdruck. „Versprichst du mir nicht zu lachen?“
Melanie nickte.
„Der Zauberer von Oz“, flüsterte er.
„Oh, den mag ich auch.“
*** ***
Buffy hielt das Tablett ziemlich fest als sie auf den Tisch zuging, an dem ihre Tochter saß.
Als sie näher kam sah sie, dass Melanie sich ganz gelassen mit William St. James unterhielt. Sie zeigte keine Anzeichen von Schüchternheit. Sie senkte nicht den Kopf und drehte ihr Gesicht nicht in die andere Richtung. Sie wirkte nicht nervös und verdrehte in keiner Weise ihre kleinen Finger. Ihre Stimme war sogar von Weiten sehr gut zu hören.
Während sie sich noch wunderte, mit welchen Zaubertricks dieser Typ wohl arbeitete, kam sie am Tisch an und stellte das Tablett ab.
„Hi.“ Er richtete sich auf und lächelte sie an.
„Hallo“, murmelte sie und versuchte, nicht irgendwelche Erinnerungen an jene, nicht jugendfreie Geschichten heraufzubeschwören, die sie vor ein paar Nächten gelesen hatte.
„Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus…Ich sah Melanie hier sitzen und…“
„Nein“, sagte sie schnell. „Es macht mir nichts aus…wenn Melanie auch nichts dagegen hat?“
Melanie setzte sich auf. „Ich hab auch nichts dagegen“, sagte sie und untersuchte das Essen auf dem Tablett.
Es war einen Moment lang ruhig, bis William dann fragte „Nun, was gibt es zum Mittag?“
Melanie hob die oberste Scheibe Brot von ihrem Sandwich hoch und betrachtete die Zutaten. „Thunfisch“, sagte sie und zog ihre Nase kraus. „Bäh.“
Buffy starrte ihre Tochter an. „Was meinst du mit `Bäh´?“ fragte sie. „Du liebst Thunfisch.“
Das Kind sah sie mit einem ruhigen Gesichtsausdruck an. „Fische sind Freunde“, betonte sie. „Kein Futter.“
„Oh, mein…“ Buffy rollte mit den Augen. „Melanie hör auf, `Findet Nemo´ zu zitieren und esse dein Sandwich“, sagte sie ernst. Sie öffnete einen Tetra Pack mit Kakao, schüttete etwas in einen Pappbecher und stellte diesen ihrer Tochter vor die Nase. „Komm schon. Mach einen großen Bissen.“
Melanie wollte aber noch nicht aufgeben und seufzte. „Da sind so komische Dinger drin, Mami“, beklagte sie sich.
Buffy setzte sich erschöpft hin. „Dinger? Was für Dinger?“
William fiel es schwer, sich das Grinsen zu verkneifen als er dem Gespräch zuhörte und genau wusste, wer zum Schluss die Oberhand haben würde.
„Was ist das?“ Melanie hielt ihre kleine Handfläche auf und zeigte ihrer Mutter etwas, das mit Mayonnaise verschmiert war.
Buffy schaute es sich an. „Das sind kleine Stücke Sellerie.“
„Ich mag keinen Sellerie“, sagte das Mädchen standhaft.
„Melanie…“
„Aber ich mag es wirklich nicht!“
Er entschied sich einzugreifen, bevor sich die Kleine in Schwierigkeiten brachte.
„Ich weiß, es geht mich nichts an“, sagte er zu Buffy, „und Sie können mir ruhig sagen, wenn ich mich da raushalten soll…aber es würde mir eine Freude machen, ihr etwas anderes zum Essen kommen zu lassen, es sei denn, Sie haben etwas dagegen.“
Zu dem Zeitpunkt war Buffy einfach zu müde um zu protestieren, „Sind sie sicher, dass es keinen Ärger geben wird?“
„Nein, nicht für mich“, sagte er und ließ seine Augen noch einen Moment auf ihrem Gesicht verweilen. Er zog sein Handy aus der Jackentasche und wählte eine Nummer.
Buffy war sie erste, die den Blick abwendete.
„Jen…ich bin’s“, sagte William zu demjenigen, der seinen Anruf entgegengenommen hatte. „Kannst du mir…warte mal kurz…“ Er sah Melanie an und lächelte. „Was willst du haben, Elfe? Was du haben willst, bekommst du dann auch.“
Melanie brauchte nicht lange überlegen. „Erdnussbutter und Gelee?“
Er nickte. „Jen, ich möchte ein Erdnussbuttergeleesandwich…Ja …uh Weintraube? ...okay…Kannst du es in den Speisesaal…nein ich will dich nicht verarschen…gut…Danke.“ Er steckte das Telefon zurück in seine Jackentasche. „Dauert nur ein paar Minuten“, versprach er.
*** ***
Buffy lehnte sich zurück und beobachtete, wie er Melanie in ein Gespräch verwickelte, sie über die Schule ausfragte und im Gegenzug ihre Fragen über `Outpost: Space´ beantwortete.
Zehn Minuten, nachdem jemand aus der Küche Melanies Sandwich gebracht hatte, schaute William auf seine Uhr und seufzte. „Ich hasse es zu sagen, aber ich muss gehen. Muss zu einem Photoshooting und einige Autogramme geben.“
Eigentlich war es das letzte, wozu er im Moment Lust hatte. Normalerweise freute er sich, dass er den Menschen, die sich die Serie ansahen, etwas zurückgeben konnte, doch an diesem Tag hatte er andere Sachen im Kopf…ein Schatz von einem Mädchen und ihre wunderschöne Mutter.
„Ich werde auch da sein!“ sagte Melanie erfreut.
Auf einmal schien alles gut zu werden. „Großartig!“ sagte er und starrte Buffy an. „Ich werde nach dir Ausschau halten…“
„Buffy“, sagte Melanie zu ihm.
Unfähig sich selbst zu stoppen, lächelte er Melanie an und schob ihre Locken aus dem Gesicht. „Ich sehe dich dann später, Elfe“, sagte er und zwang sich zu gehen.
„Okay.“
*** ***
„Mami…kann ich noch etwas Kakao haben?“
Buffy zwang sich, ihren Blick von Williams ansehnlicher Rückseite zu nehmen und schaute in das Gesicht ihrer Tochter. „Sicher, Baby…hier Bitte.“
„Danke.“ Sie nahm einen Schluck und hinterließ auf ihrer Oberlippe einen Schokoladenbart. „Er ist wirklich nett“, sagte sie und wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab.
Ihre Mutter übernahm mit einer Servierte die Arbeit. „Ja, das ist er.“ Sie lehnte sich zurück und schaute in Melanies Augen. „Du magst ihn wirklich sehr…nicht wahr?“
„Uh-huh. Du auch?“
Buffy lächelte und nickte. „Uh-huh.“

Trotzdem hatte er eine Verpflichtung zu erfüllen und es war egal, wie müde er war. Diese Leute waren gut zu ihm und er wollte verdammt noch mal wenigstens etwas an sie zurückgeben.
Also lächelte er in die Kamera und hörte sich all ihre Lobeshymnen und Danksagungen an.
Er arbeitete nun seit elf Jahren als Schauspieler, die meiste Zeit davon war er total unbekannt gewesen. Er hatte bei einer bekannteren Schauspielerin, mit der er zusammengearbeitet hatte, beobachtet wie diese ihr Primadonna Gehabe einmal zuviel bei ihren Fans gezeigt hatte und er hatte sich damals geschworen, dass er sich nie so benehmen würde, wenn er mal so bekannt wäre. Bis jetzt hatte er es geschafft, dieses Versprechen aufrecht zu halten.
Der Fotograf unterbrach das Shooting, weil er einen neuen Film einlegen musste und William nutzte die Chance, der Herrentoilette und dem Getränkeautomaten einen Besuch abzustatten.
Fünf Minuten später stand er mit dem Assistenten des Fotografen zusammen, als er ein leichtes Ziehen an seiner Jacke spürte und nach unten sah.
„Hi“, piepse Melanie lächelnd.
Seine Müdigkeit war mit einem Mal verschwunden. „Hi! Dir auch.“ Erwiderte er und kniete sich neben sie, so dass er ihr in die Augen sehen konnte. „Bist du für ein Foto hier?“
„Mm-hmm. Ich habe Saft auf meinem Kleid“, sagte sie und zeigte auf einen winzigen Fleck. „Aber Mami sagt, dass niemand ihn sehen wird. Kannst du ihn sehen?“
William schaute angestrengt auf die besagte Stelle. „Ich denke, Mami hat Recht. Man kann ihn kaum sehen.“
Er stand auf und sah in die Kamera. „Sieh genau dort hin, Elfe“, sagte er, dann stoppte er plötzlich den Fotografen. „Moment noch.“ Er sah auf das kleine Mädchen, das so ruhig da stand, lehnte sich zu ihr herunter und flüsterte ihr zu. „Würde die es viel ausmachen, wenn ich dich für das Foto auf den Arm nehme?“
Melanie hielt die Arme hoch. „Okay.“
*** ***
Buffy stand an der Seite und war über Melanies Verhalten überrascht, als sie keck auf ihn zuging und ihn an der Jacke zog, um auf sich aufmerksam zu machen…seine Fragen ohne zu zögern oder unsicher zu werden beantwortete…und dann erlaubte sie ihm auch noch, dass er sie für das Foto auf den Arm nehmen durfte.
Wunder gibt es immer wieder.
Trotzt ihrer anfänglichen freundlichen Reaktionen auf ihn, war Buffy sich sicher, dass, wenn es zum kritischen Punkt kommen würde, Melanie es doch nicht mehr machen wollte.
Ihr gefiel es eigentlich gar nicht, wenn von ihr Fotos gemacht wurden und schon gar nicht mit Fremden. Sie war sehr kamerascheu, außer wenn ihre Mutter dabei war. Für gewöhnlich würde Melanie sagen, dass sie auf die Toilette müsste und dann solange warten, bis alles vorüber war.
Aber wieder einmal erstaunte ihre Tochter sie. Ihre kleine Finger ließen Buffys Hand los und sie ging auf William zu, bevor ihr jemand sagte, dass sie gehen durfte.
Glücklicherweise schien ihm die Aktion des Kindes zu gefallen und sein routiniertes Lächeln wurde vergnügt aufrichtig.
Es schien so, als ob ihre Begeisterung auf Gegenseitigkeit beruhte.
*** ***
William hob das kleine Mädchen hoch und setzte sie auf seiner Hüfte an. „Schau geradeaus“, wies er sie an. „Siehst du das kleine rote Licht?“
„Uh-huh“, flüsterte Melanie.
„Da musst du hinsehen…und lächeln. Komm schon, Elfe…zeig ihnen deine schönen kleinen Zähne. Genau so.“ Er schaute den Fotografen an. „Hast du´s? Ich will ´nen Abzug davon.“
Widerwillig setzte er Melanie wieder auf ihre Füße, als er Buffy an der Seite stehen sah und sie angrinste. Er lockte sie mit seinem Zeigefinger in einer `Komm hierher´ Geste näher zu kommen.
Sie nahm an dass er wollte, dass sie Melanie sicher aus dem Fotobereich bringen sollte, also kam sie näher…und war doch etwas geschockt, als seine Hand sich ihre schnappte.
„Du bist dran“, sagte er sanft.
Buffy versuchte sich herauszureden. „Oh…nein. Ich…du hast da was falsch verstanden. Dies war nur für Melanie. Ich hab nicht…du verstehst…mich nicht eingetragen.“
Aber William schien es nicht zu interessieren. „Das ist schon in Ordnung“, versicherte er ihr und ließ ihre Hand einfach nicht los.
Melanie stand neben ihnen, ihre kleinen Arme waren umeinander gedreht wie eine Zuckerstange, ihre Finger waren ineinander verhakt und ihr Lächeln war noch nie so klar gewesen.
„Hör zu…ich kann das wirklich nicht machen“, murmelte Buffy und versuchte, sich aus seinem Griff zu lösen.
„Warum nicht?“
So peinlich es ihr auch war, sie hatte keine andere Wahl. „Weil“, sagte sie einsilbig. „Du unheimlich viel für ein Foto mit dir verlangst…und ich kann nicht…“ Ihre Stimme wurde leiser als sie den leicht rötlichen Ton auf seinen …erstaunlichen, wunderschönen…Wangen sah.
„Weißt du“, sagte er leise. „Ich habe keinen Einfluss auf die Preise. Mein Agent kümmert sich um all das. Wie teuer ist es denn?“
Als Buffy ihm es sagte pfiff er erstaunt. „Ich versteh, was du meinst.“
Sie glaubte ihm nicht wirklich. Geld war mit Sicherheit das letzte, woran dieser Mann denken musste. Obwohl sie sich in diesem Milieu nicht auskannte war sie sich sicher, dass er jede Woche einen dicken Gehaltsscheck bekam.
„Trotzdem“, er zuckte mit dem Schultern. „Mach es für mich. Ich bezahle das.“
Buffy schaute nach unten und sah, dass Melanie sie mit ihrem `Worauf wartet du noch´ Blick ansah. Sie ergab sich, nickte ihm zu und drehte sich zur Kamera um…sprang aber fast einen Meter zur Seite als sie spürte, wie William St. James seinen Arm um ihre Hüfte legte und die kurze Distanz zwischen ihnen schloss, indem er sie an sich zog.
„Entspann dich“, flüsterte er in ihr Ohr. „Ich beiße nicht…feste.“
Entspannen? Sehr witzig. Wie sollte sie sich denn entspannen, wenn sein starker Arm um ihre Hüften lag und sie seinen warmen Atem an ihren Haarsträhnen spürte. Buffy konnte sich beim besten Willen nicht entspannen.
Irgendwie brachte sie doch noch ein Lächeln zustanden, als der Auslöser gedrückt wurde.
„Nun…noch eins von uns dreien“, verkündete er, hob Melanie noch einmal hoch und hielt sie zwischen sich und Buffy.
Buffys Blick begegnete seinem…
Und der Fotograf schoss in dem Moment das Foto.
*** ***
Nachdem er sichergehen konnte, dass er sie bei der Autogramm Session wieder sehen würde, setzte er Melanie wieder auf den Boden und lehnte sich zu ihr herunter, um sich von ihr zu verabschieden.
Nachdem sie den Fotobereich verlassen hatte, winkte er seine Assistentin zu sich, bevor der der nächste Fan hereinkam.
Sieh zu, dass sie ihr Geld wiederbekommt und stell sicher, dass ich von allen drei Fotos einen Abzug bekomme.“
„Wie heißt sie denn mit vollem Namen?“
William starrte sie einen Moment lang an, dann lachte er leise. „Da muss ich mich erst schlau machen. Ich geb dir dann Bescheid.“
*** ***
Buffy machte ihr Autogramm auf einer Kreditkartenquittung und war froh, dass sie ihr Limit nicht überzogen hatte.
Sie nahm die dünne Papiertüte mit den 8x10 Fotografien entgegen, die Melanie sich ausgesucht hatte. Einige von ihnen waren Schnappschüsse aus der Serie, während die anderen von öffentlichen Veranstaltungen waren.
Jedes Bild kostete 15$ Dollar, also war es ein kleines Vermögen, was sie ihrer Tochter in die Hand drückte, die sie mit leuchtenden Augen ansah.
Oh was soll’s…was ist denn schon Geld.
*** ***
„Um Gottes Willen, Melanie. Wie viele T-Shirts brauchst du denn?“
„Was kosten sie?“
*** ***
„Das brauchst du doch gar nicht, Süße. Du hast doch gar keine Schlüssel.“
„Wir können ja welche für mich kaufen.“
*** ***
„Leg das Buch zurück!“
„Warum Mami?“
„Ist doch egal, warum. Leg es dorthin, wo du es herhast und lass uns weitergehen.“
*** ***
„Was ist das?“
„Das Raumschiff von Captain Amara.“
„Nun ich…warte mal…das musst du noch zusammenbauen. Das ist ein Modell.“
„Weißt du denn nicht, wie so etwas geht?“
„Nein, Du?“
„Nein.“
„Dann lass uns gehen.“
*** ***
„Ist das ein Glas für Puppen?“
„Nein, Schätzchen. Das ist ein Glas für Erwachsene.“
„Warum ist es dann so klein?“
„Ich…ich denke, wir haben halt nicht so einen großen Durst. Lass uns doch lieber diese Tasse mitnehmen, okay?“
„Okay.“
*** ***
„Nein. Keine Spielzeugwaffen.“
„Aber, ich hab doch gar nicht danach gefragt.“
„Nun…ich wollte es nur erwähnen.“
*** ***
„Was hat sie gesagt, Mami?“
„Dass, wenn man sie in der Verpackung lässt, sie irgendwann mal sehr viel Wert sein werden.“
„Oh. Aber dann kann man nicht mit ihnen spielen.“
*** ***
Sie saßen wieder in dem großen Saal. Melanie lag längs über zwei Stühlen und ihr Kopf befand sich auf dem Schoß ihrer Mutter.
Ein Knacken vom PA System erschreckte sie beide.
„In einem Moment beginnen wir mit der Autogrammstunde. Wir bitten Sie, sich in einer Reihe an der rechten Wand aufzustellen. Sie brauchen ihren grünen Schein und die Sachen, die sie unterschrieben haben wollen. Mr. St. James hat morgen früh einen sehr wichtigen Termin, also müssen wir alles etwas beschleunigen, so dass jeder an sein Autogramm kommt. Wenn sie an der Reihe sind, gehen sie bitte zum Tisch und reichen ihm das, was er unterschreiben soll. Versuchen Sie bitte nicht, ihn in ein Gespräch zu verwickeln oder bitten sie ihn nicht um eine Umarmung. Er wird nur Autogramme geben.“
„Wer war das Mami?“
„Ich weiß nicht Baby. Eine der Veranstalter, vermute ich.“
Buffy half Melanie sich aufzusetzen. Das kleine Mädchen gähnte und rieb sich die Augen.
Sie sah den Blick ihrer Mutter und sagte schnell: „Ich bin nicht müde.“
„Ja, das sehe ich“, antwortete Buffy amüsiert.
Fünf Minuten später wurden die Regeln noch einmal wiederholt.
„Sie hört sich nicht sehr nett an“, sagte Melanie leise und zeigte erste Anzeichen von Schüchternheit, die Buffy seit ein paar Stunden schon nicht mehr gesehen hatte. Das Mädchen starrte auf ihre Sandalen und faltete nervös ihre Hände.
„Sie macht nur ihren Job, Baby“, sagte Buffy, legte einen Arm um des Mädchens Schulter und zog sie an sich. „Brauchst keine Angst zu haben.“
*** ***
Melanie lugte um den Vorhang, der William St. James vom Rest der Menschenmenge abschirmte und Buffy stieß ihre Tochter vorsichtig an, damit sie ihre kleinen Füße bewegte.
William schaute auf und sah sie. „Komm her, Elfe“, grinste er und klopfte auf den Tisch.
Mit kleinen langsamen Schritten ging Melanie vorwärts und hielt das 8x 10 Foto mit ihren kleinen Händen fest umklammert.
Er wunderte sich sehr über ihr Verhalten. Aus einem unerklärlichen Grund war ihre natürliche Ruhe ihm gegenüber verschwunden und sie sah ihn noch nicht mal an.
„Melanie? Stimmt was nicht?“
Sie schüttelte den Kopf und legte ihr Bild auf den Tisch.
„Bist du sicher, Liebes?“ fragte er noch mal nach.
Dieses Mal nickte sie und schob das Bild über den Tisch.
Er mochte das überhaupt nicht und sah Buffy an. „Ist etwas passiert?“
Sie hätte ihm sagen können was los war, falls nicht `seine´ Leuten links und rechts neben ihm sitzen würden.
„Melanie…warum sprichst du nicht mit mir?“ fragte er.
Ihre Augen wanderten kurz zu der Frau, die rechts von ihm saß…eine attraktive Frau mit dunklem Haar, großen braunen Augen und einen abstoßenden Gesichtsausdruck…und dann zurück zu William.
„Sie hat gesagt, dass ich das nicht darf“, flüsterte sie.
„Wer hat das gesagt?“
„Die Regel-Frau.“
„Die Regel…die WAS Frau?“
Melanie senkte den Blick und starrte auf den Tisch. „Die Regel-Frau. Sie sagte, das wir nicht mit dir sprechen dürfen oder dich in den Arm nehmen oder sonst was.“
Allmählich verstand er. „Oh, DIESE Regeln“, nickte er. „Mach dir darüber keine Sorgen, Elfe.“ Er lehnte sich nach vorn und flüsterte, „Die Regel-Frau arbeitet für mich.“
„Oh, wirklich?“ flüsterte sie zurück. „Sie spricht wirklich sehr laut.“
„Echt? Da muss ich mal drauf achten.“
„William“, unterbrach sie die dunkelhaarige Frau. „Es ist schon spät. Du musst das jetzt beenden.“
Melanies Augen wurden vor Überraschung riesengroß und sie drehte sich zu ihrer Mutter um. „Das ist die Regel-Frau, Mami. Sie sieht aber nicht krank aus.“
„Krank?“ unterbrach sie diesmal William. „Warum denkst du, das sie krank ist?“
„Ich hab Mami gefragt, warum sie sich so schlecht gelaunt anhört und Mami meinte, dass sie vielleicht PMS hätte. (Anmerkung des Übersetzers: PMS= Prämenstruelles Syndrom. Die Tage vor den Tagen)
Er biss sich auf die Innenseiten seiner Wangen um nicht zu lachen, dann sah er die Frau neben sich an.
„Also Dru?“ fragte er. „Warum hörst du dich so schlecht gelaunt an?“
Ein mürrischer Blick war die einzigste Antwort, die er bekam.

Er sah Melanie wieder an, machte ein „Uh-oh“ Gesicht und ließ die eine Hand hin und her schlenkern, als ob sich verbrannt hätte, was das kleine Mädchen zum Kichern brachte. Er zog das Foto unter ihren Fingern weg und machte den Verschluss des goldenen Stiftes ab. Als er zu schreiben begann sah Melanie zu, wie die goldenen Buchstaben erschienen und ihre Augen wurden riesengroß.
„Oh…das ist schön“, sagte sie lächelnd. „Meine Stifte können das nicht.“
Er beendete seinen Namen mit einem Schnörkel und hielt ihr dann das Bild und den Stift entgegen. „Nimm diesen. Ich hab noch mehr davon.“
Mit einem gereizten Seufzen öffnete die Frau neben ihm eine durchsichtige Mappe mit Fotos und holte einen neuen Goldstift heraus. Sie legte ihn vor William hin und sah Melanie mit einem Blick an der ihr sagte, dass ihre Zeit um war.
Melanie gab das Foto und den Stift ihrer Mutter, damit sie es für sie festhalten konnte, dann legte sie beide Handkanten auf jeder Seite ihres Mundes, damit niemand sehen konnte, was sie sagte. „Danke sehr.“ flüsterte sie.
William macht das gleiche mit seinen Händen. „Gern geschehen.“
„Melanie?“ sagte Buffy leise, die neben ihr stand. „Es ist jetzt Zeit, sich zu verabschieden.“
Sie legte ihre Hand in die ihrer Mutter und schenkte William ein letztes Lächeln. „Bye.“
Er saß da und beobachtete einen Moment wie sie fort gingen, als er plötzlich aufsprang.
„Was hast du vor?“ fauchte Dru und griff nach seinem Ärmel.
Er ignorierte sie und drehte sich zu der Person um, die auf sein Autogramm wartete. „Könnten Sie einen Moment warten?“ fragte er so freundlich wie er konnte, wenn man bedachte, wie eilig er es hatte. „Ich habe etwas vergessen…uh, es ist…was Persönliches. Ich verspreche, dass ich sofort wieder da bin.“
Der Fan grinste breit und nickte. William riss sich von Dru los und ging mit großen Schritten Buffy und Melanie nach.
*** ***
Sie war ungefähr fünf Meter gekommen und zog ihr widerwilliges Kind hinter sich her, als sie eine leichte Berührung an ihrer Schulter spürte.
Buffy war so überrascht, dass sie laut aufkeuchte. Es warteten Menschen auf ihn, warum lief er ihnen hinterher?
„Stimmt etwas nicht?“ fragte sie. Vielleicht wollte er den Stift wiederhaben.
„Nein. Nun…doch.“ sagte William und kniete sich dann vor Melanie. „Hey…du weißt doch noch von der Regel mit der Umarmung und so?“ Als das Kind nickte, zuckte er mit den Schultern. „Also ich hätte sehr gern eine. Denkst du, ich könnte er von dir bekommen?“
Melanie sah zu ihrer Mutter hinauf, welche das Schulternzucken von William imitierte und ihre Hand losließ.
Buffy beobachtete genau, wie Melanie mit der Situation umging. Sie war nicht gerade der Typ, der sich gern in den Arm nehmen und drücken ließ, außer von ihrer Mutter oder Oma. Als sie noch jünger gewesen war, hatte sie es bei ihrem Vater öfter mal versucht und wurde immer mit einer scheinheiligen Ausrede enttäuscht. Entweder hatte er einen neuen Anzug an, oder sein Hemd war frisch gebügelt. Seitdem war sie immer sehr vorsichtig. Wenn jemand sie umarmen wollte, legte sie ganz leicht ihre Arme um dessen Hals und wartete darauf, von demjenigen gedrückt zu werden.
Melanie überraschte ihre Mutter abermals als sie zwar genau das tat, aber ihre Arme fester um seinen Hals schlang und ihre Wange an Williams drückte.
Ein paar Sekunden später zog er sich etwas zurück und küsste eben diese weiche Wange. „Ich bin wirklich froh, dass du heute hier warst“, sagte er leise.
„Ich auch“, antwortete Melanie genauso leise.
Buffy nutzte den Moment und schaute zurück zu dem Tisch. Der Fan, der dort stand, sah glücklich und zufrieden aus, aber die dunkelhaarige Frau, die William `Dru´ genannt hatte, schien alles andere als zufrieden zu sein. Wenn Blicke töten könnten, wären sie und Melanie auf der Stelle tot umgefallen.
Komisch, aber es machte ihr rein gar nichts aus.
Sie unterdrückte den kindischen Drang, ihr die Zunge herauszustrecken, denn sonst wäre sie ja ein schlechtes Beispiel für ihre Tochter, also lächelte Buffy sie einfach an. Das schien sie noch mehr zu verärgern und Buffy fragte sich, wer sie war…seine Managerin, die nur ein Auge auf ihren Klienten warf, oder eine eifersüchtige Freundin.
Die Augen der Frau wurden schmal, als William aufstand und Buffy am Arm packte. „Kann ich mal kurz mit dir sprechen?“ fragte er und ging mit ihr ein paar Schritte von Melanie weg, welche es überraschender Weise zuließ, allein gelassen zu werden.
„Uh…Ich…Ja, okay“, sagte sie unsicher und stolperte hinter ihm her. „Was ist denn?“
Er war für einen Moment sehr ruhig und sammelte anscheinend seine Gedanken. „Ich will ja nicht aufdringlich erscheinen“, begann er zögerlich. „Aber…ich möchte euch wieder sehen. Euch beide.“
Dies war das letztem was sie vermutet hatte. Ein wenig verwirrt durch seine Worte blickte sie ihn mit einem leichten Lächeln an. „Wollen Sie das wirklich?“
„Ja.“ Er stellte sich genau vor sie hin und versperrte damit Dru, die Buffy mit einen scheußlichen Blick angesehen hatte, die Sicht. „Ich denke nicht, dass du zur Party heute Abend kommst?“
Sie schüttelte automatisch den Kopf. „Ich hab mich nicht…“
„Ich weiß schon“, ging er dazwischen. „Du hast dich dafür nicht eingetragen, aber das ist mir egal. Würdest du als…mein Gast…kommen?“
Es war ein verführerisches Angebot. Sie war schon lange nicht mehr abends aus gewesen. An das letzte Mal konnte sie sich noch nicht einmal erinnern. Heutzutage bestand ihr Partyleben aus Feten bei Chuck E. Chesse (Fastfoodkette). Und selbst die waren äußerst selten, weil Melanie durch ihre Schüchternheit kaum Freunde hatte.
Aber als sie ihre Tochter ansah, änderte sie ihre Meinung. Melanie saß auf einem Stuhl neben der Tür und ihre Augen fielen immer mehr zu. Sie war schon seit dem Morgengrauen auf und hatte wegen der Vorfreude auf die Convention fast die ganze Nacht unruhig geschlafen. Sie würde nicht noch eine Party überstehen. Eine Party, die sowieso nichts für sie war.
„Wir können wirklich nicht“, sagte sie. „Melanie ist fix und fertig und ich bin auch total ausgelaugt, aber danke für die Einladung.“
Er sah es ein und versuchte erst gar nicht, sie zu überreden. „ Also, kann ich dich anrufen?“
Während sie sich noch fragte, ob sie das richtige tun würde, nickte Buffy „Sicher.“ Sie wühlte in ihrer Tasche herum, bis sie ihr Kartenetui gefunden hatte.
Sie öffnete es und gab ihm eine ihrer Visitenkarten. „Das ist die Nummer von meiner Arbeit und das die Private“, erklärte sie ihm.
William sah sich die Karte an. Sie war zartrosa und hatte einen perlmuttfarbenen Schimmer. In Altrosa stand „Melanie´ s Garden“ darauf.
Er las es laut vor und sah sie neugierig an. „Was ist das?“
„Ich besitze eine Kinderboutique im Einkaufszentrum. Melanie und ich haben die Schaufenster mit einem Lattenzaum und Blumen bemalt“, erklärte Buffy und sagte dann schulterzuckend: „Melanie´ s Garden.“
William lächelte vergnügt. „Es ist perfekt“, sagte er leise. „Es passt zu euch beiden. Ich kann es kaum abwarten, den Laden zu sehen.“
Dru räusperte sich und er runzelte die Stirn. „Ich muss…“ Er sah zum Tisch.
„Ich weiß“, sagte Buffy. „Ich muss…“ Sie nickte in Melanies Richtung, diese lächelte als sie bemerkte, dass Buffy und William sie ansahen. Ihre kleinen Hände lagen auf ihrem Schoß und sie versuchte krampfhaft, die Augen offen zu halten.
„Also kann ich dich wirklich anrufen?“ murmelte er.
„Sicher.“ Sie wäre beinahe aus ihrer Haut gefahren, als seine Hand ihren Arm hinunterfuhr und die ihre fand und sie fest drückte.
Er zögerte ein weiters Mal. „Buffy?“
„Hmm?“
Er lehnte sich näher und flüsterte in ihr Ohr: „Ich werde es nicht versuchen, aber ich möchte dass du weißt, dass ich noch nie so sehr eine Frau küssen wollte wie dich im Augenblick.“
Mit dieser Äußerung warf er sie komplett aus dem Gleichgewicht. Er drückte noch einmal ihre Hand und ging, um sich von Melanie zu verabschieden.
Buffy öffnete langsam ihre Hand und schaute auf das kleine Stück Papier, was er ihr zugesteckt hatte. In einer unsauberen Schrift stand dort sein Name und…eine Telefonnummer.
*** ***
Buffys Absätze klackerten auf dem Asphalt der Tiefgarage. Sie trug haufenweise Tüten und ein kleines Bündel, das keinen Schritt mehr laufen konnte.
Als sie das Kind neben dem Auto heruntergesetzt hatte und nach ihrem Schlüssel suchte, starrte Melanie auf das unterschriebene Bild, das sie nicht mehr aus den Augen ließ. „Mami?“ fragte sie. „Was heißt das?“
Buffy drehte den Schlüssel im Schloss und hoffte, dass sich dieser drehen ließ. „Sein Name, Baby“, erwiderte sie abwesend und drehte den Schlüssel etwas fester.
„Nein…das hier.“ Melanie hielt Buffy das Bild hin, als diese es endlich geschafft hatte, die Autotür aufzuschließen. Buffy nahm es, sah es sich an und war überrascht, dass er tatsächlich mehr geschrieben hatte als nur seinen Namen:
Für Melanie…ein besonders leuchtender Stern. In Liebe, William St. James.
„Was bedeutet das?“ fragte ihre Tochter, nachdem Buffy es laut vorgelesen hatte.
„Es ist aus einen Stück von William Shakespeare (All well That Ends Well).“ Sie hob das Kind hoch, setzte sie auf ihren Kindersitz und schnallte sie an. „Es bedeutet, dass er dich mag…und er glaubt, dass du ein ganz besonderes kleines Mädchen bist.
„Er mag dich auch.“ sagte Melanie nach einen Moment.
Buffy lächelte. „Oh wirklich? Und woher weißt du das?“
Ihre Tochter zuckte mit den Schultern und gähnte. „Weil du netter als die Regel-Frau bist.“
*** ***
Sie war in der Küche und kochte Spagetti, als das Telefon klingelte.
Melanie saß am Küchentisch und malte die richtigen Antworten ihrer Hausaufgaben aus, die ihre Lehrerin ihnen aufgegeben hatte.
Den ganzen Sonntag und Montag hatte Buffys Herz immer schneller geschlagen, wenn das Telefon geklingelt hatte, doch William St. James hatte nicht angerufen und sie war sich nicht sicher, ob sie darüber erleichtert oder enttäuscht sein sollte.
Sie griff nach dem Telefon und klemmte es sich zwischen ihre Schulter und ihr Ohr, während sie die Spagettisauce umrührte. „Hallo?“
„Mrs. Connor? Hier ist Jean Ashton…Melanies Lehrerin.“
„Oh Hi.“ Buffy verschwand hinter der Wand, die die Küche und das Esszimmer abtrennte. „Ich heiße jetzt Summers“, sagte sie leise. „Ich bin geschieden.“
Die Lehrerin entschuldigte sich und erklärte dann, warum sie angerufen hatte. „Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass heute etwas Ungewöhnliches in der Klasse passiert ist.“
„Was denn?“
„Melanie hat bei der „Erzählstunde“ mitgemacht…freiwillig.“
Buffy war sprachlos. Nie hatten es Melanies Kindergärtnerin oder Miss Ashton geschafft, dass das Kind bei der „Erzählstunde“ mitmachte. Tatsächlich war es einmal passiert, dass eine Kindergärtnerin darauf bestanden hatte. Das Kind war aufgrund dessen in Tränen ausgebrochen und Buffy musste kommen, um sie abzuholen.
Nach einer kurzen Unterhaltung mit der fassungslosen Betreuerin musste Melanie nie wieder bei so etwas mitmachen. Dies wurde ihrer Lehrerin auch bei der Einschulung erklärt und es gab bis dahin auch nie Probleme.
„Sind Sie sicher, das Sie die Richtige Mutter angerufen haben?“ fragte Buffy.
Obwohl Miss Ashton immer sehr ernst war, musste sie doch lachen. „Ich war auch überrascht“, sagte sie. „Melanie stand vor der Klasse und erzählte uns, dass sie auf einer Art Fan-Convention von `Outpost: Space´ war am letzten Wochenende?“
„Das stimmt“, bestätigte Buffy und segnete noch einmal William St. James. Selbst wenn er niemals anrufen würde, wäre sie ihm für immer dankbar, dass er sich so um ihre Tochter gekümmert hatte, was ihr anscheinend gut getan hatte.
„Und sie hat uns erzählt, dass sie den Star der Show getroffen hätte? Und dass sie zusammen mit ihm fotografiert wurde?“
Buffy bejahte alles sehr glücklich.
Doch dann kam der große Knall.
„Bis dahin habe ich ja auch alles noch geglaubt, bis sie dann zum Schluss behauptete…“
Buffys Nerven waren angespannt. „Was hat sie gesagt?“
„Nun…um die Wahrheit zu sagen, Miss Summers…Melanie behauptete vor der ganzen Klasse, dass William St. James ihr…neuer Vater wäre.“