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Kapitel 26: The Sun Goes Down

„Meine Fruchtblase ist geplatzt.“ Einen Arm hatte Buffy um ihren Bauch gelegt, während sie mit der anderen auf den Schlamassel am Boden zeigte. „Könntest du mir ein neues Paar Schuhe geben?“, fragte Buffy und ging zu einem Stuhl herüber. „Ich möchte sie wechseln, bevor wir gehen.“

„Schuhe…und die Tasche…Ich glaub das bekomme ich hin.“ Spike rannte los. Er achtete gar nicht auf die Pfütze am Boden, als er ins Schlafzimmer huschte. Er schnappte sich die erstbesten Schuhe, die er finden konnte, und nahm die Tasche mit, die schon seit Monaten neben der Tür stand. „Okay…wie weit liegen die Wehen auseinander?“, schrie Spike, als er bei Buffy ankam.

„Schrei mich nicht an! Warum schreist du mich so an?“, fragte Buffy, doch bevor Spike antworten konnte, hatte Buffy sich das Telefon geschnappt und begann zu wählen.

„Wen rufst du an?“, fragte er, als er Buffy die nassen Schuhe auszog.

„Hallo? Joyce! Spike und ich haben uns über Sex gestritten. Ich habe Wehen und er wollte mich verlassen!“ Buffy begann hysterisch zu schluchzen. „Meine Fruchtblase ist geplatzt und alles was ich ihn fragte war, ob er mir das Paar neue Schuhe holen könnte, welches du mir gekauft hast, und er brachte mir meine flauschigen Hausschuhe und dann….und dann…hat er mich angeschrieen!“

Spike sah seine Frau verwirrt an. Schnell riss er ihr die Hausschuhe von den Füßen und schnappte sich das Telefon. Als er den Hörer an sein Ohr hielt, konnte er das Gemeckere seiner Mutter hören. „Mom….Mom….MOM! Ich wollte sie nicht anschreien!“ Er rannte zurück ins Schlafzimmer und ließ das Telefon vor Aufregung fallen. Er bückte sich, um es aufzuheben und als er wieder nach oben kam, stieß er sich den Kopf an der Wand.

„Spike! Spike vergiss es einfach, lass uns los. Ich glaube wir haben nicht mehr viel Zeit!“ Buffy erhob sich schwerfällig vom Stuhl. „Spike, SCHIEB DEINEN ARSCH HIERHER!“ Sie begann wie ein Tiger auf und ab zu gehen. Spike kam einige Augenblicke später mit den Schuhen, die Joyce ihr vor ein paar Wochen gekauft hatte, wieder. „Endlich“, sagte Buffy und riss ihm die Schlappen aus der Hand. Als sie fast die Haustür erreicht hatten, krümmte sie sich vor Schmerzen. Spike nahm ihre Hand und hielt sie ganz fest, während er ihr mit der anderen beruhigend über den Rücken strich. Buffy schaute zu ihm hinauf. „Was hast du gemacht?“, fragte sie mit zusammengebissen Zähnen und zeigte auf seine Nase.

„Ich bin hingefallen, als ich deine Schuhe geholt habe.“

„Verdammt, Spike. Du blutest wie ein Schwein.“ Buffy ging zurück in die Küche und schnappte sich ein Handtuch. „Ruf einen Krankenwagen. Ich lasse dich nicht fahren“, sagte sie und warf ihm das Handtuch zu.

Spike wischte sich das Blut vom Gesicht. „Buffy, mir geht es gut. Lass uns gehen.“

„RUF EINEN KRANKENWAGEN!“, schrie Buffy hysterisch.

Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis der Notarzt kam. Spike und Buffy liefen die ganze Zeit in ihrer Wohnung auf und ab und mit jedem Augenblick, der verging, wurde Buffy immer aufgebrachter. In einem Moment schrie sie ihren Mann an, dass er sie niemals wieder anfassen dürfte, danach wiederum fing sie an zu weinen und sagte, wie schön es wäre, ein Kind zu bekommen, und manchmal schrie sie wie am Spieß, als stechende Schmerzen durch ihren Körper fuhren.

Spike wusste nicht was er tun sollte, also versuchte er sie zu beruhigen. Buffy sah ihn an und sagte: „Ich glaube da stimmt etwas nicht.“ Noch nie in seinem Leben hatte er solche Angst gehabt wie in diesem Moment.

Schnell brachte Spike sie herüber zum Sofa. Als er ihre Beine hochhob bemerkte er, dass ihre Füße angeschwollen waren. Schnell rief er den Notruf an und bevor die Frau am anderen Ende der Leitung irgendetwas sagen konnte, erzählte Spike ihr von Buffys Füßen.

„Fragen sie, wie sich ihr Kopf anfühlt“, sagte die Frau.

„Buffy, wie fühlt sich dein Kopf an?“

„Er tut weh. Er tut höllisch weh“, sagte Buffy und fing an zu weinen.

Es klopfte an der Tür. „Ich glaube der Notarzt ist da“, sagte Spike und legte auf. Er öffnete die Tür und ließ die zwei Männer eintreten.

Sie legten Buffy auf die fahrbare Trage, während Spike ihnen von ihren Füßen erzählte. Als sie im Krankenwagen saßen, kümmerten sie sich erst einmal um Spikes blutige Nase.

Mit Blaulicht schafften sie es sehr schnell ins Krankenhaus. Spike war total benommen, als die Notärzte dem zuständigen Arzt die Sache mit Buffys Füßen und ihrem Blutdruck erklärten. Spike hielt Buffys Hand, während sie durch die Gänge geschoben wurde.

Plötzlich wurde Buffys Griff um seine Hand sehr schmerzvoll. Er schaute auf seine Frau herunter und sah, dass ihr ganzer Körper zitterte und bebte. „WAS IST LOS?“, schrie Spike den Arzt an.

„Sie hat einen Krampfanfall“, sagte die Frau, als sie Buffys Blutdruck maß. „160 zu 125“, sagte sie zu einer Schwester, die auf der anderen Seite von Buffy stand. „Ich werde nicht warten, bis sie ihr Kind auf natürliche Weise bekommen hat. Wir bringen sie auf die Chirurgie und holen das Kind per Kaiserschnitt.“ Mit diesen Worten löste die Ärztin Spikes Hand von Buffys und schob sie schnell den Gang hinunter. Spike stand dort und schaute ihnen mit Tränen in den Augen hinterher.

Er stand immer noch an der gleichen Stelle, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte. „William, was ist passiert?“

Spike drehte sich um und sah seine Eltern vor sich stehen.

„Ich bin nicht sicher“, sagte er. „Sie haben sie auf die Chirurgie gebracht. Sie werden das Kind per Kaiserschnitt holen.“

Rupert nahm seinen Sohn in den Arm und drückte ihn fest an sich.

  In den Armen seines Vaters fühlte sich Spike selbst wie ein kleines Kind und er wollte Rupert am liebsten fragen, ob er alles wieder gut machen könnte, doch er brach in der Umarmung zusammen und weinte bitterlich.  


Kapitel 27: Sliding Doors

 

„Als erstes möchte ich Ihnen zu einer wunderschönen, gesunder Tochter gratulieren. Sie hat zehn Finger und zehn Zehen und wunderbare Werte. Wir werden sie ein paar Tage hier behalten um sicher zu gehen, dass auch alles wirklich in Ordnung ist“, sagte Dr. Winifred Burkle und holte ein Formular aus der obersten Schublade ihres Schreibtisches.

„Wie Sie wissen gab es einige Komplikationen während der Geburt. Ihr Blutdruck war eindeutig zu hoch und sie hatte massiv geschwollene Gelenke an ihren Händen und Füßen. Als sie dann die Krampfanfälle bekam, haben wir es für besser gehalten, einen Keiserschnitt vorzunehmen, um den Körper Ihrer Frau und das Baby von dem Geburtsstress zu schonen. Elizabeth hatte das, was wir eine Eklampsie nennen. Meistens findet man keine Anzeichen, aber des Öfteren zeigen werdende Mütter bevor sie gebären doch Anzeichen einer Schwangerschaftstoxikose.

 

„Warum haben wir dann davon nichts gewusst?“, fragte Spike und seine Stimme klang dünn und schwach.

 

„Ich bin die Akte von Mrs. Giles mal durchgegangen und habe gesehen, dass sie Anzeichen dafür zeigte, aber sie hatte nichts von den Krankheiten in ihrer Familie erzählt durch den ganzen Stress in den letzten paar Monaten. Ihr Arzt hatte in seinen Akten vermerkt, dass sie das erste Semester auf dem College hinter sich gebracht hat und ihren Bruder durch einen Autounfall verloren hat. Es ist eigentlich normal, dass eine junge Frau, die ihr erstes Baby erwartet, Anzeichen einer Schwangerschaftstoxikose zeigt, wenn sie unter solch einem Druck steht.“

 

Dr. Burkle legte die Akte beiseite. „Außerdem zeigte sie keine Anzeichen von zu hohem Protein in ihrem Urin oder Wasser in ihren Lungen. Nur die geschwollenen Gelenke und der hohe Blutdruck ließ uns vermuten, was mit ihr nicht stimmte. Ehrlich gesagt kann ich nicht sagen, ob überhaupt ein Arzt eine Art von Eklampsie festgestellt hätte.“

 

„Also kann ich jetzt zu ihr?“ Er war müde. Es waren nur ein paar Stunden her, seit Buffy ihn angeschrieen hatte, dass ihre Fruchtblase geplatzt wäre und jetzt war er so müde. Spike schauderte es wenn er nur daran dachte, dass manche Geburten Tage dauerten.

 

„Zuerst möchte ich ihnen noch ein paar Dinge sagen.“

 

„Geht es ihr gut?“, fragte Spike besorgt.

 

„Es gab Komplikationen bei der Geburt. Elizabeth erlitt einen Schock. Wir mussten sie so schnell wie möglich stabilisieren. Sie erlitt einen erneuten starken Krampfanfall, bevor wir sie für den Kaiserschnitt vorbereiten konnten. Ihr Gehirn bekam nicht genug Sauerstoff, deswegen erlitt sie einen Schock.“  Traurige Augen blicken einen Ehemann an, der an diesem Tag schon einiges mitgemacht hatte. „Außerdem reagierte Buffy auf eines der Medikamente allergisch, das wir ihr gaben um die Krämpfe zu lösen. Es stand nichts in ihrer Akte, dass sie eine Allergie hatte.“

 

„Hören Sie auf…Ich will nichts mehr hören, sagen Sie mir einfach, was mit ihr los ist“, sagte Spike und machte sich auf das Schlimmste gefasst.

 

„Sie liegt im Koma.“

 

****

 

Seine Gedanken rasten, als er durch die langen Krankenhausflure schritt. Er verstand nichts von dem, was die Ärztin ihm gesagt hatte. Ihr ging es doch gut, es gab keine Anzeichen von irgendwelchen Schwierigkeiten. Er wollte sie schütteln, sie küssen, sie aufwecken, um ihr das kleine Wunder zu zeigen, das sie kreiert hatten. Für ihn war es ein Zeichen. Ein Zeichen, dass alles wieder gut werden würde, dass sie zusammen gehörten.

 

Ein gutes Stück vor ihrem Zimmer blieb er stehen. Er zog seinen langen schwarzen Mantel fester um seine Schultern und machte sich selbst Mut. Wappnete sich für den innerlichen Kampf, der kommen würde, wenn er die Tür öffnete, die nun nur noch eine Armlänge von ihm entfernt war. Ein blauhaariger Oz nickte ihm zustimmend zu und Spike schritt durch die Tür.

 

Nachdem Dr. Burkle gegangen war, saß er noch einen Moment wie angewurzelt auf dem harten Krankenhausstuhl und fühlte sich hin und her gerissen. Sollte er nun zu seinem Baby gehen, oder zu seiner Frau, die mit lauter Schläuchen in ihrem Körper da lag? Willow hatte ihm die Entscheidung abgenommen, als sie sagte, sie würde sehr gerne bei ihrem Patenkind sitzen, also stand er nun vor Buffys Tür. Er hatte sie ein kleines Stück geöffnet und er schloss die Augen als er sie ganz öffnete, weil er sich vor dem fürchtete, was dahinter lag.

 

Sein erster Gedanke war, wie wunderschön Buffy aussah. Er sah die dunklen Ringe unter ihren Augen nicht. Er sah nicht, wie blass ihre Haut aussah. Ganz langsam und leise zog er seinem Mantel und seine Schuhe aus. Mit der Grazie einer jagenden Katze näherte er sich dem Bett, legte sich neben Buffy und zog sie in seine Arme.

 

*****

 

„Also, wie geht es ihr?“, fragte Willow Rupert und Joyce.

 

„Sie liegt im Koma“, sagte Rupert leise.

 

„Wissen Sie wann sie aufwachen wird?“

 

„Nein. Es kann Stunden,  sogar Tage dauern.“

 

„Oh.“ Willow zeigte ihnen das jüngste Mitglied der Giles Familie und ging dann langsam in einen der Besucherwaschräume. Sie ging in die erstbeste Kabine. Klappte den Toilettendeckel zu, setzte sich darauf und brach zusammen. Sie wusste genug über Buffys Symptome um zu wissen, wie ernst es um sie stand. Als Joyce ihr erklärte was passiert war, hatte Oz sich zu ihr umgedreht und hatte gefragt, was denn schief gelaufen wäre. Sie hatte mitbekommen, wie eine Schwester irgendetwas von einer Eklampsie geflüstert hatte und sie hatte sich danach ausgemalt, was alles hatte passieren können. Krämpfe, Schwellungen, Sauerstoffverlust, Ohnmacht, Koma…ja, selbst sterben hätte sie können. Das letzte brachte Willow zum Weinen, denn das hätte nicht nur den Tod der Mutter bedeutet, sondern auch den des ungeborenen Kindes. Obwohl sie erleichtert war als sie hörte, dass das Baby okay wäre, hatte sie in den Augen der Schwester gesehen, dass da noch mehr passiert war. Denn die junge Schwester konnte ihre Tränen nicht unterdrücken.

 

*Das ist alles viel zu früh*, dachte sie, als sie über ihre Augen wischte. *Ich habe gerade erst Xander verloren. Ich kann nicht beide meiner besten Freunde verlieren.*

 

Kapitel 28: No Rest

Eine Woche war vergangen und Buffy ging es nur ein bisschen besser. Jeden Tag verbrachte Spike an ihrem Bett. Rupert und Joyce hatten es mit der Krankenhausleitung abgesprochen, dass Spike und das Baby bei ihr mit im Krankenzimmer bleiben konnten.

Obwohl Schwestern und Ärzte in dem Zimmer ein und ausgingen, lernte Spike sehr schnell, wie er seine Frau versorgen musste. Ein paar Mal am Tag bewegte er ihre Arme und Beine, um die Muskeln zu bewegen. Er verbrachte Stunden damit, ihre Glieder, ihren Rücken und ihre Füße zu massieren.

Die Pflege seiner Frau hatte für ihn höchste Priorität, doch er nahm sich aber auch noch genügend Zeit um zu lernen, wie er sein Baby umsorgen musste. Er war verwundert, wie viel Zeit so ein kleiner Wurm in Anspruch nahm.

Oft genug konnte man die Schwestern kichern hören, weil der gutaussehende Mann dabei gesehen wurde, wie er seiner Tochter etwas vorsang, oder Fratzen schnitt, um sie zum Lachen zu bringen.

Jeden Abend, nachdem er seine beiden Mädchen für die Nacht umgezogen hatte, las er ihnen etwas aus einem alten Märchenbuch vor, das Joyce ihnen vor Wochen geschenkt hatte.

*****

Rupert stand auf dem Flur vor der offenen Zimmertür und ging die vorbereitete Ansprache noch mal in seinem Kopf durch. Es war keine angenehme Angelegenheit, doch er fand, dass es das Beste wäre. Er holte also tief Luft und betrat das Zimmer. „William“, sagte er leise.

Spike schaute von seiner Tochter auf, die er in seinem Arm hielt. „Dad.“

„Ich habe hier ein paar Papiere, die du ausfüllen müsstest.“

Spike legte das Baby vorsichtig in das Kinderbettchen. „Kann das nicht warten?“

„Nein. Ich denke das muss jetzt sein.“

Mit einem tiefen Seufzer zog Spike einen Stuhl zu sich. „Okay, worum handelt es sich?“

„Das Krankenhaus braucht deine Einwilligung.“

„Für was?“

„Spenden.“

„Spenden…wie Organe?“

„Ja.“

Spike sagte nichts. Er setzte sich hin und wartete.

„William, ich weiß, dass dies keine leichte Entscheidung ist. Ich weiß, dass du über solche Dinge nicht nachdenken möchtest, doch wir müssen anfangen, Entscheidungen zu treffen.“

Spike stand auf und ging zu dem Tisch herüber, auf dem ein Tablett stand. Nachdem er sich etwas Wasser in einen Becher gegossen hatte, ging er zum Fenster.

„William.“

„Nein.“

„Nein“, wiederholte Rupert. Die Worte seines Sohnes waren so leise, dass er sie fast nicht vernommen hatte. „Nein?“

„Nein, du…“, Spike drehte sich zu seinem Vater um. „Du verstehst das nicht…Du kannst das alles nicht verstehen.“ Spike stellte den immer noch vollen Becher ab. „Ich werde gar nichts unterschreiben…Ich gebe nicht auf.“

„Wenn du die Papiere unterschreibst heißt das NICHT, dass du aufgibst. Es bedeutend nur, dass du verstehst, wie ernst die Lage ist und du wirst garantiert nicht in der Verfassung sein, die Papiere zu unterzeichen, wenn es zu spät ist.“

Spike ging zu seinem Vater herüber. Nachdem er seine Tochter wieder in seinen Armen hielt, sprach er weiter. „Buffy wird es schaffen. Sie ist eine Kämpfernatur. Sie hat ihr ganzes Leben über gekämpft.“ Er drückt das schlafende Baby ganz fest an sein Herz und begann ganz leise Geschichten von seiner Mutter zu erzählen, die er von Xander und Willow gehört hatte.

*****

Zwei Wochen waren vergangen und noch immer hatte sich an Buffys Zustand nichts geändert. Willow und Joyce kamen jeden Tag und blieben für ein paar Stunden. Nach dem Gespräch mit seinem Vater eine Woche zuvor hatte Spike sich langsam von den anderen zurückgezogen. Oz war der einzige, mit dem er noch regelmäßig am Telefon sprach. Eines Tages kam Oz bei ihm vorbei.

„Was immer auch los ist. Ich bin mir sicher, dass ich es nicht hören möchte.“ Spike hatte schon darauf gewartet, dass die beiden Frauen seinen besten Freund bei ihm vorbei schicken würden.

„Du musst hier raus.“

„Nein. Ich werde sie nicht verlassen.“

Oz öffnete eine große Box und holte einen riesigen bunten Blumenstrauß heraus.

„Sie darf keine Blumen haben.“

„Ich weiß, sie sind nicht echt“, sagte Oz und arrangierte die Seidenblumen im ganzen Raum.

Spike beobachtete seinen Freund wie er durch das Zimmer ging und die Blumen verteilte. Außerdem hatte er mehrere bunte Poster dabei. „Was tust du da? Sie wird nicht mehr lange hier bleiben.“

Oz befestigte den letzten Streifen Tesafilm am letzten Poster und hängte es an der gegenüberliegenden Seite von Buffys Bett auf. Es war ein besinnliches Bild, auf dem zwei Pferde am Ufer eines Flusses entlang rannten. Der erste Teil seines Plans war geschafft.

Oz setzte sich gegenüber von Spike hin. „Du sagst das nur, weil du es nicht wahrhaben willst, dass dies alles wahr ist.“ Spike schaute seinen blauhaarigen Freund ablehnend an. „Buffy liegt im Koma. Es kann sein, dass sie niemals aufwachen wird. Das ist die Wahrheit.“ Er holte tief Luft um weiter zu reden. „Und weißt du, was noch real ist? Deine kleine Tochter. Nimm sie und gehe mit ihr nach draußen. Zeig ihr Menschen, die nicht in einem Krankenhaus liegen oder arbeiten. Zeig ihr euer Zuhause.“

„Ich kann nicht.“

„Du musst es aber irgendwann mal.“

„Nein…wir haben ihr noch keinen Namen gegeben. Sie kann noch nicht gehen.“

„Und warum hat sie noch keinen?“

*Flashback*

„Buffy, wir müssen uns entscheiden.“

„Lass uns noch warten.“

„Auf was? Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist. Wir werden keine Zeit haben uns einen Namen auszudenken und dann geben wir dem Kind einen Namen, mit dem es immer aufgezogen wird…wie Randy.“

„Ich habe das Gefühl, als ob dieses Kind uns den perfekten Namen verraten wird.“ Ein Lächeln erhellte Buffys Gesicht. Wir müssen nur in sein oder ihr Gesicht sehen und der perfekte Name wird uns sofort einfallen.“

*Flashback Ende*

Bevor er die Papiere seiner Tochter ausfüllte, nahm er sie auf den Arm und sah sie genau an. „Okay, Krümel. Wir machen das jetzt so.“ Er lächelte bevor er weiter sprach. „Ich werde dir ein paar Namen sagen und du sagst mir, was du von ihnen hältst.“

Der erste Name war sehr schnell gefunden, als sie ihm zublinzelte, als er ihn sagte. Für ihren zweiten Namen brauchten sie etwas länger, weil sie in den Armen ihres Vaters eingeschlafen war.

Zwei Stunden später nahm Spike Alexandria Dawn Giles mit nach Hause.

Kapitel 29

 

Kaltes beruhigendes Wasser strömte über seinen Körper. Er hatte es getan. Er hatte die Papiere unterzeichnet. Nur hatte Rupert ihm vergessen zu sagen, dass sich noch eine kleine Klausel darin befand.

 

Keine HLW

 

Das hieß: keine Herz-Lungen-Wiederbelebung.

 

Für Spike bedeutete dies: *Tue nicht alles, was in deiner Macht steht, um deine Frau und die Mutter deines Kindes am Leben zu erhalten.*

 

Für Spike bedeutete es: *Es tut mir leid, Buffy, aber ich muss mein Leben weiterleben.*

 

Für Spike bedeutete es, *Mach dir keine Sorgen, ich werde Alexandria Dawn alles von dir erzählen.*

 

Für Spike bedeutete es: *Ich gebe dich auf.*

 

Am liebsten wollte er sie schütteln und sie anschreien, dass es ihre Schuld wäre, dass er sich in sie verliebt hatte und dass sie ihn doch jetzt nicht verlassen könnte.

 

Nachdem er die Papiere unterschrieben hatte, sah er seine Frau für einen langen Moment an, bevor er ins Badezimmer stürmte, um sich zu übergeben, noch bevor er die Toilette erreichte. Mit einer Hand griff er über sich und zog das weiße Handtuch vom Halter. Er putze sich den Mund daran ab und wischte den Schlamassel vom Boden.

Er spürte, wie sein Magen ein weiteres Mal rebellierte und er lehnte seinen Kopf an die kühlenden Wandfliesen. Nachdem der Raum aufgehört hatte sich zu drehen, ging er unter die Dusche und versuchte den Dreck, der sich auf seiner Seele befand, abzuwaschen, doch es nützte nichts.

 

Nach der Dusche zog er sich schnell an und eine Stunde später waren all seine Sachen in seiner Sporttasche und einen alten Müllsack gepackt, den er in einem der Schränke gefunden hatte. Er hatte die Schwester gefragt, ob sie noch einmal kurz auf Alexandria aufpassen könnten, während er zu seinem Auto ging, um alles in den Kofferraum seines Autos zu verstauen. Er ging ein letztes Mal an diesem Tag in das Krankenhaus, um seine Tochter zu holen.

 

Nachdem er sie in ihrem Kindersitz festgeschnallt hatte, fuhren sie endlich los. Spike versuche krampfhaft, nicht zurückzusehen, doch das Krankenhaus sah so riesig aus im Rückspiegel.

 

*** *** ***

 

In der ersten Nacht zu Hause konnte Spike nicht schlafen und ging den Flur immer wieder rauf und runter. Selbst heiße Schokolade half nicht und Fernsehen schon gar nicht.

Das einzig Gute an seiner Schlaflosigkeit war, dass er wach war, wenn Alexandria ihr Fläschchen bekam. Als sie um drei Uhr anfing zu weinen, nahm er sie aus ihrem Bettchen.

Anstatt sie in dem Kinderzimmer zu füttern, ging er mit ihr auf den Balkon. `Einer der Vorteile Kaliforniens, selbst früh am Morgen ist es hier warm´, dachte er sich, als er sein Baby ganz nah am Körper hielt und es langsam in den Schlaf wiegte.

 

Als die Sonne am Horizont aufging, saßen sie immer noch dort.

 

*** *** ***

 

„Vielleicht sollten wir ihn dazu bringen, wieder zur Arbeit zu gehen?“

 

„Ich glaube nicht, dass er dafür schon bereit ist.“ Rupert zog die Stirn in Falten und sah seine Frau an.

 

„Wir müssen aber etwas unternehmen. Er war einen Monat lang im Krankenhaus …Tag und Nacht…und nun tut er nichts anderes, als in seiner Wohnung herumzusitzen.“

 

„William kümmert sich um sein Kind. Ich gebe allen Müttern zwei Monate und ich denke, ich sollte ihm das Gleiche gewähren.“

 

„Ich gebe dir ja recht, das er eine Auszeit braucht.“ Joyce nahm einen Schluck von ihrem Orangensaft. „Vielleicht sollten wir ihn mal zum Essen einladen.“

 

„Was wir tun können, ist unserem Sohn Zeit zu geben.“ Rupert nahm seine Brille ab und begann sie zu putzen. Nachdem er sie wieder aufgesetzt hatte, seufzte er tief. „Er ist erst seit ein paar Tagen wieder zu Hause. Wenn er sich nach einer Woche bei uns gemeldet hat, können wir ihn zum Essen einladen, doch bis dahin lassen wir ihn in Ruhe.“

 

*** *** ***

 

„Okay, Oz…es ist alles fertig und kann eingepackt werden“, rief Willow aus der Küche. „Glaubst du das reicht?“

 

Oz schaute sich in der Küche um. Jede erdenkliche Oberfläche war mit Töpfen, Pfannen und Backblechen zugestellt und Willow selbst war mit Mehlstaub bedeckt.

 

„Ich würde sagen, dass dies für eine ganze Kompanie reicht“, sagte er als er damit begann, alles in Tupperbehälter zu packen. „Dir ist schon klar, dass Spike allein ist?“

 

„Ich will nur nicht, dass er sich von Pizza und Burgern ernährt.“

„Hast du auch was für's Baby?“

 

„Nein.“ Willow drehte sich zu ihrem Freund um. „Du kennst doch Spike. Er achtet nicht darauf, ob er etwas isst, aber er wird sicher gehen, dass seine Mädchen was bekommen.“ Erschöpfung setzte ein, als die Rothaarige an Spikes Frau dachte. „Wir können froh sein, dass mit Alexandria alles in Ordnung ist. Ich glaube nicht, dass er das überlebt hätte, wenn sie auch gestorben wäre.“

 

Als er den Deckel der letzten Dose schloss, flüsterte Oz. „Bis jetzt hat er noch niemanden verloren.“

 

*** *** ***

 

Nach drei Tagen gab Spike endlich auf. Er nahm einen Tupperbehäter aus dem Kühlschrank und wärmte sich etwas von Willows Lasagne auf. Danach aß er zwei von ihren berühmten Plätzchen.

 

Eine Stunde Später ging Spike in Buffys Badezimmer. Unter dem Waschbecken stand ein dunkelbrauner Weidenkorb und obenauf lag ein Oberteil mit Knöpfen, das Buffy öfters zum Schlafen angezogen hatte. Er knöpfte ein paar Knöpfe zu, als er zum Bett herüber ging, und legte sich dann mit dem Oberteil ins Bett.

 

Er war so müde.

 

*** *** ***

 

`Ok, Buffster. Das reicht jetzt.´

 

`Lass mich in Ruhe, Xander.´

 

`Das werde ich nicht. Du hast lange genug geschlafen und du wirst zu spät zur Schule kommen, nur weil du deinen Hintern nicht aus dem Bett gekriegt hast.´

 

`Noch fünf Minuten.´

 

Als Antwort bekam sie ein paar Spritzer eiskaltes Wasser ins Gesicht. Buffy öffnete die Augen und konnte ihren fünfzehnjährigen Bruder grinsend mit einem Wasserglas in der Hand vor sich sehen. `Denk noch nicht mal im Traum daran!´, schrie sie ihn an.

 

`Buffy komm schon. Du musst endlich aufstehen,´ sagte er, als sein Lächeln verschwand. Langsam streckte er die Hand aus und zeigte auf das Fenster. Buffy drehte ihren Kopf und sah, dass die Sonne langsam aufging. `Die Schule beginnt erst in ein paar Stunden.´

 

`Es ist sowieso Samstag,´sagte er und er runzelte die Stirn.

 

`Dann lass mich schlafen, du Blödmann.´

 

`Aber du wirst etwas verpassen, wenn du das tust.´ Er hob das Glas an, und bevor sie reagieren konnte, kippte er das Glas über sie aus.

 

Kapitel 30: Fire and Escape

 

Spike fuhr gerade an dem `Willkommen In Sunnydale´ Schild vorbei, als sein Handy klingelte. Vor ein paar Monaten hätte er es immer klingeln lassen und hätte danach seine Mailbox abgehört, ob es etwas Wichtiges wäre.

Doch nachdem er Buffy im Krankenhaus allein gelassen hatte, hielt er immer rechts an und antwortete meistens nach dem dritten Klingeln.

 

„Hallo?“

 

„Spike?“

 

„Ja! Was ist los, Oz?“

 

„Willow und ich sind im Krankenhaus.“

 

Spike war so schnell wie möglich wieder auf der Straße, bevor er den Satz hörte, den er sich schon seit Wochen erhofft hatte.

 

*** *** ***

Der menschliche Körper an sich ist nur eine Masse wasserähnlicher Substanzen. Ein kleiner Schnitt in den Fuß kann den Verlust eines Beines hervorrufen. Winzig kleine Bakterien können einen Menschen töten.

Ein Koma kann dazu führen, dass man seine Muskelkraft oder sogar seine Gehirnfunktionen verlieren kann.

Manche Komapatienten wachen langsam auf, während andere einfach den Schwesternnotruf drücken.

 

Buffy wachte schreiend auf. Ein einziges Wort. Einige verstanden, was sie schrie, andere wiederum dachten, dass sie es wüssten. Manche dachten einfach nur, dass sie verrückt war.

 

Sie bäumte sich auf und riss sich dabei die Infusionsnadel aus der Hand. Verstört sah Buffy sich um und schob die Bettdecke weg, unter der sie lag. Diese fiel sanft auf den Boden und wieder fing sie an zu schreien.

 

Schwestern kamen angerannt. Eine Schwester war schneller als die anderen und konnte die Blondine gerade noch auffangen, als diese aus dem Bett steigen wollte und bemerkte, dass ihre Beine sie nicht tragen konnten.

 

„Mrs Giles, sie müssen sich beruhigen.“ Zwei Schwestern halfen ihr zurück ins Bett, der Rest stand draußen auf dem Flur. Niemand hatte erwartet, dass Mrs. Giles jemals wieder aufwachen würde.

 

Einen Monat lang hatte sie im Koma gelegen.

 

*** *** ***

 

Willow und Oz waren gerade an der Doppeltür der Station, als sie den Schrei hörten. Ihre Hand umklammerte seine, als sie die Stimme erkannte. Sie blieb stehen, drehte sich zu Oz um und fragte: „Träume ich?“ Ihr Gesicht war kreidebleich, als sie das fragte. Ein weiterer Schrei ließ das Paar schnell über den Flur rennen.

 

„Sie ist wach. Sie ist wirklich wach.“

Als sie um die Ecke zu Buffys Zimmer bogen, fiel Willow wieder ein, wie Xander ihr geholfen hatte, den Boogie Man wegzuscheuchen. Er hatte ihr gesagt, dass er verschwinden würde, wenn sie immer wieder *Geh weg* sagen würde.

Zu der Zeit musste sie sechs gewesen sein und die drei waren die ganze Nacht wach gewesen und hatten einen alten Gruselfilm geguckt. *, Wenn es bei den Monstern hilft, ihnen immer wieder zu sagen, dass sie weggehen sollen, vielleicht hilft es Buffy, wenn ich ihr immer wieder sage, dass sie bei mir bleiben soll?*

 

Sie rannten, bis sie die Gruppe von Schwestern sehen konnten. Willow bahnte sich ihren Weg hindurch und rief immer wieder: „Buffy!“

 

Buffy drehte ihren Kopf in die Richtung der ihr sehr wohl bekannten Stimme. „Willow?“ Buffy legte eine Hand an ihrem Hals, er fühlte sich rau und trocken an. „Willow, was ist hier los?“, fragte sie.

 

„An was erinnern sie sich, Mrs Giles?“ fragte die Schwester, als sie begann, Buffys Werte zu überprüfen.

 

„Was?“, war das letzte Wort, bevor sie wieder in einen tiefen Schlaf fiel.

 

*** *** ***

 

Spike stellte sein Auto auf dem erstbesten Parkplatz ab und sah gar nicht das gelbe Männchen im Rollstuhl auf dem Asphalt. Er hörte auch nicht, wie der Parkwächter etwas von `Abschleppen´ und  `Knöllchen´ hinter ihm herrief. Er rannte einfach los.

 

*** *** ***

 

„Willow, was ist los? Ist sie wach? Können wir mit ihrem Arzt sprechen?“, fragte Oz, verblüfft über das, was vor einigen Momenten passiert war. Er hoffte nur, dass er Spike nicht umsonst angerufen hatte, denn er wollte dem erschöpften Mann keine falschen Hoffnungen machen.

 

„Umm…Ich weiß nicht.“ Willow ging zu einem der Stühle und setzte sich. Der Raum vor ihr war überfüllt mit Schwestern und Pflegern. Sie saß einige Momente nur so da, als ihr Spike einfiel. „Wir sollten Spike anrufen.“

 

„Habe ich schon. Er ist auf dem Weg hierhin.“

 

„Oh.“

 

„Sollten wir auch Joyce und Rupert anrufen?“, fragte er, als er einen Arm um ihre Schultern legte.

 

„Umm…ja, natürlich.“

 

„Kann ich dir irgendetwas holen?“

 

„Nein, danke.“ Willows Augen waren die ganze Zeit auf Buffys Zimmer gerichtet. Oz gab seiner Freundin einen Kuss auf die Stirn, bevor er zu dem Münztelefonen ging.

Nach ein paar Minuten hatte Willow ihre Gedanken sortiert und entschloss sich, ein paar Antworten zu ihren und Oz’s Fragen zu holen. Es dauerte einen Moment, bis die entschlossene Rothaarige die Aufmerksamkeit einer Schwester erlang.

 

„Können Sie mir sagen, was mit ihr ist?“

 

Die Schwester sah sie nur an. „Wir müssen warten bis die Ärztin hier ist. Sie wird bald hier sein.“

 

Da war nur noch eine Frage, die Willow auf der Seele brannte, aber sie hatte Angst vor der Antwort. Die Schwester konnte die Zurückhaltung in ihren Augen sehen und gab ihr die Antwort, ohne jemals die Frage gehört zu haben. „Ich bin sicher, dass Sie ganz gesund wird. Das Aufwachen war der härteste Teil.“

 

Die Schwester lächelte sie an und geleitete sie in Buffys Zimmer.

 

*** *** ***

 

Spikes Schritte wurden langsamer, als er sich Buffys Zimmer näherte. Er sah wie die Schwestern rein- und rausrannten. Das erste was er sah, als er den Raum betrat, war Buffy.

Während der ganzen Fahrt hatte er sich vorgestellt, wie es sein könnte. Sie würde aufrecht im Bett sitzen und lächeln, während Oz und Willow sie weinend im Arm hielten und drücken.

 

Was er aber jedoch wirklich sah, war eigentlich das, was er immer gesehen hatte, wenn er in das Zimmer kam. Sie lag auf ihrem Rücken, ihr blondes Haar lag in Wellen auf dem Kissen und sie schlief. Der einzige Unterschied war, dass mehr Leute im Raum waren.

 

„Spike?“

 

Er drehte sich um und sah Willow neben sich stehen.

 

„Oz und ich waren auf dem Flur, als wir sie schreien hörten. Wir sind ins Zimmer gerannt…und sie sah mich an und sagte meinen Namen.“

 

Spike sah Willow in die Augen und fand heraus, dass ein Teil seiner Fantasie wahr war. Willow weinte. Tränen strömten über ihre Wangen und er hob eine Hand und wischte sie fort.

 

„Willow“, sagte er und seine Stimme war standhaft und überzeugend. „Sie wird bald wieder bei uns sein.“

 

 

TBC.....




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