
Kapitel
26: The Sun Goes Down
In den Armen seines Vaters fühlte sich Spike selbst wie ein
kleines Kind und er
wollte Rupert am liebsten fragen, ob er alles wieder gut machen
könnte, doch er
brach in der Umarmung zusammen und weinte bitterlich.

„Als
erstes möchte
ich Ihnen zu einer wunderschönen, gesunder Tochter
gratulieren. Sie hat zehn
Finger und zehn Zehen und wunderbare Werte. Wir werden sie ein paar
Tage hier
behalten um sicher zu gehen, dass auch alles wirklich in Ordnung
ist“, sagte
Dr. Winifred Burkle und holte ein Formular aus der obersten Schublade
ihres
Schreibtisches.
„Wie
Sie wissen
gab es einige Komplikationen während der Geburt. Ihr Blutdruck
war eindeutig zu
hoch und sie hatte massiv geschwollene Gelenke an ihren Händen
und Füßen. Als
sie dann die Krampfanfälle bekam, haben wir es für
besser gehalten, einen
Keiserschnitt vorzunehmen, um den Körper Ihrer Frau und das
Baby von dem
Geburtsstress zu schonen. Elizabeth hatte das, was wir eine Eklampsie
nennen. Meistens findet man keine Anzeichen, aber des Öfteren
zeigen werdende Mütter
bevor sie gebären doch Anzeichen einer Schwangerschaftstoxikose.
„Warum
haben wir
dann davon nichts gewusst?“, fragte Spike und seine Stimme
klang dünn und
schwach.
„Ich
bin die Akte
von Mrs. Giles mal durchgegangen und habe gesehen, dass sie Anzeichen
dafür
zeigte, aber sie hatte nichts von den Krankheiten in ihrer Familie
erzählt
durch den ganzen Stress in den letzten paar Monaten. Ihr Arzt hatte in
seinen
Akten vermerkt, dass sie das erste Semester auf dem College hinter sich
gebracht
hat und ihren Bruder durch einen Autounfall verloren hat. Es ist
eigentlich
normal, dass eine junge Frau, die ihr erstes Baby erwartet, Anzeichen
einer Schwangerschaftstoxikose
zeigt, wenn sie unter solch einem Druck steht.“
Dr. Burkle
legte
die Akte beiseite. „Außerdem zeigte sie keine
Anzeichen von zu hohem Protein
in ihrem Urin oder Wasser in ihren Lungen. Nur die geschwollenen
Gelenke und der
hohe Blutdruck ließ uns vermuten, was mit ihr nicht stimmte.
Ehrlich gesagt
kann ich nicht sagen, ob überhaupt ein Arzt eine Art von Eklampsie
festgestellt hätte.“
„Also
kann ich
jetzt zu ihr?“ Er war müde. Es waren nur ein paar
Stunden her, seit Buffy ihn
angeschrieen hatte, dass ihre Fruchtblase geplatzt wäre und
jetzt war er so müde.
Spike schauderte es wenn er nur daran dachte, dass manche Geburten Tage
dauerten.
„Zuerst
möchte
ich ihnen noch ein paar Dinge sagen.“
„Geht
es ihr
gut?“, fragte Spike besorgt.
„Es
gab
Komplikationen bei der Geburt. Elizabeth erlitt einen Schock. Wir
mussten sie so
schnell wie möglich stabilisieren. Sie erlitt einen erneuten
starken
Krampfanfall, bevor wir sie für den Kaiserschnitt vorbereiten
konnten. Ihr
Gehirn bekam nicht genug Sauerstoff, deswegen erlitt sie einen
Schock.“
Traurige Augen blicken einen Ehemann an, der an diesem Tag
schon einiges
mitgemacht hatte. „Außerdem reagierte Buffy auf
eines der Medikamente
allergisch, das wir ihr gaben um die Krämpfe zu
lösen. Es stand nichts in
ihrer Akte, dass sie eine Allergie hatte.“
„Hören
Sie
auf…Ich will nichts mehr hören, sagen Sie mir
einfach, was mit ihr los
ist“, sagte Spike und machte sich auf das Schlimmste gefasst.
„Sie
liegt im
Koma.“
****
Seine Gedanken
rasten, als er durch die langen Krankenhausflure schritt. Er verstand
nichts von
dem, was die Ärztin ihm gesagt hatte. Ihr ging es doch gut, es
gab keine
Anzeichen von irgendwelchen Schwierigkeiten. Er wollte sie
schütteln, sie küssen,
sie aufwecken, um ihr das kleine Wunder zu zeigen, das sie kreiert
hatten. Für
ihn war es ein Zeichen. Ein Zeichen, dass alles wieder gut werden
würde, dass
sie zusammen gehörten.
Ein gutes
Stück
vor ihrem Zimmer blieb er stehen. Er zog seinen langen schwarzen Mantel
fester
um seine Schultern und machte sich selbst Mut. Wappnete sich
für den
innerlichen Kampf, der kommen würde, wenn er die Tür
öffnete, die nun nur
noch eine Armlänge von ihm entfernt war. Ein blauhaariger Oz
nickte ihm
zustimmend zu und Spike schritt durch die Tür.
Nachdem Dr.
Burkle
gegangen war, saß er noch einen Moment wie angewurzelt auf
dem harten
Krankenhausstuhl und fühlte sich hin und her gerissen. Sollte
er nun zu seinem
Baby gehen, oder zu seiner Frau, die mit lauter Schläuchen in
ihrem Körper da
lag? Willow hatte ihm die Entscheidung abgenommen, als sie sagte, sie
würde
sehr gerne bei ihrem Patenkind sitzen, also stand er nun vor Buffys
Tür. Er
hatte sie ein kleines Stück geöffnet und er schloss
die Augen als er sie ganz
öffnete, weil er sich vor dem fürchtete, was dahinter
lag.
Sein erster
Gedanke
war, wie wunderschön Buffy aussah. Er sah die dunklen Ringe
unter ihren Augen
nicht. Er sah nicht, wie blass ihre Haut aussah. Ganz langsam und leise
zog er
seinem Mantel und seine Schuhe aus. Mit der Grazie einer jagenden Katze
näherte
er sich dem Bett, legte sich neben Buffy und zog sie in seine Arme.
*****
„Also,
wie geht
es ihr?“, fragte Willow Rupert und Joyce.
„Sie
liegt im
Koma“, sagte Rupert leise.
„Wissen
Sie wann
sie aufwachen wird?“
„Nein.
Es kann
Stunden, sogar Tage
dauern.“
„Oh.“
Willow
zeigte ihnen das jüngste Mitglied der Giles Familie und ging
dann langsam in
einen der Besucherwaschräume. Sie ging in die erstbeste
Kabine. Klappte den
Toilettendeckel zu, setzte sich darauf und brach zusammen. Sie wusste
genug über
Buffys Symptome um zu wissen, wie ernst es um sie stand. Als Joyce ihr
erklärte
was passiert war, hatte Oz sich zu ihr umgedreht und hatte gefragt, was
denn
schief gelaufen wäre. Sie hatte mitbekommen, wie eine
Schwester irgendetwas von
einer Eklampsie
geflüstert hatte und sie hatte sich danach ausgemalt, was
alles hatte passieren
können. Krämpfe, Schwellungen, Sauerstoffverlust,
Ohnmacht, Koma…ja, selbst
sterben hätte sie können. Das letzte brachte Willow
zum Weinen, denn das hätte
nicht nur den Tod der Mutter bedeutet, sondern auch den des ungeborenen
Kindes.
Obwohl sie erleichtert war als sie hörte, dass das Baby okay
wäre, hatte sie
in den Augen der Schwester gesehen, dass da noch mehr passiert war.
Denn die
junge Schwester konnte ihre Tränen nicht unterdrücken.
*Das ist alles
viel
zu früh*, dachte sie, als sie über ihre Augen
wischte. *Ich habe gerade erst
Xander verloren. Ich kann nicht beide meiner besten Freunde verlieren.*

Eine
Woche war vergangen und
Buffy ging es nur ein bisschen besser. Jeden Tag verbrachte Spike an
ihrem Bett.
Rupert und Joyce hatten es mit der Krankenhausleitung abgesprochen,
dass Spike
und das Baby bei ihr mit im Krankenzimmer bleiben konnten.
Obwohl
Schwestern und Ärzte in
dem Zimmer ein und ausgingen, lernte Spike sehr schnell, wie er seine
Frau
versorgen musste. Ein paar Mal am Tag bewegte er ihre Arme und Beine,
um die
Muskeln zu bewegen. Er verbrachte Stunden damit, ihre Glieder, ihren
Rücken und
ihre Füße zu massieren.
Die
Pflege seiner Frau hatte für
ihn höchste Priorität, doch er nahm sich aber auch
noch genügend Zeit um zu
lernen, wie er sein Baby umsorgen musste. Er war verwundert, wie viel
Zeit so
ein kleiner Wurm in Anspruch nahm.
Oft
genug konnte man die
Schwestern kichern hören, weil der gutaussehende Mann dabei
gesehen wurde, wie
er seiner Tochter etwas vorsang, oder Fratzen schnitt, um sie zum
Lachen zu
bringen.
Jeden
Abend, nachdem er seine
beiden Mädchen für die Nacht umgezogen hatte, las er
ihnen etwas aus einem
alten Märchenbuch vor, das Joyce ihnen vor Wochen geschenkt
hatte.
*****
Rupert
stand auf dem Flur vor der
offenen Zimmertür und ging die vorbereitete Ansprache noch mal
in seinem Kopf
durch. Es war keine angenehme Angelegenheit, doch er fand, dass es das
Beste wäre.
Er holte also tief Luft und betrat das Zimmer.
„William“, sagte er leise.
Spike
schaute von seiner Tochter
auf, die er in seinem Arm hielt. „Dad.“
„Ich
habe hier ein paar
Papiere, die du ausfüllen müsstest.“
Spike
legte das Baby vorsichtig
in das Kinderbettchen. „Kann das nicht warten?“
„Nein.
Ich denke das muss jetzt
sein.“
Mit
einem tiefen Seufzer zog
Spike einen Stuhl zu sich. „Okay, worum handelt es
sich?“
„Das
Krankenhaus braucht deine
Einwilligung.“
„Für
was?“
„Spenden.“
„Spenden…wie
Organe?“
„Ja.“
Spike
sagte nichts. Er setzte
sich hin und wartete.
„William,
ich weiß, dass dies
keine leichte Entscheidung ist. Ich weiß, dass du
über solche Dinge nicht
nachdenken möchtest, doch wir müssen anfangen,
Entscheidungen zu treffen.“
Spike
stand auf und ging zu dem
Tisch herüber, auf dem ein Tablett stand. Nachdem er sich
etwas Wasser in einen
Becher gegossen hatte, ging er zum Fenster.
„William.“
„Nein.“
„Nein“,
wiederholte Rupert.
Die Worte seines Sohnes waren so leise, dass er sie fast nicht
vernommen hatte.
„Nein?“
„Nein,
du…“, Spike drehte
sich zu seinem Vater um. „Du verstehst das
nicht…Du kannst das alles nicht
verstehen.“ Spike stellte den immer noch vollen Becher ab.
„Ich werde gar
nichts unterschreiben…Ich gebe nicht auf.“
„Wenn
du die Papiere
unterschreibst heißt das NICHT, dass du aufgibst. Es
bedeutend nur, dass du
verstehst, wie ernst die Lage ist und du wirst garantiert nicht in der
Verfassung sein, die Papiere zu unterzeichen, wenn es zu spät
ist.“
Spike
ging zu seinem Vater herüber.
Nachdem er seine Tochter wieder in seinen Armen hielt, sprach er
weiter. „Buffy
wird es schaffen. Sie ist eine Kämpfernatur. Sie hat ihr
ganzes Leben über gekämpft.“
Er drückt das schlafende Baby ganz fest an sein Herz und
begann ganz leise
Geschichten von seiner Mutter zu erzählen, die er von Xander
und Willow gehört
hatte.
*****
Zwei
Wochen waren vergangen und
noch immer hatte sich an Buffys Zustand nichts geändert.
Willow und Joyce kamen
jeden Tag und blieben für ein paar Stunden. Nach dem
Gespräch mit seinem Vater
eine Woche zuvor hatte Spike sich langsam von den anderen
zurückgezogen. Oz war
der einzige, mit dem er noch regelmäßig am Telefon
sprach. Eines Tages kam Oz
bei ihm vorbei.
„Was
immer auch los ist. Ich
bin mir sicher, dass ich es nicht hören
möchte.“ Spike hatte schon darauf
gewartet, dass die beiden Frauen seinen besten Freund bei ihm vorbei
schicken würden.
„Du
musst hier raus.“
„Nein.
Ich werde sie nicht
verlassen.“
Oz
öffnete eine große Box und
holte einen riesigen bunten Blumenstrauß heraus.
„Sie
darf keine Blumen
haben.“
„Ich
weiß, sie sind nicht
echt“, sagte Oz und arrangierte die Seidenblumen im ganzen
Raum.
Spike
beobachtete seinen Freund
wie er durch das Zimmer ging und die Blumen verteilte.
Außerdem hatte er
mehrere bunte Poster dabei. „Was tust du da? Sie wird nicht
mehr lange hier
bleiben.“
Oz
befestigte den letzten
Streifen Tesafilm am letzten Poster und hängte es an der
gegenüberliegenden
Seite von Buffys Bett auf. Es war ein besinnliches Bild, auf dem zwei
Pferde am
Ufer eines Flusses entlang rannten. Der erste Teil seines Plans war
geschafft.
Oz
setzte sich gegenüber von
Spike hin. „Du sagst das nur, weil du es nicht wahrhaben
willst, dass dies
alles wahr ist.“ Spike schaute seinen blauhaarigen Freund
ablehnend an. „Buffy
liegt im Koma. Es kann sein, dass sie niemals aufwachen wird. Das ist
die
Wahrheit.“ Er holte tief Luft um weiter zu reden.
„Und weißt du, was noch
real ist? Deine kleine Tochter. Nimm sie und gehe mit ihr nach
draußen. Zeig
ihr Menschen, die nicht in einem Krankenhaus liegen oder arbeiten. Zeig
ihr euer
Zuhause.“
„Ich
kann nicht.“
„Du
musst es aber irgendwann
mal.“
„Nein…wir
haben ihr noch
keinen Namen gegeben. Sie kann noch nicht gehen.“
„Und
warum hat sie noch
keinen?“
*Flashback*
„Buffy,
wir müssen uns entscheiden.“
„Lass
uns noch warten.“
„Auf
was? Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist. Wir werden keine
Zeit haben
uns einen Namen auszudenken und dann geben wir dem Kind einen Namen,
mit dem es
immer aufgezogen wird…wie Randy.“
„Ich
habe das Gefühl, als ob dieses Kind uns den perfekten Namen
verraten wird.“
Ein Lächeln erhellte Buffys Gesicht. Wir müssen nur
in sein oder ihr Gesicht
sehen und der perfekte Name wird uns sofort einfallen.“
*Flashback
Ende*
Bevor
er die Papiere seiner
Tochter ausfüllte, nahm er sie auf den Arm und sah sie genau
an. „Okay, Krümel.
Wir machen das jetzt so.“ Er lächelte bevor er
weiter sprach. „Ich werde
dir ein paar Namen sagen und du sagst mir, was du von ihnen
hältst.“
Der
erste Name war sehr schnell
gefunden, als sie ihm zublinzelte, als er ihn sagte. Für ihren
zweiten Namen
brauchten sie etwas länger, weil sie in den Armen ihres Vaters
eingeschlafen
war.
Zwei
Stunden später nahm Spike
Alexandria Dawn Giles mit nach Hause.

Kaltes beruhigendes Wasser strömte über seinen Körper. Er hatte es getan. Er hatte die Papiere unterzeichnet. Nur hatte Rupert ihm vergessen zu sagen, dass sich noch eine kleine Klausel darin befand.
Keine HLW
Das hieß: keine Herz-Lungen-Wiederbelebung.
Für Spike bedeutete dies: *Tue nicht alles, was in deiner Macht steht, um deine Frau und die Mutter deines Kindes am Leben zu erhalten.*
Für Spike bedeutete es: *Es tut mir leid, Buffy, aber ich muss mein Leben weiterleben.*
Für Spike bedeutete es, *Mach dir keine Sorgen, ich werde Alexandria Dawn alles von dir erzählen.*
Für Spike bedeutete es: *Ich gebe dich auf.*
Am liebsten wollte er sie schütteln und sie anschreien, dass es ihre Schuld wäre, dass er sich in sie verliebt hatte und dass sie ihn doch jetzt nicht verlassen könnte.
Nachdem er die Papiere unterschrieben hatte, sah er seine Frau für einen langen Moment an, bevor er ins Badezimmer stürmte, um sich zu übergeben, noch bevor er die Toilette erreichte. Mit einer Hand griff er über sich und zog das weiße Handtuch vom Halter. Er putze sich den Mund daran ab und wischte den Schlamassel vom Boden.
Er spürte, wie sein Magen ein weiteres Mal rebellierte und er lehnte seinen Kopf an die kühlenden Wandfliesen. Nachdem der Raum aufgehört hatte sich zu drehen, ging er unter die Dusche und versuchte den Dreck, der sich auf seiner Seele befand, abzuwaschen, doch es nützte nichts.
Nach der Dusche zog er sich schnell an und eine Stunde später waren all seine Sachen in seiner Sporttasche und einen alten Müllsack gepackt, den er in einem der Schränke gefunden hatte. Er hatte die Schwester gefragt, ob sie noch einmal kurz auf Alexandria aufpassen könnten, während er zu seinem Auto ging, um alles in den Kofferraum seines Autos zu verstauen. Er ging ein letztes Mal an diesem Tag in das Krankenhaus, um seine Tochter zu holen.
Nachdem er sie in ihrem Kindersitz festgeschnallt hatte, fuhren sie endlich los. Spike versuche krampfhaft, nicht zurückzusehen, doch das Krankenhaus sah so riesig aus im Rückspiegel.
*** *** ***
In der ersten Nacht zu Hause konnte Spike nicht schlafen und ging den Flur immer wieder rauf und runter. Selbst heiße Schokolade half nicht und Fernsehen schon gar nicht.
Das einzig Gute an seiner Schlaflosigkeit war, dass er wach war, wenn Alexandria ihr Fläschchen bekam. Als sie um drei Uhr anfing zu weinen, nahm er sie aus ihrem Bettchen.
Anstatt sie in dem Kinderzimmer zu füttern, ging er mit ihr auf den Balkon. `Einer der Vorteile Kaliforniens, selbst früh am Morgen ist es hier warm´, dachte er sich, als er sein Baby ganz nah am Körper hielt und es langsam in den Schlaf wiegte.
Als die Sonne am Horizont aufging, saßen sie immer noch dort.
*** *** ***
„Vielleicht sollten wir ihn dazu bringen, wieder zur Arbeit zu gehen?“
„Ich glaube nicht, dass er dafür schon bereit ist.“ Rupert zog die Stirn in Falten und sah seine Frau an.
„Wir müssen aber etwas unternehmen. Er war einen Monat lang im Krankenhaus …Tag und Nacht…und nun tut er nichts anderes, als in seiner Wohnung herumzusitzen.“
„William kümmert sich um sein Kind. Ich gebe allen Müttern zwei Monate und ich denke, ich sollte ihm das Gleiche gewähren.“
„Ich gebe dir ja recht, das er eine Auszeit braucht.“ Joyce nahm einen Schluck von ihrem Orangensaft. „Vielleicht sollten wir ihn mal zum Essen einladen.“
„Was wir tun können, ist unserem Sohn Zeit zu geben.“ Rupert nahm seine Brille ab und begann sie zu putzen. Nachdem er sie wieder aufgesetzt hatte, seufzte er tief. „Er ist erst seit ein paar Tagen wieder zu Hause. Wenn er sich nach einer Woche bei uns gemeldet hat, können wir ihn zum Essen einladen, doch bis dahin lassen wir ihn in Ruhe.“
*** *** ***
„Okay, Oz…es ist alles fertig und kann eingepackt werden“, rief Willow aus der Küche. „Glaubst du das reicht?“
Oz schaute sich in der Küche um. Jede erdenkliche Oberfläche war mit Töpfen, Pfannen und Backblechen zugestellt und Willow selbst war mit Mehlstaub bedeckt.
„Ich würde sagen, dass dies für eine ganze Kompanie reicht“, sagte er als er damit begann, alles in Tupperbehälter zu packen. „Dir ist schon klar, dass Spike allein ist?“
„Ich will nur nicht, dass er sich von Pizza und Burgern ernährt.“
„Hast du auch was für's Baby?“
„Nein.“ Willow drehte sich zu ihrem Freund um. „Du kennst doch Spike. Er achtet nicht darauf, ob er etwas isst, aber er wird sicher gehen, dass seine Mädchen was bekommen.“ Erschöpfung setzte ein, als die Rothaarige an Spikes Frau dachte. „Wir können froh sein, dass mit Alexandria alles in Ordnung ist. Ich glaube nicht, dass er das überlebt hätte, wenn sie auch gestorben wäre.“
Als er den Deckel der letzten Dose schloss, flüsterte Oz. „Bis jetzt hat er noch niemanden verloren.“
*** *** ***
Nach drei Tagen gab Spike endlich auf. Er nahm einen Tupperbehäter aus dem Kühlschrank und wärmte sich etwas von Willows Lasagne auf. Danach aß er zwei von ihren berühmten Plätzchen.
Eine Stunde Später ging Spike in Buffys Badezimmer. Unter dem Waschbecken stand ein dunkelbrauner Weidenkorb und obenauf lag ein Oberteil mit Knöpfen, das Buffy öfters zum Schlafen angezogen hatte. Er knöpfte ein paar Knöpfe zu, als er zum Bett herüber ging, und legte sich dann mit dem Oberteil ins Bett.
Er war so müde.
*** *** ***
`Ok, Buffster. Das reicht jetzt.´
`Lass mich in Ruhe, Xander.´
`Das werde ich nicht. Du hast lange genug geschlafen und du wirst zu spät zur Schule kommen, nur weil du deinen Hintern nicht aus dem Bett gekriegt hast.´
`Noch fünf Minuten.´
Als Antwort bekam sie ein paar Spritzer eiskaltes Wasser ins Gesicht. Buffy öffnete die Augen und konnte ihren fünfzehnjährigen Bruder grinsend mit einem Wasserglas in der Hand vor sich sehen. `Denk noch nicht mal im Traum daran!´, schrie sie ihn an.
`Buffy komm schon. Du musst endlich aufstehen,´ sagte er, als sein Lächeln verschwand. Langsam streckte er die Hand aus und zeigte auf das Fenster. Buffy drehte ihren Kopf und sah, dass die Sonne langsam aufging. `Die Schule beginnt erst in ein paar Stunden.´
`Es ist sowieso Samstag,´sagte er und er runzelte die Stirn.
`Dann lass mich schlafen, du Blödmann.´
`Aber du wirst etwas verpassen, wenn du das tust.´ Er hob das Glas an, und bevor sie reagieren konnte, kippte er das Glas über sie aus.

Spike fuhr gerade an dem `Willkommen In Sunnydale´ Schild vorbei, als sein Handy klingelte. Vor ein paar Monaten hätte er es immer klingeln lassen und hätte danach seine Mailbox abgehört, ob es etwas Wichtiges wäre.
Doch nachdem er Buffy im Krankenhaus allein gelassen hatte, hielt er immer rechts an und antwortete meistens nach dem dritten Klingeln.
„Hallo?“
„Spike?“
„Ja! Was ist los, Oz?“
„Willow und ich sind im Krankenhaus.“
Spike war so schnell wie möglich wieder auf der Straße, bevor er den Satz hörte, den er sich schon seit Wochen erhofft hatte.
*** *** ***
Der menschliche Körper an sich ist nur eine Masse wasserähnlicher Substanzen. Ein kleiner Schnitt in den Fuß kann den Verlust eines Beines hervorrufen. Winzig kleine Bakterien können einen Menschen töten.
Ein Koma kann dazu führen, dass man seine Muskelkraft oder sogar seine Gehirnfunktionen verlieren kann.
Manche Komapatienten wachen langsam auf, während andere einfach den Schwesternnotruf drücken.
Buffy wachte schreiend auf. Ein einziges Wort. Einige verstanden, was sie schrie, andere wiederum dachten, dass sie es wüssten. Manche dachten einfach nur, dass sie verrückt war.
Sie bäumte sich auf und riss sich dabei die Infusionsnadel aus der Hand. Verstört sah Buffy sich um und schob die Bettdecke weg, unter der sie lag. Diese fiel sanft auf den Boden und wieder fing sie an zu schreien.
Schwestern kamen angerannt. Eine Schwester war schneller als die anderen und konnte die Blondine gerade noch auffangen, als diese aus dem Bett steigen wollte und bemerkte, dass ihre Beine sie nicht tragen konnten.
„Mrs Giles, sie müssen sich beruhigen.“ Zwei Schwestern halfen ihr zurück ins Bett, der Rest stand draußen auf dem Flur. Niemand hatte erwartet, dass Mrs. Giles jemals wieder aufwachen würde.
Einen Monat lang hatte sie im Koma gelegen.
*** *** ***
Willow und Oz waren gerade an der Doppeltür der Station, als sie den Schrei hörten. Ihre Hand umklammerte seine, als sie die Stimme erkannte. Sie blieb stehen, drehte sich zu Oz um und fragte: „Träume ich?“ Ihr Gesicht war kreidebleich, als sie das fragte. Ein weiterer Schrei ließ das Paar schnell über den Flur rennen.
„Sie ist wach. Sie ist wirklich wach.“
Als sie um die Ecke zu Buffys Zimmer bogen, fiel Willow wieder ein, wie Xander ihr geholfen hatte, den Boogie Man wegzuscheuchen. Er hatte ihr gesagt, dass er verschwinden würde, wenn sie immer wieder *Geh weg* sagen würde.
Zu der Zeit musste sie sechs gewesen sein und die drei waren die ganze Nacht wach gewesen und hatten einen alten Gruselfilm geguckt. *, Wenn es bei den Monstern hilft, ihnen immer wieder zu sagen, dass sie weggehen sollen, vielleicht hilft es Buffy, wenn ich ihr immer wieder sage, dass sie bei mir bleiben soll?*
Sie rannten, bis sie die Gruppe von Schwestern sehen konnten. Willow bahnte sich ihren Weg hindurch und rief immer wieder: „Buffy!“
Buffy drehte ihren Kopf in die Richtung der ihr sehr wohl bekannten Stimme. „Willow?“ Buffy legte eine Hand an ihrem Hals, er fühlte sich rau und trocken an. „Willow, was ist hier los?“, fragte sie.
„An was erinnern sie sich, Mrs Giles?“ fragte die Schwester, als sie begann, Buffys Werte zu überprüfen.
„Was?“, war das letzte Wort, bevor sie wieder in einen tiefen Schlaf fiel.
*** *** ***
Spike stellte sein Auto auf dem erstbesten Parkplatz ab und sah gar nicht das gelbe Männchen im Rollstuhl auf dem Asphalt. Er hörte auch nicht, wie der Parkwächter etwas von `Abschleppen´ und `Knöllchen´ hinter ihm herrief. Er rannte einfach los.
*** *** ***
„Willow, was ist los? Ist sie wach? Können wir mit ihrem Arzt sprechen?“, fragte Oz, verblüfft über das, was vor einigen Momenten passiert war. Er hoffte nur, dass er Spike nicht umsonst angerufen hatte, denn er wollte dem erschöpften Mann keine falschen Hoffnungen machen.
„Umm…Ich weiß nicht.“ Willow ging zu einem der Stühle und setzte sich. Der Raum vor ihr war überfüllt mit Schwestern und Pflegern. Sie saß einige Momente nur so da, als ihr Spike einfiel. „Wir sollten Spike anrufen.“
„Habe ich schon. Er ist auf dem Weg hierhin.“
„Oh.“
„Sollten wir auch Joyce und Rupert anrufen?“, fragte er, als er einen Arm um ihre Schultern legte.
„Umm…ja, natürlich.“
„Kann ich dir irgendetwas holen?“
„Nein, danke.“ Willows Augen waren die ganze Zeit auf Buffys Zimmer gerichtet. Oz gab seiner Freundin einen Kuss auf die Stirn, bevor er zu dem Münztelefonen ging.
Nach ein paar Minuten hatte Willow ihre Gedanken sortiert und entschloss sich, ein paar Antworten zu ihren und Oz’s Fragen zu holen. Es dauerte einen Moment, bis die entschlossene Rothaarige die Aufmerksamkeit einer Schwester erlang.
„Können Sie mir sagen, was mit ihr ist?“
Die Schwester sah sie nur an. „Wir müssen warten bis die Ärztin hier ist. Sie wird bald hier sein.“
Da war nur noch eine Frage, die Willow auf der Seele brannte, aber sie hatte Angst vor der Antwort. Die Schwester konnte die Zurückhaltung in ihren Augen sehen und gab ihr die Antwort, ohne jemals die Frage gehört zu haben. „Ich bin sicher, dass Sie ganz gesund wird. Das Aufwachen war der härteste Teil.“
Die Schwester lächelte sie an und geleitete sie in Buffys Zimmer.
*** *** ***
Spikes Schritte wurden langsamer, als er sich Buffys Zimmer näherte. Er sah wie die Schwestern rein- und rausrannten. Das erste was er sah, als er den Raum betrat, war Buffy.
Während der ganzen Fahrt hatte er sich vorgestellt, wie es sein könnte. Sie würde aufrecht im Bett sitzen und lächeln, während Oz und Willow sie weinend im Arm hielten und drücken.
Was er aber jedoch wirklich sah, war eigentlich das, was er immer gesehen hatte, wenn er in das Zimmer kam. Sie lag auf ihrem Rücken, ihr blondes Haar lag in Wellen auf dem Kissen und sie schlief. Der einzige Unterschied war, dass mehr Leute im Raum waren.
„Spike?“
Er drehte sich um und sah Willow neben sich stehen.
„Oz und ich waren auf dem Flur, als wir sie schreien hörten. Wir sind ins Zimmer gerannt…und sie sah mich an und sagte meinen Namen.“
Spike sah Willow in die Augen und fand heraus, dass ein Teil seiner Fantasie wahr war. Willow weinte. Tränen strömten über ihre Wangen und er hob eine Hand und wischte sie fort.
„Willow“, sagte er und seine Stimme war standhaft und überzeugend. „Sie wird bald wieder bei uns sein.“
TBC.....
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