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Kapitel 5

Als Buffy wieder bei Spike ankam, hatte seine Nase schon aufgehört zu bluten. Sie sagten beide nichts, als sie das Blut in seinem Gesicht und an seinem Hals abtupfte, das schon zu trocknen begann. Spike nutzte die Zeit, um Buffys besorgtes Gesicht zu betrachten. Er hatte ganz vergessen wie schön sie war. Ihr langes blondes Haar, das seitlich gescheitelt war, hing locker über ihre Schultern. Ihr Mund zeigte eine festentschlossene Miene, während ihre dunklen grünen Augen Besorgnis ausstrahlten. *Über was?*, fragte er sich, *meine Nase? Über all das hier?*

Buffy versuchte, Spikes Blick zu ignorieren. Sie wollte nur einfach alles hinter sich bringen, damit sie ihr Leben mit dem Baby weiterleben konnte. Als sie das ganze Blut von seinem Gesicht gewischt hatte, platze es aus ihr heraus. „Also ich vermute mal, dass du reden willst.“ Sie duckte sich leicht weg, hob das Eispaket auf und reichte es Spike.

„Danke Pet, aber ich glaube ich werde es doch nicht brauchen. Meine Nase ist doch nicht so angeschwollen, wie ich vermutet hatte, aber vielleicht können wir woanders hingehen, wo ich nicht Gefahr laufe, noch mal eins auf die Nase zu bekommen“, sagte er, während er sich dachte: *Natürlich will ich reden, ist sie verrückt?*

„Okay, lass mich nur eben schnell meine Tasche holen.“ Spike versuchte ihr nicht hinterher zu sehen, als sie ins Haus zurückging. Als sie wieder herauskam, hatte er den Wagen bereits in die Einfahrt ihres Hauses gefahren. Sie stieg schnell in das Auto ein. „So, wo fahren wir hin?“ fragte sie, als sie sich angeschnallt hatte.

„Hast du heute Morgen schon gegessen? Denn ich bin am verhungern.“

„Ich bin schwanger. Ich habe immer Hunger“, sagte sie und wurde rot.

Den ganzen Weg zum Restaurant sagte keiner von beiden ein Wort und die Stille hielt auch noch an, als sie sich hingesetzt hatten und in die Speisekarte sahen. Nachdem sie bestellt hatten war Spike klar, dass er etwas sagen sollte. Etwas das ihr von vornherein klar machen sollte, dass er auf sie nicht böse war. Er wollte nur wissen, ob es wahr wäre. Ob es seins war. Was sie wollte. Also nahm er einen Schluck von seinem Wasser und räusperte sich.

„Also…“

„Ich weiß, es muss für dich ein Schock gewesen sein…für mich war es jedenfalls einer. Ich wollte garantiert nicht, dass es passiert.“ Buffy machte eine Pause und versuchte, die richtigen Worte zu finden. „Es wird schon alles gut gehen. Eigentlich wollte ich ja gar nicht, dass du es erfährst, doch ich habe es Xander erzählt…und er hat irgendwie die Nerven verloren. Ich kann es verstehen, wenn du nichts mit uns zu tun haben willst…“

Spike hörte ihrem Gestammel gar nicht mehr richtig zu. Er konzentrierte sich nur auf den einen Satz. „Du wolltest es mir nicht sagen?“

Buffy wurde rot. „Ich kenne dich doch kaum. Ich mein, wir waren ein Mal zusammen aus vor drei Monaten, du hast noch nicht einmal angerufen.“ Spike wollte sie unterbrechen, doch sie redete einfach weiter. „Das ist schon okay. Ich gehe sowieso nicht sehr oft aus. So bin ich halt…immer das brave Mädchen.“ Sie lachte laut auf, als sie weiter sprach. „Ich wette du hast daran gedacht, dass es nicht deins sein könnte. Ich hätte es, wenn ich du wäre. Aber…“, ihr Blick traf den seinen. „Das mit dir war mein erstes und einziges Mal.“ Plötzlich wurde Buffy unheimlich schlecht. „Entschuldige bitte“,  sagte sie, sprang auf und rannte mit einer Hand vor dem Mund weg.

Spike kämpfte gegen den Drang an, ihr zu folgen. Er war völlig perplex, dass er sie entjungfert hatte. Stolz darauf, ihr erster Liebhaber gewesen zu sein, saß er da und versuchte sich an die Nacht zu erinnern. *Verdammt. So betrunken war ich doch gar nicht.* Er erinnerte sich an den Wein und dass er sie geküsst hatte. Wie er ihr langsam das aufgeknöpfte Top von den Schultern geschoben hatte. Er erinnerte sich, wie sie gezögert hatte, als er ihren Rock hochschob, um den Slip herunterzuziehen. Dass sie ihm gesagt hatte, es wäre okay, als er sie gefragt hatte. Spike wusste aus Erfahrung mit Dru heraus, dass, wenn sie es nicht gewollt hätte, er sofort von ihr abgelassen hätte. Das Gefühl, sie unter sich liegen zu haben, war einfach wundervoll gewesen, all diese ganze Leidenschaft. So war es nie mit Dru gewesen. Spike wusste, dass dieses Erlebnis, als er in dieser jungen Frau gewesen war, das erste Mal gewesen war, dass er wirklich leidenschaftlichen und zärtlichen Sex hatte. Tränen stiegen ihm in die Augen, als er sich an ein weiteres Detail erinnerte. Als er in sie eingedrungen war, hatte sie sich verkrampft und laut aufgeschrieen. Da wurde ihm klar, dass sie die Wahrheit erzählte. Er war der Vater von Buffys Baby.

Als Buffy an den Tisch zurückkehrte, hörte sie ihn flüstern. „Ich werde Vater“, und plötzlich wurde sie nervös. „Ich fühle mich nicht so gut, ich denke ich will nach Hause.“

„Aber was ist mit dem Frühstück?“

„Können wir es nicht mitnehmen?“

„Natürlich, Luv. Geht es dir gut?“ Spike versuchte, die Angst in seinen Augen zu verbergen.

„Das geht gleich schon wieder, es ist nur der Geruch hier drin und der ganze Stress von dem Gespräch, das ich eigentlich nie führen wollte. Ich denke ich will nur noch nach Hause und mich hinlegen. Ich habe die letzte Nacht nicht besonders gut geschlafen.“

„Gib mir einen Moment und ich sage dem Kellner bescheid. Willst du draußen auf mich warten?“ Buffy nickte und ging schon nach draußen, während Spike das Essen bezahlte und sich die beiden Mitnehmboxen schnappte. Buffy stand an dem Auto und wartete an der Beifahrertür. Spike meckerte mit sich selbst. „Sorry, Luv. Ich hätte dir die Schlüssel geben sollen.“

„Das ist schon okay. Ich brauchte sowieso etwas frische Luft.“

Sie fuhren wieder zurück zu ihrem Zuhause. Sie waren noch nicht sehr weit gekommen, als Buffy vom Geruch nach gebratenen Eiern und Speck übel wurde.

„Halt an“, sagte sie. „Bitte halte sofort rechts an!“

Spike gehorchte sofort und kaum war das Auto zum Stehen gekommen, hatte Buffy schon die Tür aufgerissen und würgte, weil ihr Magen rebellierte.

„Bist du okay, Luv?“ fragte er, während er sich abschnallte und auch ihren Sicherheitsgurt löste. „Buffy?“ Sorge lag in seiner Stimme.

„Ja, ich denke es wäre am besten, wenn wir die Kartons irgendwie loswerden könnten.“

„Kein Problem. Ich glaub, ich kriege jetzt sowieso keinen Bissen mehr runter.“ Seine Hand begann vorsichtig ihren Rücken zu streicheln. „Kann ich irgendetwas für dich tun?“

„Ja, könntest du mir meine Tasche geben, bitte?“

Spike lehnte sich über den Sitz, holte die Tasche vom Rücksitz und gab sie ihr. Buffy setzte sich aufrecht hin und kramte in der Tasche herum. Endlich hatte sie ihre kleine Flasche Mundwasser gefunden und öffnete den Verschluss, kippte etwas in ihren Mund und begann mit der Pfefferminzflüssigkeit zu gurgeln. Dann spuckte sie es der Tür auf den Boden. Sie sah zu Spike herüber und sah, dass er sie angrinste.

„Okay, Buster…die Show ist vorbei. Bring mich nach Hause“, sagte sie in einem kommandierenden Ton, in dem etwas Sarkasmus mitschwang.

„Jawohl Ma´am.“ Er salutierte aus Spaß vor ihr und fuhr weiter.

Als sie sich dem Revello Drive näherten, sah sich Spike immer mehr und mehr mit der einen Frage konfrontiert, die er stellen musste. Er fuhr in die Einfahrt ihres Zuhauses und macht den Motor aus.

„Buffy, willst du dieses Baby?“ Spikes Nerven spielten verrückt und er fing an herumzudrucksen. „Denn wenn nicht, dann kann ich für eine…kannst du es wegmachen …“

Wut flackerte in Buffys Augen auf und sie war urplötzlich aus den Wagen ausgestiegen.

„Du Bastard! Wie kannst du nur an so etwas denken? Wenn ich das wirklich gewollt hätte, dann hätte ich mich schon darum gekümmert, bevor es irgendjemand gewusst hat!“ Sie ging wutentbrannt zum Haus herüber und kramte nach ihrem Schlüssel. „Keine Sorge, du brauchst dich nicht um das Kind zu kümmern. Es gibt genug Frauen, die ihre Kinder allein großziehen und ich glaube sowieso nicht, dass du ein guter Vater wärst. Weißt du was…vergiss einfach, dass du ein Kind hast! Denn ich will dich nie wieder sehen.“

Plötzlich war die Tür offen und sie verschwunden.

„Verdammt noch mal, Buffy!“ schrie Spike durch die Tür.

Kapitel 6

Spike hob seine Hand und ballte sie zu einer Faust. Er wollte gegen die Tür hämmern, damit sie noch einmal zurück kam und er ihr erklären könnte, was er damit gemeint hatte. Er wollte nicht, dass sie das Kind abtrieb. Er wollte nur dass sie wusste, dass er zu ihr stehen würde. Bevor seine Faust die Tür erreichte, öffnete sich diese und Xander stand vor ihm.

„Was hast du jetzt schon wieder gemacht?“ wollte Xander von ihm wissen und baute sich in der Tür vor ihm auf. Spike wollte nicht noch einmal eins auf die Nase bekommen und ging einen Schritt zurück. *Mach es ihr nicht noch schwerer* dachte Spike.

„Ich hatte nicht vor sie aufzuregen. Ich wollte nur dass sie weiß, dass ich zu ihr stehe, ganz egal was sie vorhat.“

„Du meinst eine Abtreibung“, sagte Xander fast zwanglos. „Ich habe auch schon versucht, mir ihr darüber zu reden. Sie hat gerade erst die Highschool abgeschlossen und wollte im Herbst hier in Sunnydale zum College gehen. Ich glaube sie ist sich gar nicht richtig bewusst, wie schwer das alles sein wird, wenn sie das Kind hat.“ Xander schloss die Tür hinter sich und setzte sich auf die Verandastufen. „Wir haben alles in unserer Macht stehende getan, um sie aus diesem Haus zu bekommen.“ Xander strich mit seinen Händen über sein Gesicht. „Du hast ihr Leben zerstört.“ Spike konnte genau die nachfolgenden Worte hören, obwohl sie nur ein Flüstern waren. „Sie wird niemals von hier wegkommen.“ Er machte eine kurze Pause und sah zu Spike auf. „Jetzt werde ich niemals mein eigenes Leben leben können.“

Bevor Spike darauf etwas sagen konnte, war Xander schon aufgestanden und entfernte sich vom Haus. Spike sah noch einmal zum ersten Stock hoch, bevor er dem sichtlich besorgten jungen Mann folgte. Keiner von beiden hatte die junge Frau hinter dem Vorhang gesehen, die die schmerzvollen Worte ihres Bruders durch das offene Fenster mitbekommen hatte.

Sie ging schnell in ihr Zimmer und hatte innerhalb von einer Stunde all ihre Sachen gepackt. Sie hatte nur die Sachen mitgenommen, die weit genug waren, damit sie sie auch später in der Schwangerschaft noch anziehen konnte. Danach schnappte sie sich das schnurlose Telefon von ihrem Nachttisch und rief Willow an, während sie ins Bad ging, um noch ein paar Kleinigkeiten zu holen.

„Wills, kannst du mich abholen? Ja, ich werde auf dich warten.“

Sie stellte ihre Taschen vor ihre Schlafzimmertür, ging dann in die Küche und nahm ein paar Kräcker, um ihren rebellierenden Magen zu beruhigen, setzte sich hin und wartete.

Willow wusste, dass Buffys Eltern auf der Arbeit waren, also ging sie einfach ins Haus herein. Buffy und Willow waren Freundinnen, seitdem der Rotschopf vor zehn Jahren ein paar Blocks weiter eingezogen war. Sie hatte schon sehr oft die blauen Flecken und Prellungen der beiden Geschwister gesehen und sie wusste, dass der Summers Haushalt nicht gerade ein freundlicher war. Buffy und Xander hatten öfters schon mal bei ihr übernachtet, nur um Mr. Summers nicht über den Weg zu laufen.

Willow machte sich darauf gefasst, dass Buffy ein blaues Auge hatte oder wie ein Schlosshund heulen würde. Doch ihre beste Freundin saß ganz ruhig auf einem der Küchenstühle mit einer Packung Cracker vor sich und einem Glas Wasser. Willow setzte sich auf den Stuhl neben der kleinen Blonden und wartete.

„Ich bin schwanger. Es ist von Spike. Beide, er und Xander, wollen dass ich es abtreibe, doch das will ich nicht.“

Diese Worte schockierten Willow, aber die unwirkliche Gefühllosigkeit in Buffys Worten verschlug ihr die Sprache.

„Ich hab von meinem Arzt diese Broschüren von Mutter-Kind Heimen bekommen. In manchen kann ich sogar noch ein paar Monate, nachdem das Baby gekommen ist, bleiben. Kannst du mich nach L.A. bringen?“

Willow wusste nicht, was sie sagen sollte. „Buffy, was ist mit…“

„Kannst du mich nach L.A. bringen?“ sagte Buffy und Willow sah die Entschlossenheit in ihren Augen.

„Lass uns deine Sachen holen.“

Sie packten Buffys Taschen in Willows alten klapprigen Volvo und fuhren los. Sie hielten nur noch einmal kurz an, damit Buffy das Geld von ihrem Konto holen konnte, was sie fürs College gespart hatte.

Die beiden Freundinnen waren total in ihren Gedanken versunken, als sie sich auf den Weg in die große Stadt machten. Willow wusste nicht, dass Buffy ihre Jungfräulichkeit an Spike verloren hatte. Aber Willow wusste, dass für das erste Mal Spike womöglich eine gute Wahl gewesen war. Sie kannte ihn nicht besonders gut, aber Oz sprach von seinem Freund in den höchsten Tönen. Das war auch der Grund gewesen, warum sie gegen ein Doppeldate nichts einzuwenden gehabt hatte. In all den Jahren, in denen Willow mit Buffy befreundet war, konnte sie sich nicht daran erinnern, dass die hübsche Blonde sich jemals mit einem Jungen getroffen hatte. Sicher hatte Buffy immer eine Begleitung bei den Schulbällen und Veranstaltungen gehabt, aber außer Scott Hope, von dem Willow wusste, dass er schwul war, hatte Buffy niemals ein richtiges Date gehabt. Willow wusste, dass Spike gut aussah, mit seinen dunkelblauen Augen und dem hellblonden, fast gebleicht aussehenden Haar. Sie hatte gehofft, dass es zwischen den beiden funkt.

Plötzlich fing Willow an zu lachen.

„Was ist den so lustig?“ fragte Buffy überrascht ihre kichernde Freundin.

„Ich habe nur gerade daran gedacht, dass ich gehofft hatte, dass zwischen dir und Spike etwas laufen würde. Ich glaube ich hatte Recht!“ Willows Gesicht wurde knallrot, während sie weiterlachte und Buffy konnte einfach nicht anders…sie musste mitlachen.

„Ich denke wir haben es ein bisschen zu ernst genommen“, scherzte sie.

„Es tut mir leid, Buffy. Ich kann es einfach nur nicht glauben, dass du ein Kind von Spike bekommst“, sagte Willow als ihr Lachkrampf abgeebbt war und ein ernsterer Ton sich in ihre Stimme legte. „Was willst du denn jetzt tun?“

Buffy sortierte ihre Gedanken, bevor sie antwortete. „Ich konnte nicht zu Hause bleiben, nicht dass ich nicht gekonnt hätte, wenn ich es gewollt hätte.“ Sie schüttelte schnell den Gedanken ab, ihr Kind in DEM Haus großzuziehen. „Ich weiß dass Xander alles für mich tun würde, um mir zu helfen, aber es ist Zeit für ihn, sein eigenes Leben zu leben. Xander hat schon so viel für mich aufgegeben und er denkt, dass ich das nicht weiß.“

Als Willow sie total verstört ansah, sprach Buffy weiter. „Er hatte niemals einen Gedanken daran verschwendet, ein Stipendium anzunehmen, weil er mich nicht mit meinem Vater allein lassen wollte. Jeder weiß, dass er sofort eins bekommen hätte. Er hätte auf jedes College in Kalifornien gehen können, doch er blieb meinetwegen zu Hause. Ich weiß ganz genau was er tun würde, wenn ich in Sunnydale geblieben wäre. Er hätte Überstunden auf der Baustelle gemacht, nur um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich aufs College gehen kann. Er hätte mit Sicherheit eine kleine Wohnung für uns gesucht und hätte alles für mich getan. Aber es ist Zeit für ihn, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen. Weißt du eigentlich, dass Cordy immer noch anruft?“ Buffy spürte wie sich ihre Augen mit Tränen füllten. „Ich kann es nicht mehr haben, ihn so zu sehen. Wenn ich nicht mehr da bin, kann er endlich aus diesem Haus ausziehen. Er kann sich wieder verabreden und…glücklich sein? Willow, er ist nicht glücklich.“ Buffy schluchzte und zog ein Taschentuch aus ihrer Handtasche. „Blöde Hormone!“

„Was ist mit Spike? Was sagt er denn dazu?“

„Ich denke er will, dass ich es wegmachen lasse. Aber das kann ich nicht! Es ist ein Baby, Wills, nicht ein…nicht etwas…nicht etwas, das man einfach so wegwerfen kann. Ich mein, wer wird schon beim ersten Mal schwanger? Das muss doch etwas bedeuten…so als ob dieses Baby ein Geschenk ist! Und Xander, Spike und womöglich meine Eltern, wollen dass ich dieses Kind töte und das will ich nicht.“

„Buffy, beruhig dich, Süße“, sagte Willow und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Ich will nur dass du weißt, dass ich immer zu dir stehe, egal was du machst, aber tu mir bitte einen Gefallen. Wenn du in diesem Heim bist, würdest du ihn dann anrufen?“

„Warum?“

„Nur um ihm zu sagen, dass es dir gut geht und du etwas Zeit zum Nachdenken brauchst. Du weißt dass Xander krank vor Sorge sein wird und Spike hat ein Recht zu wissen, dass es dir und dem Baby gut geht.“

„Okay, aber du musst mir versprechen, dass du keinem von beiden erzählst wo ich bin. Einverstanden?“ Willow nickte, sah aber sehr verunsichert drein. Zum Glück hatte Buffy diesen Blick nicht gesehen, weil sie sich die Skyline von L.A. fasziniert anschaute.

Kapitel 7

Ein Monat!

Einen Monat war es her, dass Buffy abgehauen war. Sie hatte Spike und Xander wie versprochen angerufen und ihnen gesagt, dass sie Zeit bräuchte. Beide Männer hatten ihr angeboten, Geld zu schicken, sei es nun für die Rückreise oder einfach nur um sie zu unterstützen. Sie hatte nur gelacht und ihnen gesagt, wohin sie sich ihr Geld schieben konnten. Buffy hatte ihnen auch erklärt, dass sie gut untergebracht wäre und keine der nötigen Vorsorgeuntersuchungen verpassen würde. Während dieses Monats hatten sich die beiden ungleichen Männer angefreundet. Xander hatte erklärt, warum er Buffy aus deren Elternhaus haben wollte. Er erzählte Spike von den Vernachlässigungen und den Schlägen, die sie beide über die Jahre hinweg  hatten erdulden müssen. Spike begann langsam aber sicher zu verstehen, warum Buffy ihr Baby so in Schutz nahm. Er wollte alles in seiner Macht stehende tun, um sie zu unterstützen. Spikes Vater war Mitglied des Gremiums and der UCS und der UCLA. Seine Eltern waren schon immer sehr wohlhabend gewesen und Spike wusste, dass sie für sein Kind ein Treuhandfond anlegen würden. Das einzige was er tun musste, war Buffy zu finden.

Spike saß in dem Restaurant, in dem er mit Buffy gewesen war, als er von der Schwangerschaft erfahren hatte. *Ich halte das nicht mehr aus. Ich muss sie finden und ihr zu verstehen geben, dass ich nicht böse auf sie bin. Ich will doch nur für sie da sein.* Er hatte Xander und Willow am vergangenen Abend angerufen und ihnen gesagt, dass er sich mit ihnen treffen wollte. Er war schon etwas früher da, weil er seine Gedanken noch sortieren wollte. Als er das Päckchen mit dem Zucker aufriss und in seinen Kaffee schüttete, war er drauf und dran, die Kellnerin nach einer Zigarette zu fragen. Nachdem er erfahren hatte, dass er Vater werden würde, hatte er es mit Nikotinpflastern versucht, doch das hatte nicht so geklappt, wie er es sich vorgestellt hatte, also hatte er angefangen, Nikotinkaugummis zu kauen. Aber das brachte auch nicht viel und deswegen benutzte er jetzt beides. Es ging ihm zwar dabei nicht besonders gut, aber er war bereit alles zu tun, um Buffy in der Schwangerschaft beizustehen und natürlich war es auch besser für seinen Sohn oder seine Tochter.

Nach zwanzig Minuten kamen seine Freunde in das Restaurant. Xander hatte seinen Arm freundschaftlich um die Schultern der Rothaarigen gelegt und beide lachten über einen Insiderwitz. Spike war klar, dass diese beiden sich schon ziemlich lange sehr nahe standen. Spike fragte sich, ob es für ihn wohl möglich wäre, eine freundschaftliche Beziehung zu einer Frau aufzubauen, ohne dabei an Sex zu denken. Spike war kein Weiberheld, er ging nicht mit jeder Frau sofort ins Bett. Die Nacht mit Buffy war eine Ausnahme gewesen. Immer wenn die jungen Frauen von dem Geld seines Vaters erfuhren, wollten sie sofort mit ihm in die Kiste hüpfen. Spike hatte solche Mädchen schon immer gehasst. Dru war die einzige, der er in dieser Hinsicht vertraut hatte, denn ihre Eltern hatten ebenfalls Geld, das allerdings nicht vererbt wurde wie das von Spikes Familie. Ihr Vater war Geschäftsführer einer weltweit bekannten Computerfirma. Spike konnte es ja nun zugeben, dass dies eigentlich der einzige Grund war, warum er mit Dru ausgegangen war, denn er brauchte bei ihr nie Angst zu haben, dass sie nur wegen seines Geldes mit ihm zusammen war. Sie sprachen auch nie über Finanzielles, das lag aber auch daran, dass sie viel mehr Zeit mit Sex verbrachten  als dass sie redeten. Spike brauchte sich bei Buffy deswegen aber auch keine Gedanken zu machen, denn Oz hatte Willow niemals gesagt, dass er aus einem reichen Hause kam. Buffy hatte erst davon erfahren, als sie mit Xander bei ihm zu Hause gewesen war. Aber das komische daran war, dass er ihr sofort Geld gegeben hätte, wenn sie es brauchen würde. *Nur damit ich mit Sicherheit weiß, dass es ihnen gut geht*.

Xander und Willow setzten sich zu ihm und Spike zeigte der Kellnerin an, dass er noch zwei Tassen Kaffee haben wollte. „Also Spike, wie geht es dir?“ fragte Willow freundlich und Spike lächelte sie an.

„Es geht, Red. Es ist wieder einer dieser Tage, an dem ich weiß…“, er zeigte auf sich, „…dass du weißt…“, er zeigte auf das Mädchen, das ihm gegenüber saß „…dass ich weiß, dass du etwas weißt, was ich wissen will…So, falls ich dich genug durcheinander gebracht habe, sag mir, wo ich Buffy finden kann.“ Er grinste sie an, als Willow auf dem Sitz hin und her rutschte.

„Mann, ich habe zwar kein einziges Wort von dem verstanden, was du gesagt hast, aber ich stimme dir zu. Sie ist nun schon seit einem Monat weg. Das ist genug Zeit um herauszufinden, was sie wirklich will. Ich will nicht eher mit der Wohnungssuche anfangen, bis Buffy wieder da ist. Ich weiß dass sie garantiert mitbestimmen will, wo wir wohnen“, platzte es aus Xander heraus, als er die Speisekarte in die Hand nahm.

„Hey, meinem Dad gehören ein paar Häuser in der Nähe des College. Ich denke er hat garantiert eine Dreizimmerwohnung für euch, wenn du willst.“

„Das wäre cool, aber ich denke Buffy möchte lieber in eine ruhigere Gegend. So nah am Campus bedeutet auch viele Studenten. Ich hatte mehr an etwas in dem Westteil der Stadt gedacht, mit einer Bushaltestelle in der Nähe.“

„Ich könnte ihr ein Auto besorgen. Es wird sehr umständlich, mit einem Kind Bus zu fahren, außerdem haben die keine Kindersitze. Wie fahren Babys eigentlich mit dem Bus?“ fragte Spike.

„Normalerweise in einem Tragegurt. Ich weiß auch nicht wie Buffy es findet, wenn du ihr ein Auto kaufst, und du solltest wissen, dass Buffy und Autos kein gutes Zeichen bedeutet. Sie gehört zu den ewigen Fußgängern. Willow, kannst du dich noch an Buffy in der Fahrstunde erinnern?“ Xander fing an zu kichern und bemerkte nicht, wie wütend die Rothaarige neben ihm wurde als er fragte: „Also Willow, wo ist sie?“

„Sag ich nicht“, flüsterte sie.

„Was!“ Xander verschluckte sich fast an seinem Kaffee. „Willow, sie muss wiederkommen. Ich konnte ja verstehen, dass sie ein bisschen Abstand brauchte, aber … komm schon.“

„Das ist genau der Grund warum sie gegangen ist! Du versuchst immer auf sie aufzupassen, Xander. Du musst kapieren dass sie erwachsen ist. Hast du eigentlich schon mal daran gedacht, dass sie es vielleicht gar nicht will, dass du dich um sie kümmerst?“ Willows Gesichtsfarbe ähnelte schon sehr ihrer Haarfarbe, als sie da saß und auf ihre volle Tasse Kaffee starrte.

„Ich liebe sie, Willow. Ich versuche doch nur zu helfen.“ Xanders Gesicht verzog sich besorgt.

„Weißt du wie du ihr helfen kannst, Xan? Fange an zu leben! Eins, das sich nicht nur um deine kleine Schwester dreht. Ruf Cordy an. Gehe aufs College und hör auf, Buffy als Ausrede zu benutzen. Das arme Mädchen hat immer gedacht, dass sie perfekt sein müsste, damit du glücklich bist. Sie weiß ganz genau, was du alles für sie aufgegeben hast. Buffy ist nicht so dumm wie du vielleicht denkst. Sie weiß dass du damals in der Pizzeria gearbeitet hast, um ihr eine Cheerleaderuniform oder die Ballkleider zu kaufen. Sie wusste dass du sie angelogen hast als du behauptet hast, dass Darla dir das Geld gegeben hätte und genauso wusste sie, dass Darla sie angelogen hat, indem sie behauptet hatte, dass sie dir das Geld gegeben hatte. Denkst du wirklich, dass Buffy all das gewollt hat? Erinnerst du dich noch daran, was du ihr gesagt hast, als sich einen Job suchen wollte? Du hast ihr gesagt, dass sie sich dann nicht mehr auf die Schule konzentrieren könnte.“

Nach einer Weile bemerkte Willow, dass sie in Gegenwart von Spike über Familienprobleme sprach und wurde mit einem Mal ruhig.

„Oh Gott Xander, das tut mir ja so leid. Ich weiß dass du immer nur das beste für sie willst, aber Buffy muss einige Sachen halt alleine bewältigen. Sie kann nicht immer das tun, was du von ihr verlangst.“

Willow sah Spike an.

„Das gleiche gilt auch für dich. Du hast mir schon seitdem ich mich hier hingesetzt habe bewiesen, dass du auch nicht besser bist.“

„Was hab ich denn gemacht?“

„Ich hasse Kaffee.“ Willow lächelte ihn an, als Spike beschämt zur Seite sah. „Und bitte kauf ihr kein Auto, denn Buffy ist wirklich eine sehr schlechte Fahrerin.“ Xander und Spike mussten über diese Aussage lachen. „Ganz tief in mir drin weiß ich, dass ihr beide Recht habt, doch ich kann euch nicht sagen, wo sie ist.“ Willows Augenbrauen waren nach oben gezogen und ihr Mund war zu einer ernsten Miene verzogen.

„Oh nein. Ich weiß was dieses Gesicht zu bedeuten hat, Spike.“

„Was?“

„Keine Widerrede.“

Kapitel 8

Spike konnte sich schon denken, dass Willow ihm nicht die Informationen geben würde, die er brauchte. Er und Oz hatten schon ein paar Mal versucht herauszufinden, wo Buffy sich aufhielt, aber Willow sagte immer, dass Buffy garantiert nach Hause kommen würde, wenn sie bereit dazu wäre. Alles was aus ihr herauszubekommen war, war dass sie die Blondine an einen sicheren Ort gebracht hatte. Nachdem Xander das „Keine Widerrede Gesicht“ von Willow erklärt hatte, verabschiedete sich Spike und bezahlte das Frühstück für alle. Er saß ein paar Minuten regungslos in seinem Auto, bevor er den Motor startete und nach Hause fuhr. Aus dem Radio ertönten lautstark die Sex Pistols und er sang aus voller Brust mit, um seine Nerven zu beruhigen.

Seine Eltern unterstützen ihn erstaunlicherweise, nachdem er gesagt hatte, dass es sein Baby war. Joyce hatte ganz wie eine werdende Oma gehandelt und eines der Gästezimmer in ein Kinderzimmer umgestaltet. Natürlich mit allem was dazugehörte, wie eine Wiege, einen Wickeltisch und haufenweise anderes Babyzeug. Spike musste lächeln als sie dann auch noch das Album mit den Fotos von Klein William Giles hervorkramte.

Nachdem er das Auto in die Garage gefahren hatte, ging Spike in den Raum, den er als Kind immer das `Gartenzimmer´ genannt hatte. Jeden Morgen frühstückten Rupert und Joyce in dem großen Raum, bevor sie sich ihren Aufgaben widmeten. Sie saßen also, so wie er es vermutet hatte, an dem riesigen Frühstückstisch. Dieses Zimmer war schon immer eines seiner Lieblingsräume in dem Anwesen gewesen. Zwei Wände waren komplett aus Glas und der Boden war mit großen Terrakotta-  Fliesen ausgelegt. Pflanzen in jeder erdenklichen Größe füllten den Raum. Joyce hat Jahre damit verbracht, alles über das Aufziehen von Pflanzen zu lernen. Sie hatte Rosen, Gardenien, Chrysanthemen und Schmetterlingsbüsche in Terrakotta- Blumentöpfe die das ganze Jahr hindurch blühen. Sie hatte auch eine ansehnliche Sammlung von Fikussen und Hortensien in allen möglichen Farben.

„Hallo, William. Wir dachten du triffst dich mit deinen Freunden zum Frühstück. Soll Amy dir auch ein Gedeck holen?“, sagte Joyce, als sie ihren Sohn sah.

„Nein, danke…ich habe schon was gegessen. Hört mal, ich möchte gerne mit euch was bereden“, sagte Spike als er sich hinsetzte. *Es gibt keinen Grund zu warten*. „Ich habe heute Morgen mit Xander und Willow gesprochen.“ Rupert und Giles sahen ihren Sohn hoffungsvoll an. „Willow will uns immer noch nicht sagen, wo Buffy ist. Ich weiß, dass ihr beide ihren Wunsch respektiert, aber je öfter ich mit Xander rede, umso mehr bin ich der Ansicht, dass sie nach Hause kommen sollte. Sie ist doch erst Achtzehn und sie ist das erste Mal von zu Hause weg. Was aber noch wichtiger ist: weg von ihrem Bruder.“ Joyce warf ihrem Mann einen betroffenen Blick zu. Spike hatte ihnen von der Gewalt, in der die Summers Kinder aufgewachsen waren, erzählt. „Ist aber auch egal, ich wollte von euch eigentlich nur wissen, was ich tun soll?“

Dies war eine Sache, bei der sich Spike nicht ganz sicher war. Er wusste, dass die Antwort seines Vaters sich so anhören würde: „Lass das Mädchen in Ruhe, sie wird schon nach Hause kommen.“ Aber Joyce hatte schon immer einen sehr regen Beschützerinstinkt gezeigt, wenn es um Buffy ging. Sie hatte geweint, als Willow ihr von den blauen Augen und den Flecken erzählt hatte. Sie hatte Xander versprochen, sich um seine kleine Schwester zu kümmern, wenn sie wieder auftauchen sollte.

„Ich will einen Privatdetektiv engagieren“, sagte Joyce plötzlich.

„Schatz, du musst ihr Zeit geben, wenn das alles ist was sie will.“

„Rupert! Sie muss nach Hause kommen. Sie ist schwanger und allein. Ich kann mir nicht vorstellen in ihrer Haut zu stecken. Ganz allein. Ich kann ihren Grund verstehen, warum sie weggegangen ist. Du sagtest ja, dass ihre so genannten Eltern ihr gesagt haben, sie solle verschwinden, aber vielleicht braucht sie ja auch einen Grund um wiederzukommen. Ich denke ein Privatdetektiv ist die beste Möglichkeit. Ich werde unsere Anwältin anrufen und werde gucken was sie tun kann.“ Bevor Rupert etwas sagen konnte, verließ Joyce das Zimmer, um zu telefonieren.

Rupert sah seinen Sohn schulterzuckend an und frühstückte weiter.

*** *** ***

Buffy war wirklich überrascht, wie viele Mädchen in dem Heim wohnten. Das Madonnahaus war ein dreistöckiges Gebäude, welches Einzelzimmer mit Bad hatte. Im ersten Stock waren einige große Räume, in denen sich die Küche, ein Esszimmer und ein Fernsehraum befanden. Ein paar kleine Räume wurden als Trainingsräume und zum Lernen benutzt. Auf den nächsten beiden Stockwerken befanden sich die Schlafräume. Buffys Zimmer hatte die Größe einer Gefängniszelle, in dem ein kleines Doppelbett und ein Kleiderschrank stand, obwohl einige der anderen Mädchen ein größeres Zimmer hatten, in dem noch eine Wiege für das Baby war. Buffy hatte den ganzen letzten Monat kaum Kontakt zu den anderen Mädchen in dem Heim gehabt, denn den ganzen Tag jammerten sie über ihre dicken Bäuche und ihre bösen Freunde. Nur eine der Frauen war verheiratet, aber ihr Mann saß im Gefängnis.

Seitdem Buffy in dem Heim war, hatte sie sich nur mit zwei Frauen angefreundet. Anya hatte das Zimmer neben ihrem. Die hübsche Brünette war im siebten Monat und jeden Morgen half Buffy ihr die Socken und Schuhe anzuziehen. Der Bauch des armen Mädchens war so groß, dass sie ihre eigenen Füße schon seit einem Monat nicht mehr gesehen hatte. Anya Jenkins war mit ihrer Highschool- Liebe nach LA gekommen, weil er Schauspieler werden wollte, doch nachdem er herausgefunden hatte, dass sie schwanger war, war er abgehauen und hatte sie sitzen gelassen. Anya hatte sich dazu entschlossen, ihren Sohn nach der Geburt in eine Pflegefamilie zu geben…sie hatte auch schon ein Ehepaar gefunden.

Die andere Person, die sie nicht ignorieren konnte, war Tara McClay. Tara war eine der Betreuerinnen im Madonnahaus und Buffy war wirklich überrascht gewesen, als sie Tara das erste Mal getroffen hatte. Die Frau war nur ein paar Jahre älter als Buffy, arbeitete aber schon seit Jahren in dem Haus. Tara konnte man hundertprozentig vertrauen. Sie sprach immer sehr leise und war immer für die Mädchen da, wenn sie eine Umarmung brauchten oder ihre Hormone mal wieder verrückt spielten.

Tara hatte Buffy geholfen, einen Job als Kellnerin ein einem kleinen Restaurant um die Ecke zu bekommen. Obwohl sie schon im vierten Monat war, konnte man bei Buffy noch nicht wirklich etwas sehen. Sie hoffte, dass sie noch ein paar Monate arbeiten konnte, ehe sie nicht mehr zwischen den Tischen im Lokal hindurchpasste. Buffy wollte Geld zusammensparen, damit sie sich nach der Geburt des Babys ein Appartement leisten konnte.

Wenn Buffy von der Arbeit kam, ging sie immer zuerst duschen, denn sie hasste den Geruch von dem Frittierfett und dem Schweiß, der ihr anscheinend immer nach Hause folgte, wenn sie das Restaurant verließ. Nachdem sie sich geduscht hatte, ging sie wie immer in den Fernsehraum. *Ein weiterer lustiger Abend*, dachte sie traurig.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite parkte ein schwarzer Transporter. Faith Evans nahm ihr Handy und wählte eine Nummer. „Mr. Giles, hier ist Faith. Ich weiß wo sie ist.“

Kapitel 9

„Also, mein Sohn. Was hast du denn für Pläne?“ fragte Rupert.

„Pläne? Mit Buffy? Sie zu finden.“

„Und danach?“

Spike hielt einen Moment inne, bevor er antwortete. „Ich möchte für das Baby da sein. Ich weiß zwar nicht, was zum Vatersein alles dazugehört, aber das kann ich lernen.“

„Kein Mann weiß, wie man sich als Vater verhalten muss. Es ist etwas, was du einfach lernen und tun musst. Was ist mit Elisabeth?“ fragte Rupert. „Sie hat einen sehr harten und steinigen Weg vor sich.“

„Ich kann ihr helfen“, sagte Spike und ein kleines bisschen Frustration schwang in seiner Stimme mit.

„Ja sicher…mit Geld…aber denkst du, dass sie es auch annehmen wird?“

„Ich glaube nicht, dass sie käuflich ist, wenn es das ist was du denkst.“

„Nicht im geringsten. Wenn das der Fall wäre, wäre sie jetzt hier. Was ich meinte ist, dass sie praktisch ganz alleine dasteht. Selbst mit deinem Geld hat sie niemanden, der sie unterstützt oder auf den sie sich verlassen kann. Elisabeth scheint solch eine Person zu sein, die immer erst an das Wohl ihres Kindes denken wird. So sollte es auch sein. Ein Kind großzuziehen ist nicht gerade einfach und ihre Pläne fürs College wird sie auch bald vergessen haben. Sie wird noch nicht einmal die Zeit haben, um auszugehen. Und denke doch auch bitte mal an dich. Ohne ein Kind wird es für dich leichter, ein eigenes Leben anzufangen.“

„Ich werde mein Kind nicht im Stich lassen! Ist es das was du von mir verlangst?“ Spike war so wütend, dass seine Hände zitterten. Der Gedanke daran, sein Kind niemals zu sehen, machte ihm Angst. Und ihm wurde schlecht als er daran dachte, dass sein Vater von ihm dachte, er könnte Buffy mit dem Kind in Stich lassen.

„Nein William, aber vielleicht will sie es. Sag mir mal, ob du ihr nach eurer gemeinsamen Nacht gesagt hast, ob du sie anrufen würdest?“ Rupert versuchte wirklich ruhig zu bleiben.

„Dad, Ich habe…es war doch nur diese eine Nacht.“

„Das ist es ja, und nun kannst du ihr Geld geben, wenn sie es überhaupt annimmt. Ich nehme an, dass Elizabeth kein Vertrauen in dich hat und sich nicht auf dich verlassen wird, jedenfalls nicht, was das Emotionale angeht.“

„Wenn du deine Argumentation zu Ende gebracht hast, kannst du ans Telefon gehen.“ Keiner der beiden Männer hatte bemerkt, dass Joyce das Gartenzimmer betreten hatte und Rupert nahm ihr das schnurlose Telefon aus der Hand.

„Mr. Giles, hier ist Faith. Ich weiß wo sie ist.“ Rupert holte einen Stift aus seinem Jackett und schrieb die Adresse auf einen Block.

„Ich danke Ihnen, Faith. Machen Sie weiter und beobachten Sie. William wird in zwei Stunden in LA sein.“ Er legte auf und riss das Blatt ab. „Dies ist die Adresse, wo sie sich im Moment aufhält. Ich möchte sehr gerne, dass du sofort nach LA fährst, aber bitte denk an das, worüber wir gesprochen haben.“ Rupert sah seinem Sohn tief in die Augen und suchte dabei etwas ganz bestimmtes. Nachdem er es gefunden hatte, gab er Spike den Zettel.

„Rupert! Ging es gerade um Buffy? Wie hast du es herausgefunden?“ Joyce begann zu kichern. „Du hattest schon einen Privatdetektiv engagiert, oder? Wann hast du das gemacht?“

„Vor einer Woche und ich bin immer noch der Meinung, dass wir sie entscheiden lassen sollten, ob sie zurückkommen will oder nicht.“ Rupert versuchte ein Grinsen zu unterdrücken, als seine Frau mit einem breiten Lächeln vor ihm saß.

*** *** ***

Spike schaffte es innerhalb von anderthalb Stunden in LA zu sein, dort brauchte er dann noch einmal zwanzig Minuten, bis er das Haus gefunden hatte. Er fuhr noch eine weitere halbe Stunde in der Nachbarschaft herum und redete sich ein:  *Es sind nicht die Nerven! Ich bin nicht nervös.*

Schlussendlich parkte er sein Auto einen Block weiter weg und machte sich auf den Weg zu dem dreistöckigen Haus. Die Tür würde, kurz nachdem er geklopft hatte, geöffnet. „Was immer du auch willst, ihr ist es egal.“

Spike starrte die Brünette, die an sich ziemlich zierlich aussah, wenn da nicht ihr Babybauch gewesen wäre, geschockt an.

„Hat Buffy das gesagt?“ Spike wusste nicht, was es tun sollte, er wollte doch eigentlich nur alles wieder in Ordnung bringen.

„Du musst Spike sein. Ich kann es nicht glauben, dass so ein nettes Mädchen wie sie sich mit einem Typen einlässt, der Spike heißt. Sie hätte es besser wissen müssen.“

„Anya! Was machst du da? Lass ihn herein.“ Spike schaute an Anya vorbei und sah die Frau an, die in der Einganshalle stand. Sie sah nicht schwanger aus. *Aber das tat Buffy auch nicht.*

„Entschuldige, Tara.“ Anya sah nicht gerade so aus, als ob es ihr Leid täte. „Ich gehe und hole Buffy.“ Mit diesen Worten watschelte sie an Tara vorbei.

Spike war sich nicht sicher, was er sagen sollte. „Oh Mann, ich glaube alle Frauen in diesem Haus hassen Männer. Danke für deine Hilfe.“

„Mach dir keine Gedanken, nicht alle hier hassen Männer.“ Spike sah überrascht auf und sah, dass Tara ihn schüchtern anlächelte und er erwiderte es.

„Spike! Was machst du denn hier? Wie hast du mich gefunden?“ Spikes Blick wanderte in die Richtung, aus der die Stimme kam, und er sah Buffy das erste Mal seit einem Monat. *Verdammt sieht sie klasse aus!*

„Spike, hörst du mir überhaupt zu?“

„Huh? Oh ja, natürlich habe ich dir zugehört“, sagte Spike etwas schüchtern.

„Nein, das hat er nicht! Das tun sie nie! Männer! Sie denken nur mit ihrem Penis und lassen dich danach sitzen!“

Spike und Buffy sahen Anya sprachlos an, die etwas weiter hinter ihnen im Flur stand.

„Anya. Warum diskutieren wir dieses Thema und andere Sachen nicht in meinem Büro“, sagte Tara und deutete Anya an, ihr zu folgen.

„Okay, aber wenn er ihr Herz bricht und sie wieder im Stich lässt, ist es nicht meine Schuld!“

„Komm, lass uns woanders hingehen“, sagte Buffy, ergriff seine Hand und ging mit ihm zur Tür.

„Oh, Buffy!“ Buffy drehte sich um und sah Tara an. „Mach dir keine Gedanken wegen unserem Gespräch heute Nachmittag.“

Buffy lächelte Tara an und nickte ihr zu, als sie Spike aus dem Gebäude zog.

*** *** ***

Die beiden gingen schweigend nebeneinander her. Jeder wartete darauf, dass der andere ein Gespräch anfing. Spike räusperte sich als ihm auffiel, dass sie Händchen hielten. „Also…bist du schon lange hier?“

„Das war eine blöde Frage.“

Beide lächelten sich an. „Ja, und ich kann sogar nach der Geburt hier bleiben. Die meisten dieser Heime schicken dich weg, nachdem das Kind da ist. Tara ist großartig und Anya meint das alles nicht so wie es sich anhört.“

Buffy führte Spike in einen Park, der sich in der Nähe ihres Arbeitsplatzes befand. Nachdem sie eine Bank gefunden hatten, setzten sie sich.

„Also, wie geht es dir und dem Baby?“ *Mein Gott, was bin ich lahm!*

„Gut. Es geht uns beiden gut.“ Als sich wieder eine große Stille aufbaute, begann Buffy mit dem Saum ihres T-Shirts zu spielen.

„Also…ähm, brauchst du irgendetwas?“

*Finanziell oder emotional…? Ich glaube ich könnte bei beidem helfen.*

„Nein, danke. Das Heim übernimmt das meiste. Arztrechungen, Essen und all das. Oh…und ich habe einen Job.“

Spike sah die Freude in ihren Augen.

„Ja? Was machst du denn?

„Ich bin eine Kellnerin“, sagte sie stolz, aber Spike schien dies gar nicht zu gefallen.

*Sie sollte eigentlich zu Hause sitzen und sich schonen.* Zum Glück sprach er diesen Gedanken nicht aus.

„Ich weiß, es ist nicht der beste Job, aber ich habe keine Erfahrung und außerdem bin ich schwanger.“

Sie erzählte ihm alles über ihren Job, aber Spike war in seine eigenen Gedanken versunken.

*Es war das Beste, was sie machen konnte, denn sie ist mit meinem Kind im vierten Monat schwanger. Sie sollte eigentlich jetzt mit Willow auf dem College sein. Ich wette sie hätten zusammen ein Zimmer genommen. Alles worüber sie sich Gedanken machen sollte, wären ihre Arbeiten und ob sie der Verabredung für den nächsten Freitag zusagen sollte. Dad hatte Recht. Ich habe ihr das alles angetan…es ist meine Schuld.*

„Heirate mich.“ *Oh Gott… habe ich das wirklich gesagt?*

„Was!?“ * Oh Gott…hat er mich das wirklich gefragt?*

Kapitel 10 : A Simple Kind Of Life

„Also, was hast du gesagt?”

„Tara! Was sollte ich denn sagen? Er ist verrückt! Komplett durchgeknallt! Dies ist das dritte Mal, dass ich allein mit ihm war.“ Buffy konnte dies alles nicht glauben und starrte Tara ungläubig an. „Wer denkt denn so etwas! Ich mein…heiraten? Ich soll einen Mann heiraten, den ich kaum kenne?“

„Das ist nichts Ungewöhnliches, Buffy. Ihr beiden fühltet euch zueinander hingezogen, denn sonst wärst du jetzt nicht hier“, sagte Tara ruhig.

„Hast du ihn gesehen? Natürlich fühlte ich mich zu ihm hingezogen. Er hat diese Augen…“ Buffys Lippen verformten sich zu einem kleinen Lächeln. „Ich schwöre dass ich den Ozean in der Nacht in seinen Augen sehen konnte.“

„Und es scheint, dass er ein sehr netter Typ ist.“

„Ja, er ist nett. Willow behauptet das zumindest.“ Buffy griff nach ihrer Wasserflasche und nahm einen Schluck. „Ich kann nur nicht verstehen, warum er mich heiraten will?“

„Das ist ein weiterer Grund, warum alle Männer kastriert werden sollten.“ Buffy und Tara drehten sich um und sahen Anya in der Tür stehen. „Nun, vielleicht Ben Affleck nicht, der sollte so oft wie möglich geklont werden. JLo ist wirklich ein Glückspilz.“

Buffy atmete tief ein. „Ich weiß dass ich es bereuen werde, aber könntest du mir mal erklären, wovon du sprichst, Anya?“

„Nun, wenn du schon fragst“, sagte Anya, kam herein und setzte sich in einen der Stühle, zumindest versuchte sie es.

„Du bist schlau, sehr attraktiv und sehr umgänglich. Eine Hochzeit würde für euch beide sehr vorteilhaft sein. Du hast all die Vorzüge, die sein Geld mit sich bringt…du weißt schon, wie ein Haus, College und ein Auto…und wir wissen, wie einfach du rumzukriegen bist, also wird er so viele Orgasmen bekommen wie er will.“

„Anya!“

„Was denn? Es ist doch wahr. Sie wird sehr viel bekommen, wenn sie Spike heiratet und Männer sind so einfach zu durchschauen. Sie würden alles tun, um Sex zu bekommen.“

„Ich bin vielleicht einfach herumzukriegen, aber ich bin keine Schlampe. Ich werde nicht des Geldes wegen mit ihm schlafen.“

„Oh, das ist ja noch besser. Heirate ihn, aber gib ihm keinen Sex, das wird die richtige Bestrafung für ihn sein.“

„Anya, das reicht. Ich weiß dass du es nur gut meinst, aber ich will es ihm weder heimzahlen, noch will ich sein Geld!“ Buffy versuchte wirklich, ihren Ärger im Zaum zu halten.

„Alles was ich damit sagen will ist, dass eine Heirat mit Spike euch beiden etwas Gutes tun würde.“ Anya schnaufte ärgerlich als sie versuchte aufzustehen. Buffy bemerkte es und half ihrer Freundin aus dem Stuhl. „Danke. Ich glaub ich werde mir eine Tüte Chips krallen und mich vor den Fernseher pflanzen.“

Buffy sah Anya hinterher, als sie den Raum verließ. „Sie hat nicht ganz Unrecht.“

„Dass eine Hochzeit mit Spike eine gute Idee wäre?“ fragte Tara.

„Das und dass JLo ein Glückspilz ist.“

Beide Frauen lachten.

„Ich denke du solltest mit Spike reden, Buffy. Er scheint wirklich ein sehr netter Mensch zu sein.“ *Und extrem heiß*, fügte Tara leise hinzu.

Buffy schaute auf die Uhr. „Verdammt. Ich muss zur Arbeit. Danke, Tara…wir sehen uns später.

„Bye Buffy…bis später.“

*** *** ***

Auf dem halben Weg zwischen LA und Sunnydale hielt Spike auf dem Seitenstreifen an und beobachtete einen Moment lang die vorbeirasenden Autos.

*Was mach ich denn?*

Er stieg aus seinem immer noch laufenden Wagen und ging zur Beifahrerseite herüber. Er lehnte seinen Kopf auf das Dach. *Mann, fahr wieder zurück.*

„Warum?“ sagte er zu sich selbst.

*Weil sie dir ein Geschenk gegeben hat, von dem du nie gedacht hättest, dass du es bekommen würdest.*

„Fahr zurück.“

Spike wiederholte diese beiden Worte wie ein Mantra und begab sich wieder zur Fahrerseite.

Die Fahrt zurück nach LA ging sehr schnell.

*** *** ***

Entschlossenen Schrittes stieg Spike die Stufen des Madonna Hauses empor. Er klopfte, doch als niemand antwortete, öffnete er die Tür und betrat die Einganshalle.

„Hallo?“ Er wartete einen Moment, bevor er etwas lauter rief. „Hallo, ist jemand da?“

Nach einer kleinen Weile sah Spike eine Frau den Flur entlang kommen.

„Spike?“ Es war Tara. „Buffy ist im Moment nicht hier.“

„Oh. Wo ist sie?“

„Arbeiten“, sagte Tara und zeigte ihm an, dass er ihr folgen sollte.

„Dies ist mein Büro. Warum setzt du dich nicht? Buffy hilft nur einem ihrer Arbeitskollegen für eine Stunde. Sie wird bald zurück sein.“

Spike setzte sich in einen alten Bürostuhl.

„Buffy hat mir nicht sehr viel über dich erzählt.“

Spike lächelte sie vorsichtig an. „Ich denke das liegt daran, dass sie nicht sehr viel über mich weiß.“

„Glaubst du dass es klug ist, eine Frau, die dich nicht einmal richtig kennt, zu fragen ob sie dich heiraten will?“

„Sie hat dir davon erzählt?“ fragte Spike überrascht.

„Ja. Hast du das ernst gemeint?“

Spike lehnte sich in seinem Stuhl zurück und wünschte sich nichts mehr als eine zu rauchen. „Ich dachte eine Heirat wäre der richtige Schritt.“

„Wegen dem Baby?“

„Ja…“ Spike schloss seine Augen.

*Würde er es auch tun, wenn es kein Baby geben würde? Vielleicht. Er würde so einiges tun, um sie aus ihrem Elternhaus zu bekommen.*

„…aber Buffy hat noch mehr Probleme und ich kann ihr durch die Heirat auch dabei helfen. *Wie wahr*, dachte er.

*Sie wäre zwar aufs College gegangen, aber sie müsste trotzdem in den Ferien und zu Familienfesten zurück nach Hause. Ich würde ihr dabei helfen, dass sie es nicht mehr muss.*

„Liebst du sie?“

*Bitte stelle nicht diese Frage.*

„Ob ich sie liebe? Ich denke das ist eine Sache zwischen Buffy und mir.“ Tara schien mit dieser Antwort zufrieden zu sein.

„Ich denke du solltest mit ihr reden, aber nicht sofort. Warte bis sie von der Arbeit kommt. Ich kann dir zeigen, wo ihr Zimmer ist, wenn du möchtest.“

Tara stand auf und ging langsam aus dem Raum. Sie führte ihn einen kleinen Korridor entlang, bis sie vor einer Treppe stehen blieben.

„Buffys Zimmer ist das zweite Zimmer auf der rechten Seite. Versuch bitte, dass die anderen Mädchen dich nicht sehen.“

Als er sie fragend ansah, erklärte sie ihm, dass Männer in den Zimmern nicht erlabt waren.

„Sollte ich dann nicht vielleicht besser hier unten warten?“

„Darüber würde ich mir keine Gedanken machen. Ich glaube sowieso, dass Buffy die längste Zeit hier gewesen ist.“

Tara lächelte Spike zu und ging zurück in ihr Büro.


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